NEUES GEWERBEGEBIET MITTELHAHNTAL: Bauausschuss macht Weg für weitere Planungen frei / Gebiet umfasst 43 Hektar / Nachhaltige Entwicklung
„Wichtiges Zeichen für Wirtschaftsstandort Worms“
Übersichtsplan zur 2. Änderung des Flächennutzungsplans Worms 2030 für das Gebiet „Mittelhahntal“, Fluren 13, 14 und 15 (unmaßstäblich). Grafik: Stadt Worms
VON STEFFEN HEUMANN | Bei einer Enthaltung und einer Gegenstimme beschloss der Bauausschuss in seiner Sitzung am. Mittwoch die Einleitung zur 2. Änderung des Flächennutzungsplans Worms 2030 für das Gebiet „Mittelhahntal“. Nachdem bereits 2013 die Planungen für das Gewerbegebiet „Am hohen Stein“ ad acta gelegt wurden, nimmt die Stadt Worms jetzt den nächsten Anlauf gewerbliche Bauflächen auszuweisen, um an einer Ansiedlung interessierten Unternehmen alsbald entsprechende Angebote machen zu können. Das Plangebiet umfasst insgesamt eine Fläche von ca. 43 Hektar. Es befindet sich südwestlich der Innenstadt und grenzt im Westen an landwirtschaftliche Flächen, im Norden an landwirtschaftliche Flächen und Kleingärten, im Osten an ein Wohngebiet und im Süden an ein Gewerbegebiet. Teile der Fläche sind als Wald- und Forstfläche, als erhaltenswerte Biotopfläche, als geplante Fläche für Ausgleichs-, Ersatz- und Kompensationsmaßnahmen, als Kleingartenareal oder als genehmigte Außenbereichsvorhaben vorgesehen. Im Osten des Plangebiets befindet sich ein Umspannwerk.
Bedenken aus klimatischer Sicht
„Ein erster Schritt, für den es auch seitens der Regionalplanung keine Bedenken gibt“, erläuterte Guido Fronhäuser, Abteilungsleiter im Bereich Stadtplanung das Vorhaben von strategischer Größe. Das mochte Karl Müller, FWG/Bürgerforum, nicht vorbehaltlos teilen. Bei aller Notwendigkeit für Unternehmen Flächen bevorraten zu wollen, sei das Areal bedeutsam für die Frischluftzufuhr der Stadt. Planungen für künftige Gebäude dürfte sich dort daher nicht störend auf den Kaltluftzustrom auswirken, so Müller. Auch bat er in Richtung Verwaltung um Prüfung der Nutzung von Photovoltaikanlagen. Im Vergleich zum „Hohen Stein“ zwischen Pfeddersheim und Herrnsheim muss die Verwaltung allerdings kleinere Brötchen hinsichtlich ihrer Strategie backen. Statt 100 Hektar stehen südwestlich der Innenstadt nur 43 Hektar zur Verfügung, wobei das Ziel sei, 25 Hektar als zusammenhängende Fläche anbieten zu können. Dass das Areal auch aus klimatischer Sicht eine gewisse Bedeutung habe und daher nicht unproblematisch sei, bestätigte Guido Fronhäuser. Weitere Aspekte würden im Verfahren aufzeigt. So wolle man vermeiden, dass durch eine Bebauung keine Hitzeinseln entstehen.
Richard Grünewald, Bündnis 90/Die Grünen, der in dem Gebiet selbst Eigentum besitzt, äußerte sich skeptisch. Aufgrund der Ausgleichsflächen vermutet er, dass maximal 20 Hektar als zusammenhängende Fläche zur gewerblichen Ansiedlung genutzt werden können. Es sei geboten den Begriff „Strategische Größe“ aufzuheben. Stattdessen böte sich die Chance, darüber nachzudenken, welche Unternehmen man dort gerne ansiedeln würde und wieviele Jobs im Bezug zur Fläche dort entstehen sollen. Ralf Lottermann, SPD, begrüßte die Pläne. Schließlich sei das Angebot an größeren Gewerbeflächen sehr begrenzt. „Es ist wichtig, für den Wirtschaftsstandort Worms ein Zeichen zu setzen“, betonte Lottermann. Dr. Klaus Karlin, CDU, fügte an, dass man die Verfahrenslänge nicht außer Acht lassen dürfe, weshalb man sich zügig auf den Weg machen sollte. Es sei zweifelsfrei notwendig, sowohl für Unternehmen von außerhalb, als auch für Entwicklungen innerhalb der Nibelungenstadt Reserven vorzuhalten.
Für die Ansiedlung von Gewerbe gäbe es Kriterien als auch Vorschläge, ergänzte Timo Horst, SPD. Horst warb für einen engen Kontakt mit der Wirtschaftsförderung, damit auch die Gremien auf dem neuesten Erkenntnisstand blieben. Ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Arbeitsplätzen und Fläche sei wünschenswert. Wie Timo Horst anmerkte, sei es in Worms bislang nicht usus gewesen, Grundstücke einfach „rauszuschmeißen“.
Wormser Wirtschaft begrüßt Pläne
Die Industrie- und Handelskammer begrüßt ausdrücklich die Schaffung eines neuen Gewerbegebietes in Worms und fordert eine schnelle Umsetzung der Planungen. „Die Wormser Wirtschaft braucht Flächen, um wachsen zu können. Gerade in den vergangenen Monaten hat sich gezeigt, wie wichtig ein breiter Branchenmix und insbesondere verarbeitendes Gewerbe für die Stadt und den Arbeitsmarkt sind. Nur wenn wir auch in der Zukunft Flächen für die Erweiterung bestehender und die Ansiedlung neuer Unternehmen haben sowie eine kluge und vorausschauende Ansiedlungspolitik betreiben, bleibt Worms ein attraktiver Wirtschaftsstandort im Wettbewerb mit anderen Kommunen“, sagt IHK-Vizepräsident Michael Kundel. Dass ein neues Gewerbegebiet wichtig ist, betont auch IHK-Geschäftsführer Tim Wiedemann. „Leider müssen Anfragen von Unternehmen, die in Worms heimisch werden möchten, fast durchweg abgelehnt werden, da kaum noch geeignete Flächen vorhanden sind. Wenn wir Arbeitsplätze in der Region halten und innovativen Unternehmen eine Heimat bieten möchten, müssen wir im Gebiet Mittelhahntal ein neues Gewerbegebiet ausweisen.“
Natürlich bedeute die Schaffung von Gewerbeflächen eine Versiegelung des Bodens und damit negative Auswirkungen für die Natur. Deshalb sei es der Wormser Wirtschaft wichtig, dass geeignete Ausgleichsflächen geschaffen werden, so Wiedemann. Außerdem sei die Erreichbarkeit des neuen Gewerbegebietes in unmittelbarer Nähe zu den bestehenden Gewerbeflächen mit allen Verkehrsträgern ob Fahrrad, ÖPNV oder KFZ geradezu ideal, ergänzt Michael Kundel. Durch einen ganzheitlichen Ansatz lässt sich das geplante Gewerbegebiet zukunftsfähig und nachhaltig entwickeln, sind sich die IHK-Vertreter sicher.