Infoveranstaltung: Profis der Stadt Worms geben bei Haus und Grund Worms-Alzey Tipps zur Vorsorge und beantworten Fragen
Wie sicher ist das eigene Haus vor Starkregen?
Klimamanagerin der Stadt Worms, Selma Mergner (vorn), und Eva Wiktorowski vom ebwo informieren über den Schutz vor Starkregen. Foto: Jens Kowalski
„Ist mein Stadtteil, mein Grundstück, mein Haus sicher vor Starkregen? Was kann ich tun, damit das Wasser draußen bleibt? Wie sieht die perfekte Vorsorge aus?“ – Diese Fragen haben sich Mitglieder bei Haus und Grund Worms-Alzey gestellt, schon bevor die Ahrtal-Flutwasser-Katastrophe im Juli das Thema buchstäblich nach oben spülte. Die Infoveranstaltung, die der Verein hierzu im letzten Jahr geplant hatte, war coronabedingt aber verschoben worden und konnte erst jetzt nachgeholt werden – und nun brannten diese Fragen natürlich noch mehr Menschen unter den Nägeln:
Wie ist die Gefahrenlage in Worms? Was kann man tun? Und natürlich: Wie schaut es ganz konkret bei mir zu Hause aus? Der Vorsitzende Hans-Joachim Lock konnte viele interessierte Gäste begrüßen zu der Infoveranstaltung im Wormser Mozartsaal. Dort gaben zwei Profis Antworten: Die Wormser Klimamanagerin Selma Mergner und Eva Wiktorowski als Fachfrau für den Bereich Entwässerung beim Entsorgungs- und Baubetrieb der Stadt Worms (ebwo). Sie gingen auf die Fragen ein, erklärten alles genau und brachten viel Info-Material mit.
„Kanalisation nicht für Starkregen ausgelegt“
Worms liegt in einem relativ warmen Gebiet. Vor allem im Sommer regnet es hier relativ selten, dafür aber dann stärker. An Starkregen-Beispielen 2018 und 2021 zeigte Mergner an Karten, die Niederschlagsmengen rund um Worms. Und dort sah man auf einen Blick, wo das Problem bei Voraussagen liegt: Wo die Schwerpunkte genau liegen, das ist innerhalb eines Starkregen-Ereignisses sehr unterschiedlich, und punktuell verschieden. In Mergners Beispiel ging beim gleichen Starkregen mehr als doppelt so viel Niederschlag in Pfeddersheim herunter (58,5 Millimeter in einer Stunde) als in der Innenstadt (28,6). Doch schon beim nächsten Starkregen war die Intensität ganz anders verteilt.
Also ergibt es Sinn, wenn sich grundsätzlich alle darauf vorbereiten. Denn eines ist den Experten zufolge in allen Fällen, in denen es wie aus Kübeln schüttet, gleich: „Die Kanalisation ist nicht dazu ausgelegt, Starkregen komplett aufzunehmen!“ Das sei nicht unbezahlbar und auch nicht möglich. Ein Kanal könne ja auch keinen zu großen Durchmesser haben – sonst fließt nichts ab. Folglich kommt es punktuell dort, wo sich Starkregen konzentriert, vorübergehend zur Überlastung, wie Wiktorowski ausführte. An Bildern zeigte sie, wie dramatisch das aussehen kann – etwa in Herrnsheim, wo es aus einem Kanalschacht sprudelte wie aus einer Fontäne.
„Tatenbank“ mit Tipps
Auf der Homepage der Stadt Worms (www.worms.de) sind die Niederschlagsmengen gut dokumentiert. Zudem gibt es dort eine „Tatenbank“ mit Tipps zur Vorsorge. „Starkregenvorsorge ist Gemeinschaftsaufgabe“, betonte Mergner. Und Wiktorowski erläuterte wichtige Maßnahmen. Dazu gehörten Regenrückhalt (wichtig ist hier, möglichst viel Fläche zu entsiegeln, damit Oberflächenwasser versickern kann), Schutz vor Oberflächenabschluss (damit beispielsweise kein Wasser aus dem überschwemmten Garten ins Haus läuft, oder am Kellerfenster eindringt) und – ganz wichtig – Schutz vor Rückstau aus dem Kanal (etwa durch eine Hebeanlage, falls der Keller bewohnt wird, und vor allem durch Rückstau-Verschlüsse).
„Weil Starkregen prinzipiell überall auftreten und Schäden anrichten kann, ist die gute Information der Bevölkerung so wichtig!“. Mergner und Wiktorowski brachten eine Checkliste mit, mit der sich ermitteln ließ, wie es um die individuelle Gefahr vor der eigenen Haustür steht. Viele weitere Tipps wurden genannt, darunter relativ einfach umsetzbare, wie die Stufen-Aufkantung bei der Treppe, oder der Parkplatz auf Rasengittersteinen. Die Schutzmaßnahmen reichten von vorgehaltenen Sandsäcken über den persönlichen Notfallplan bis zur Smartphone-Warn-App. Aber auch Dachbegrünung und Schutz vor Sickerwasser durch eine sogenannte schwarze (Bitumen-) Wanne oder (bei Neubau) weiße Wanne fehlten nicht.
ebwo-Fachleute bieten in Worms auch Starkregen-Beratungsgespräche vor Ort an. Die meisten Probleme gehen demnach auf eine nicht funktionierende Rückstausicherung zurück. „Es ist wichtig, auf die Instandhaltung und Wartung zu achten!“, sagte Wiktorowski. Und nicht zuletzt helfe eine gute Kommunikation, auch mit den Nachbarn („Die haben ja oft ähnliche Starkregen-Probleme“).
Offen für neue Themen
Lock, der die Veranstaltung moderierte, freute sich über die vielen vertiefenden Fragen, die von interessierten Gästen gestellt wurden. Wie er mitteilte, ist der Verein offen auch für Themenwünsche für künftige Infoveranstaltungen. Diese werden in der Geschäftsstelle unter Telefon 06241/ 413591 entgegengenommen.
INFOS
– Per E-Mail unter Selma.mergner@worms.de und stadtentwaesserung@ebwo.de können in Worms und den Stadtteilen Beratungen zum Schutz vor Starkregen vor Ort fürs eigene Haus oder Grundstück vereinbart werden.
– Starkregen-Gefahrenkarten für Worms sind online abrufbar unter www.geoportal-worms.de.
– Infos zu Niederschlagsmengen und allgemeine Tipps zum Starkregenschutz gibt es unter www.worms.de.