Fr., 17. Oktober 2014, 08:54 Uhr
Abschlussfahrt des Ordens der Freunde des Pfeddersheimer Weins e.V. in die Pfalz
Wie ein gutes Tröpfchen entsteht
Zur diesjährigen Abschlussfahrt des Ordens der Freunde des Pfeddersheimer Weins e.V. in die Pfalz konnte Vorsitzender Bleise 48 Weinfreunde, darunter etliche Gäste begrüßen. Die Fahrt am 11. Oktober führte zunächst zur Rebzuchtanstalt Geilweilerhof in Siebeldingen bei Landau. Die Gruppe bekam einen Überblick durch Frau Dipl. Ing. Hüther zur die Geschichte des Geilweiler Hofes. Das Hofgut war ehemaliger Besitz des Klosters Eußerthal und steht heute unter Denkmalschutz. Er wurde 1184 erstmalig urkundlich erwähnt.
Heute ist dort das Institut für Rebenzüchtung als eines von 15 Instituten des Julius-Kühn-Institutes – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen untergebracht. Die Hauptaufgabe ist die Züchtung neuer, an das deutsche Klima angepasster Rebsorten mit Resistenzen gegen Schädlinge und andere Stressfaktoren bei gleichzeitiger Weinqualität. Aus dieser Zuchtarbeit stammen die pilzresistenten Neuzüchtungen Calandro, Felicia, Orion, Phoenix, Reberger, Regent, Sirius, Staufer und Villaris. Traditionelle Züchtungen ohne Mehltauresistenzen sind Morio-Muskat, Bacchus, Optima und Domina. Für den Weinausbau stehen ein Versuchsweinkeller sowie ein Wirtschaftsweinkeller zur Verfügung. Das Institut verfügt mit über 3.400 Rebsorten über eines der weltweit größten Rebsortimente.
Bei dem Rundgang auf dem Rebenlehrpfad entlang der Zuchtquartiere und Sortimente mit Text- und Schautafeln erläuterte Frau Hüther den langen Weg einer erfolgreichen Rebenzüchtung von der 1. Bestäubung über die Gewächshausprüfung, das Sämlingsquartier (2.-6. Jahr), die Vorprüfung (7.-11. Jahr), die Zwischenprüfung (12.-16. Jahr), die Hauptprüfung (17.-25. Jahr) mit der anschließenden Anbaueignungsprüfung bis zur fertigen Rebe.
Danach konnten sich die Teilnehmer bei einer kleinen Weinprobe über die sehr gute Qualität der Neuzüchtungen Felicia, Neuzüchtung Gf. Ga-47-42, Regent und Calandro überzeugen. Weiter ging die Fahrt zum Weingut Aloysiushof in St. Martin.
Zu Füßen der Kropsburg (dem ehemaligen Adelssitz der Dalberger), eingebettet zwischen Weinbergen liegt malerisch das alte Weindorf St. Martin. St. Martin trägt als einzige Gemeinde in Deutschland den Namen des Heiligen, der seinen Mantel mit dem Bettler teilte. Der denkmalgeschützte historische Ortskern bietet eine Bilderbuchkulisse. Besonders sehenswert ist die Pfarrkirche St. Martin. Neben einem spätgotischen Netzgewölbe im Chor birgt das Juwel mittelalterlicher Baukunst noch andere Kunstschätze gotischer Skulptur (Unesco-Plakette). In der Kirche befindet sich ein Grabmal der Dalberger. Das Wein- und Sekthaus Aloysiushof ist ein traditionsreicher Familienbetrieb (seit 2008 Mitglied im Barriqueforum Pfalz).
Das Weingut bekam im Gault&Millau Weinguide Deutschland 2014 eine rote Traube, im Eichelmann 2014 2,5 Sterne und 2 Sterne im Wein-Plus Weinführer. 2013 erfolgte die Aufnahme in den Kreis der Top-Adressen im „Feinschmecker – Die besten Winzer und Weine 2013 in Deutschland“. Ebenfalls wurde der Winzer Philipp Kiefer von der VDP-Pfalz 2013 in sein Spitzentalent-Programm aufgenommen. Bei der weltweit größten Rieslingverkostung „Best of Riesling“ in Neustadt konnte ein 2013er Riesling – vom Buntsandstein – den 2. Platz belegen.
Das Weinsortiment umfasst die 4 Segmente „Tradition“, „Element“, „Stein und Erde“ und als Spitzenprodukt „Ambrosia“. Nach einem ausgezeichneten Mittagessen konnten sich die Teilnehmer bei einer abwechslungsreichen Weinprobe von der hervorragenden Qualität der Sekt- und Weinprodukte überzeugen.
Im Anschluss erfolgte eine sehr informative Ortsführung unter Leitung der Ortsführerin Frau Gabi Weber durch St. Martin mit Besichtigung des historischen Ortskerns und der Pfarrkirche mit dem Bibelgarten und einem sehr seltenen Erdbeerbaum. Interessant auch die Ausführungen von Frau Weber, dass bei 1900 Einwohnern, mit 800 Gästebetten jährlich 100.00 Übernachtungen zu verzeichnen sind. Sie zeigte auch anhand von Wappen die Verbindung zu Worms (Dalberger) und zu Rheinhessen (edler Hunt von Saulheim). Auch auf einer 20er Briefmarke der Deutschen Post (Rheinland-Pfalz) aus dem Jahre 1947 ist das „Briefmarkeneck“, ein Erker im historischen Ortskern, verewigt.
Der Abschluss der ereignisreichen, von Jürgen Germroth wieder sehr gut organisierten Fahrt, erfolgte dann noch in der Bockenheimer Weinstube.