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  • Sa., 26. August 2017, 11:33 Uhr
    Freiwillige und Berufsfeuerwehr soll für Worms weiter Bestand haben / Nachwuchssorgen und geänderte Arbeitswelt

    Wie sieht die Feuerwehr der Zukunft aus?

    Der Wormser Stadtfeuerwehrinspekteur Klaus Feuerbach stand dem NK für ein Gespräch zur Verfügung: Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Im März diesen Jahres erfolgte nach dem Stadtratsbeschluss die Umwandlung der Freiwilligen Feuerwehr Worms in eine Berufs- und Freiwillige Feuerwehr. Doch was sich wie ein gewaltiger Quantensprung anhört, war eigentlich gar keiner, denn auch vor dem März 2017 besaß die damals offiziell noch Freiwillige Feuerwehr Worms schon hauptamtliche Kräfte. Dies waren 65 Einsatzbeamte. Vermehrt wurde die Anzahl seitdem nicht. Seit dem Statuswechsel im März tragen die hauptamtlichen Kräfte jedoch die Bezeichnung Berufsfeuerwehrleute. Wobei dies keine reine Wortkosmetik ist, vielmehr hat dies etwas mit einem Imagegewinn zu tun, denn wer Berufsfeuerwehrmann ist, möchte auch so genannt werden und eben nicht „hauptamtliche Kraft“. Auch sind die Förderungsmöglichkeiten jetzt besser.
    Aber sicher war die Umbenennung in Berufs- und Freiwillige Feuerwehr Worms irgendwie auch schon ein Fingerzeig, denn die Freiwillige Feuerwehr - und dies nahezu bundesweit - hat Nachwuchssorgen.

    In einem Gespräch mit dem NK über die Zukunft der Wormser Feuerwehr stellten Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek und der Stadtfeuerwehrinspekteur Klaus Feuerbach heraus, dass es in Worms weiterhin beide Säulen geben wird, die Freiwillige und die Berufsfeuerwehr. Alleine schon deswegen, weil eine reine Berufsfeuerwehr kaum zu bezahlen wäre. Zudem weise die Freiwillige Feuerwehr eine hohe Professionalisierung im Brand- und Katastrophenschutz. Auf diese Fähigkeiten wolle man nicht verzichten.

    510 Männer und Frauen

    Stellt sich die Frage, von was reden wir eigentlich in Worms. Hier mal ein paar Zahlen und Fakten: Neben den 65 Berufsfeuerwehrleuten gibt es noch rund 500 Freiwillige Feuerwehrmänner und -frauen, von denen wiederum 240 aktiv in den Löschzügen eingeplant sind und zu Einsätzen fahren. Daneben existieren noch drei Musikzüge (40 Personen), die Jugendfeuerwehr (90 Mädchen und Jungen), zwei Bambini-Gruppen (25 Kids) sowie die Alters- und Ehrenabteilung aus etwa 100 Personen.

    Der Fahrzeugpark der Feuerwehr Worms besteht aus 60 Fahrzeugen, zu denen neben den Löschfahrzeugen zwei große Drehleiterwagen sowie eine Vielzahl an Sonderfahrzeugen gehören. In den vergangenen sieben Jahren wurde der Fahrzeugbestand nahezu komplett erneuert.

    Die Investitionen für die Feuerwehr belaufen sich pro Jahr, wobei dies Schwankungen unterliegt, auf etwa zwei Millionen Euro. Die laufenden Kosten, also auch die Besoldung der Beamten, liegen pro Jahr in einer Größenordnung zwischen fünf und sechs Millionen Euro.

    Die Freiwillige Feuerwehr Worms gliedert sich in einen Gefahrstoffzug und acht Feuerwehreinheiten, die regional unterteilt sind. Diese sind beheimatet in Abenheim, Heppenheim, Herrnsheim, Pfeddersheim, Rheindürkheim, Wiesoppenheim und Worms Stadtmitte. Zusätzlich steht ein Gefahrstoffzug in Kooperation mit dem Technischen Hilfswerk Worms zur Verfügung.

    Gegründet wurde die Freiwillige Feuerwehr Worms im Jahre 1854. Wer mehr über die Entstehungsgeschichte und Fortentwicklung erfahren möchte, dem sei die Festschrift empfohlen, die zum 150-jährigem Jubiläum im Jahr 2004 erschienen ist.

    Weit mehr als ein Ehrenamt

    Nimmt man die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr unter die Lupe, kann man nur den Hut ziehen, denn was hier geleistet wird, ist weit mehr als „nur“ ein Ehrenamt in einem x-beliebigen Verein. Der Grund ist ganz einfach, die Feuerwehrleute müssen quasi rund um die Uhr verfügbar sein und setzen im Einsatzfall womöglich Leib und Leben aufs Spiel.
    Damit ein Brand effektiv bekämpft werden kann, ist Schnelligkeit fast alles. So müssen die Freiwilligen Feuerwehrleute innerhalb von drei Minuten an den jeweiligen Gerätehäusern in den Wormser Stadtteilen sein, dann rücken die Löschzüge aus. Rechnet man in den Vororten eine maximale Fahrzeit von fünf Minuten zum denkbaren Brandherd hinzu, bedeutet dies, dass die ersten Kräfte laut gesetzlicher Vorgabe nach acht Minuten am Einsatzort sein müssen.
    Dies alles tun die Freiwilligen Feuerwehrleute für 7,50 Euro Aufwandsentschädigung in der Stunde, wie es in der Hauptsatzung der Stadt Worms geregelt ist. Dies ist weniger als der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland.

    Und Feuerwehrmann sein, heißt nicht, sich einfach sich mal hinter das Lenkrad eines Leiterwagens setzen und mit Blaulicht durch die Stadt zu sausen, sondern bis jemand dies darf, heißt es viele Ausbildungsstunden hinter sich bringen, und dies häufig am Wochenende. Dazu kommt der Nachweis der körperlichen Leistungsfähigkeit, was bedeutet, dass Feuerwehrleute regelmäßig Sport treiben müssen. Die Feuerwehrgrundausbildung dauert rund zwei Jahre und besteht aus 70 Ausbildungsstunden in Theorie und Praxis. Nach Abschluss der Grundausbildung steht der Absolvent für den Einsatzdienst zur Verfügung. Es folgen Weiterbildungen und Spezialisierungen, etwa zum Maschinisten oder für Führungsaufgaben.
    Eigentlich muss ein Feuerwehrmann nur 40 Übungsstunden im Jahr absolvieren, doch leistet jeder Wormser Feuerwehrmann ein Vielfaches davon. Es sind etwa auch bei vielen Veranstaltungen Brandwachen zu stellen, die geht vom Backfischfest bis zu Konzerten im WORMSER. Für viele ist Feuerwehrmann sein aber ein wichtiger Teil des Lebens und sie identifizieren sich in großem Maße mit „ihrem“ Löschzug.“

    Nachwuchssorgen

    Das Ansehen der Feuerwehr ist in der Bevölkerung sehr hoch. Bei Umfragen steht die Feuerwehr unter allen Berufsgruppen stets ganz weit vorne. Und für viele Männer und Frauen ist dies eine spannende Herausforderung. Dennoch mangelt es an Nachwuchs. Ein Phänomen, das bundesweit erkennbar ist. Auch besteht ein Gefälle zwischen Stadt und Land. In kleinen Orten kommt der Feuerwehr noch die Bedeutung einer wichtigen sozialen Institution zu, die auch Feste organisiert und zum gesellschaftlichen Leben gehört. In Städten sieht es dagegen häufig „mau“ aus. Eine Entwicklung, die auch für Worms gilt.

    Hans-Joachim Kosubek und Klaus Feuerbach nennen als Gründe für die Nachwuchssorgen zunächst den Wegfall der Wehrpflicht, denn dadurch seien früher viele jungen Männer zur Feuerwehr gekommen, die sich, anstatt Wehrdienst zu leisten, für zehn und später sechs Jahre bei der Feuerwehr verpflichteten. Diesen Zulauf gibt es seit Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 nicht mehr. Dazu komme, so Hans-Joachim Kosubek, der demographische Wandel. Es gebe immer weniger Kinder in Deutschland, folglich auch ein kleiner werdendes Reservoir. Zudem habe sich das Freizeitverhalten geändert. Heute gebe es Smartphones, Computerspiele und jede Menge anderer Freizeitaktivitäten. Da habe es die Feuerwehr schwer, Kinder und Jugendliche zu begeistern. Aber so gehe es vielen Vereinen in Worms.

    Aber auch die veränderte Berufswelt fordere ihren Tribut, erläuterte Hans-Joachim Kosubek. So arbeiteten immer mehr Menschen nicht mehr an ihrem Wohnort. Wer aber in Mannheim seinen Job habe, könne nicht mehr in drei Minuten am Gerätehaus seines Wohnortes sein, etwa in Abenheim oder Pfeddersheim.

    Lesen Sie den zweiten Teil der Reportage über die Wormser Feuerwehr in der Ausgabe des NK vom 30. August.

     

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