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  • Sa., 24. Dezember 2016, 14:57 Uhr
    Der heutige Heiligabend im Nibelungenland zwischen Kartoffelsalat und bretonischer Carnad / Der NK war unterwegs

    Wie feiern die Wormser Weihnachten?

    Obwohl ihre Eltern Holger und Dominique noch nicht genau wussten, was es heute gibt, hat Lilo Denschlag sich per Telefon schonmal Spaghetti gewünscht. Die könne man „so schön durch meine Zahnlücke vorne einziehen“. Foto: Robert Lehr


    VON ROBERT LEHR | Bei Weihnachten scheiden sich die Geister: Während bei so manchem Traditionalisten am Heiligen Abend Kartoffelsalat und Würstchen auf den Tisch kommen, berufen sich wiederum andere auf eine reich gedeckte Tafel mit Ente, Truthahn oder einen Braten mit Klößen. Der NK wollte wissen, wie es denn die Wormser mit dem Feiertagsessen halten und machte am Mittwoch eine (nicht repräsentative) Umfrage in der Innenstadt. Mitnichten aus der Nibelungenstadt, aber besonders angetan von Helmut Klooses anglophilem Glühwein- und Weinstand, zeigten sich Sally und John Browne aus Wales. Die beiden besuchen jedes Jahr drei deutsche Weihnachtsmärkte und waren din diesem Jahr  auch in Worms.

    Für Helmut Kloos waren die beiden besonders willkommene Gäste. Sein Ausschank stand unter dem Zeichen des Brexit und der verwandtschaftlichen Beziehungen des englischen Königshauses zu dem ehemaligen hessischen (und damit Wormser) Landesvater Ludwig und seiner Frau, einer Enkelin Queen Victorias. Der Obelisk auf dem Ludwigsplatz oder die Alicestraße erinnern an dieses Kapitel Worms-englischer Geschichte. Daher möchte der Öko-Winzer trotz Brexit die Connections zu England möglichst eng halten! So schien es interessant zu erfahren, wie man denn in Wales Weihnachten feiert.

    Bei den Brownes gibt es am 25. Dezember, wie fast in der ganzen englischsprachigen Welt, „turkey with family and friends“. Die Geschenke seien auch schon alle „in time“ besorgt.
    Helmut Kloos selbst feiert am 24. Dezember zunächst den Geburtstag seiner Schwägerin und am 25. Dezember mit seiner ganzen Familie – mit seinen 5 Geschwistern und deren Familien sind das rund 30 Gäste. Geplant sei hierfür nicht sonderlich viel, außer dass jeder „etwas mitbringen solle“ und es „vegane Weine und einen veganen Braten“ gibt, schmunzelt er.

    Hauptsache, die Katzen bekommen was Leckeres

    Wenig geplant haben auch Dominique und Holger Denschlag. Die renommierten Wormser Immobilienmakler wollen das „eher spontan entscheiden“. Für Holger Denschlag genüge ein gutes Brot und ein paar Köstlichkeiten, denn schließlich solle man an Weihnachten auch an diejenigen denken, die nicht einmal das oder noch weniger hätten. Die 5-jährige Tochter Lilo weiß auf jeden Fall schon, was ihre drei Katzen Lisa, Britta und Romeo bekommen: ein Stück Fleisch! Überraschen lässt sich heute auch Hans-Joachim Schober. Der Wormser wusste auch nicht, was seine Frau auf den Tisch zaubern wird. Aber für ihn ist zunächst der Kirchgang obligatorisch. Schließlich arbeitet er im Vorstand der Magnusgemeinde mit.

    Martina Höft-Scherepa erholt sich bei einem Kaffee von den Strapazen des Geschenkekaufs. Den hat ihre Freundin Angela Steinbach auch schon hinter sich. Unisono meinen die beiden Wormserinnen, dass man am Samstagmorgen auf „den letzten Drücker“ ohnehin nur noch Männer mit kaltem Schweiß auf der Stirn in die Parfümerien eilen sehe. Frauen hätten da längst ihre Einkäufe getätigt. Martina ist mit ihrem Sohn bei der Mutter, wo es am 24. den Kartoffelsalat-Klassiker, aber einen Tag später eine Ente geben wird. Bei Angela gibt es im Kreise der ganzen Familie schon am heutigen Heiligen Abend eine Festtags-Menue mit Süppchen, Lende und Salat geben wird.  

    Wahre Gourmets scheinen und Erika und Volker Roth zu sein. Bei dem Geschäftsführer der Wormser Wirtschaftsförderungsgesellschaft gibt es mit ca. 10 Gästen aus der Familie heute Abend ein normannisch-bretonisches Menü: Suppe mit Champignons, eine Lachs-Zander-Terrine, eine Canard-Ente mit Calvados und Äpfeln sowie einen Far breton, einen französischen Kuchen. Zum Abschluss gibt es noch Eis. Schon seit 20 Jahren würde man sich im Hause Roth am 24. Dezember treffen und kulinarisch verwöhnen lassen. Wen wundert’s? Eine Premiere gibt es heute für Cornelia Wittenbeck. Sie sei das erste Mal in 54 Jahren am Heiligen Abend nicht zuhause in Worms zu sein. Doch sie hat eine tolle Alternative: Mit ihrem Mann Hans-Peter verbringt sie Weihnachten in Wien. In 5 Minuten Entfernung von ihrem Hotel zum Stephansdom und zwei Karten für ein Weihnachtskonzert dort, lassen bei dem Ehepaar keine Trauer aufkommen.

    Ein ähnliches Kontrastprogramm haben sich Ilona Lochmann und Gernot Weber für heute vorgenommen. Nach einer turbulenten Vorweihnachtszeit in ihrem Juweliergeschäft in der Unteren Kämmerergasse gehen sie asiatisch essen, lassen sich bedienen, und genießen an den Feiertagen die Ruhe. „Alles mal etwas langsamer angehen lassen“, hat sich das Paar vorgenommen – und viel spazieren gehen. 

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