
Für den neuen rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing ist die Intensivierung der Wirtschaftsförderung im Bundesland ein wichtiges Anliegen. Dazu gehört für ihn vor allem auch der gemeinsame, regelmäßige Austausch mit den kommunalen Wirtschaftsförderungseinrichtungen. „Mein Ziel ist es, gemeinsam mit Ihnen, die Stärken des Landes Rheinland-Pfalz und seiner Regionen im nationalen wie auch im internationalen Wettbewerb herauszustellen. Ich möchte eine nachhaltige Wirtschaftspolitik machen, um den Standort Rheinland-Pfalz für die bestehenden Unternehmen attraktiv zu gestalten und weitere Unternehmen für unser Land zu gewinnen“, schreibt der Wirtschaftsminister in seinem ersten Newsletter an die rheinland-pfälzischen Wirtschaftsförderer, in dem Sabine Müller von der Wormser Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Wfg) zum Standort Worms interviewt wurde. Für den persönlichen Dialog mit dem Minister werden die Wirtschaftsförderer dann im Herbst 2016 Gelegenheit haben. „Auf das persönliche Kennenlernen und die Gespräche freue ich mich bereits jetzt“, betont Dr. Wissing. Das Interview zum Standort Worms ist auf der Homepage der Stadt unter www.worms.de nachzulesen.
Oberbürgermeister Michael Kissel ist erfreut, dass gleich zu Beginn der Informationsarbeit des Wirtschaftsministeriums der Focus auf die Nibelungenstadt gelenkt wurde. „Obgleich wir bei der Ausweisung von großflächigen Gewerbegebieten aus bekannten Gründen bis auf Weiteres eingeschränkt sind, hat der Wirtschaftsstandort Worms in unserem Bundesland einen hohen Stellenwert. Durch die hervorragende trimodale logistische Anbindung über Straße, Schiene und Wasserweg bieten wir weltweit agierenden Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen nach wie vor beste Standortbedingungen“, unterstreicht der Stadtchef. Über die wirtschaftliche Entwicklung von Worms wolle er demnächst persönlich mit dem neuen Wirtschaftsminister sprechen, merkt Michael Kissel an.
Dialog mit Sabine Müller
1. Was hat der Standort Worms, was andere Standorte nicht haben?
Worms am Rhein verbindet Geschichtsträchtigkeit und kulturelle Vielfalt mit attraktiven Angeboten eines modernen und aufgeschlossenen Wirtschaftsstandorts und hat sich als Nibelungen-, Dom-, Luther- und Weinstadt einen Namen gemacht. Worms verfügt über eine ausgezeichnete wirtschaftsgeographische Lage in den Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar und ist als lebendiges und historisches Mittelzentrum in Rheinhessen vortrefflich positioniert, was sie zu einem bedeutenden Wirtschaftsstandort mit leistungsstarken Industriebetrieben und modernen Dienstleistern macht. In Worms sind alle Schularten und eine eigenständige Hochschule (Informatik, Wirtschaftsinformatik, Kommunikationsinformatik, Touristik/Verkehrswesen, Steuerwesen, Handelsmanagement, International Management, Internationale Betriebs- und Außenwirtschaft), ein facettenreiches Freizeit- und Kulturangebot, hohe Wohnqualität und günstige klimatische Bedingungen vorzufinden, was das Leben für über die 80.000 Einwohner angenehm und abwechslungsreich macht. Die ausgezeichnete Anbindung über Straße, Schiene, Wasser und Luft ist ein wichtiger, wenn nicht sogar entscheidender Standortfaktor für zahlreiche Unternehmen jeder Größenordnung, sich in Worms niederzulassen. Durch die gute Vernetzung der Wirtschaftsförderung mit den Unternehmen und der Hochschule wird zudem ein Wissenstransfer auf höchstem Niveau sichergestellt, was die Weiterentwicklung des Standortes aufgrund der Herausforderungen der Digitalisierung gewährleistet.
2. Was war Ihr größter Erfolg?
Die Tätigkeiten der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für die Stadt Worms mbH (wfg) sind darauf gerichtet, Worms als Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln, sowie die Schaffung neuer und zur Erhaltung vorhandener Arbeitsplätze in Worms die An- und Umsiedlung von Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben und den Tourismusstandort Worms zu fördern. Den einen größten Erfolg gibt es in der Arbeit der Wirtschaftsförderung nicht, vielmehr sind es die vielen Einzelerfolge, die in ihrer Gesamtheit wirken. So haben die stetige Optimierung der Standortbedingungen und die zielstrebige Ansiedlungspolitik für Wachstum und Beschäftigung gesorgt. Heute sind in Worms über 33.000 Menschen in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Das sind knapp 27 Prozent mehr Beschäftigte als noch vor 10 Jahren, was zugleich den höchsten Beschäftigungsstand in der Stadtgeschichte darstellt. Nachdem die örtlichen Gegebenheiten der Schaffung weiterer Gewerbeflächen entgegenstehen, wurde die Bestandspflege der vorhandenen Betriebe weiter ausgebaut. So wurde im Jahr 2015 in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen eine Umfrage zum Fachkräftebedarf in Worms durchgeführt, um belastbare Zahlen für den Standort zu erhalten. Die Umfrage war mit einem repräsentativen Rücklauf ein weiterer Erfolg. Die Sicherung der Fachkräfteversorgung wird in Worms insbesondere im Bereich der dualen Ausbildungsberufe benötigt, was aufgrund der derzeitigen Akademisierung der Bewerber eine Herausforderung darstellen wird.
Bereits jetzt zeigt es sich, dass die Deckung des Fachkräftebedarfes nur durch eine gute Netzwerkarbeit gelingen wird. Erst durch die Einbindung aller lokalen und überregionalen arbeitsmarkt- und wirtschaftsrelevanten Akteure sowie den Schulen, Universitäten und Hochschulen in die Netzwerkarbeit werden Kompetenzen und Informationen gebündelt, mit denen der Fachkräftebedarf der örtlichen Wirtschaft passgenau gesichert werden kann.
3. Welche Wirtschaftsförderaktion (auch bundesweit) hat Sie im vergangenen Jahr am meisten beeindruckt?
Beeindruckend ist die bundesweite Bereitschaft der Wirtschaft sich bei der Integration von Flüchtlingen entscheidend einzubringen und mit eigenen Modellprojekten zu deren Arbeitsmarktintegration beizutragen. In Worms fand zusammen mit dem Netzwerk „Vitaler Arbeitsmarkt- Fachkräfteallianz Rhein-Neckar“ im Frühjahr eine Veranstaltung innerhalb der Reihe „Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen“ statt, in der die Arbeitgeber der Region über die rechtlichen und arbeitsmarktpolitischen Rahmenbedingungen informiert wurden. Außerdem hat die Wirtschaftsförderung der Stadt Worms in Zusammenarbeit mit der örtlichen Wirtschaft einen eigenen ausführlichen Kompetenzfeststellungsbogen entwickelt, der neben der Abfrage der schulischen und beruflichen Kenntnisse auch das bisherige ehrenamtliche oder sonstige Engagement der Flüchtlinge erfasst, um eine möglichst schnelle und passgenaue Beschäftigung der Flüchtlinge zu erreichen.
Mittlerweile konnten bereits Flüchtlinge als Praktikanten in Unternehmen vermittelt werden. In den Betrieben erhielten sie erste Einblicke in die deutsche Arbeitswelt. Zur besseren Integration wurden ihnen „Paten“ aus den Betrieben zur Seite gestellt, die diese jeden Tag bei ihrer Arbeit begleiten. Dieses Beispiel zeigt anschaulich, dass durch die Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaftsförderung, den Betrieben und den Arbeitsmarktakteuren sowie einer guten Netzwerkarbeit und intensiven Austausch die Wirtschaftsförderung ein verlässlicher Partner der Betriebe vor Ort darstellt und schnelle pragmatische Lösungen gefunden werden.
Durch dieses vernetzte Arbeiten werden auch die künftigen Herausforderungen, wie die Sicherung des Fachkräftebedarfes und der Digitalisierung, gut gelöst und begleitet werden können.
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