Diskussion über einen Generalverkehrsplan für Worms soll ohne Denkverbote frische Ideen bringen
Wie soll die Mobilität 2030 aussehen?
Busse sind ein wichtiger Bestandteil des Verkehrskonzeptes. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Der noch bestehende Generalverkehrsplan für die Stadt Worms stammt aus den 1970er Jahren und bedarf dringend einer grundlegenden Überarbeitung oder besser noch, einer völligen Neukonzeption. Oberbürgermeister Michael Kissel gab dazu nun den Anstoß. Im Herbst könne dazu eine Debatte in den städtischen Gremien erfolgen. Zwar sind bis dahin nicht alle Ideen gesammelt und neue Konzeptionen untersucht, aber sicher ist es richtig, die Erörterung jetzt zu beginnen und sie nicht auf den „Sankt Nimmerleinstag“ zu verschieben. Die Frage ist bei einem Generalverkehrsplan natürlich, was soll dabei überhaupt diskutiert werden.
Im Prinzip geht es um alle Verkehrsteilnehmer und -träger sowie die dazu notwenige Infrastruktur, also Straßen, Schienen, Parkhäuser und Fahrradtrassen. Und ganz wichtig, wie verknüpft man den Verkehr und macht ihn „intelligenter“. Denn die Zukunft wird nicht mehr ganz alleine dem Auto gehören.
Ein ganz wesentlicher Einflussfaktor ist dabei sicherlich, das absehbare Ende der Erdölvorkommen auf der Erde und damit irgendwann einhergehende, steigende Spritpreise. Dies wird wohl dazu führen, dass sich nicht mehr jeder den Betrieb eines Autos leisten kann. Die Folge wird der vermehrte Umstieg und auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sein.
Ein Szenario, das nicht morgen oder übermorgen eintritt, aber auf der Zeitachse gesehen, an Bedeutung gewinnen wird. Dazu kommt der demographische Wandel, also das Älterwerden der Gesellschaft. Auch dies wird zur Folge haben, dass weniger Menschen Auto, dafür mehr Bus fahren wollen bzw. müssen. Und schließlich gilt es den Verkehrsinfarkt der Innenstadt mit Staus und Parkproblemen zu entzerren. Oberbürgermeister Michael Kissel sagte dazu, es gelte den motorisierten Individualverkehr, also das Fahren mit dem Auto, einzuschränken.
Was heißt dies nun für die Zukunft? Nachdem der Ausbau für den Park- und den Inneren Ring zügig nahezu fertig ist, stellt sich die Herausforderung des Äußeren Rings um Worms herum. Dazu müssen noch zwei Lücken geschlossen werden. Dies ist einmal die so genannte Südumgehung, die B 47 neu, die den Verkehr quasi an der Rheinbrücke aufnehmen und ihn zum Autobahnzubringer der A 61 weiterleiten soll. Hier sind alle rechtlichen Hürden genommen. Jetzt warten die Verantwortlichen „nur“ noch auf das Geld vom Bund, dann kann mit dem Bau begonnen werden. Ob das Geld fließt, hängt davon ab, für wie dringlich die Bundesregierung die Südumgehung einstuft. Die zweite Lücke im Äußeren Ring ist die Krankenhaustangente. Sie soll an Leiselheim vorbei zur B 47 führen. Die Realisierung ist jedoch noch nicht ganz in „trockenen Tüchern“, da es politische Widerstände gibt.
Das ganz große Aktionsfeld der Zukunft soll jedoch die Verknüpfung von Individualverkehr mit Bussen und Bahnen sein. Mit der Aufnahme des Fahrbetriebs im Sommer diesen Jahres durch den neuen Busunternehmer, die Rheinpfalzbus, wurde hier schon ein großer Schritt getan. Gerade auch, was die verzugslosen Umsteigemöglichkeiten von Bussen auf die Nahverkehrszüge angeht. Aber hieran gilt es weiter zu feilen, gerade auch für Berufspendler. Wobei jede Verbesserung beim Busverkehr, etwa auch eine engere zeitliche Vertaktung, Geld kostet, das im Zweifelsfall aus der Stadtkasse kommen muss, da der Busverkehr nicht mehr kostenneutral, sondern auf Zuschüsse angewiesen ist.
Eine größere Bedeutung soll in Worms das Radfahren erhalten. Besonders bei der Nahmobiltät könnte das Rad das Auto als Hauptverkehrsträger ablösen. Dazu müsste es in Worms einen Attraktivtätsschub geben. Wie könnte der aussehen? Ein Baustein wäre ein Fahrradleihsystem, bei dem Bürger oder auch Touristen etwa am Bahnhof ein Rad leihen, es den ganzen Tag benutzen könnten, um es am Abend wieder, etwa am Marktplatz, abzustellen. Nachgedacht werden muss sicher auch über „Fahrradstraßen“ in der City ähnlich wie es sie in Münster oder Freiburg gibt. Dies wären Straßen, auf den nur Velos und Busse, aber keine Autos fahren dürften.
Weitere Aspekte eines Generalverkehrskonzeptes werden Modelle des Carsharings, der Elektromobilität, eines Bürgerbusses, eines Kurzstreckenbustickets nach dem Vorbild von Speyer und Mitfahrerkonzepte sein. Ein Traum vieler Wormser wäre die Wiedereinführung der Straßenbahn, deren Betrieb in der Nibelungenstadt im Jahr 1956 eingestellt wurde. Obwohl einige deutsche Städte (z.B. Heilbronn) diesen Schritt gehen - da die Akzeptanz von Straßenbahnen gegenüber Bussen größer ist - scheint dies für Worms ein schwierig gangbarer Weg zu sein, der wohl eher unrealistisch ist. Neue Diskussionen wird es auch über die beiden potentiellen Wormser S-Bahn-Haltepunkte „Worms Süd“ und Worms Nord“ sowie den Eisenbahnhaltepunkt „Worms West“ in Pfifflgheim geben.