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  • Sa., 17. Februar 2018, 18:00 Uhr
    MIA. am 5. April um 20 Uhr im WORMSER Mozartsaal / NK im Gespräch mit Mieze Katz / 3x2 Tickets zu gewinnen

    Wie überschäumender Champagner!

    Mit Alltime-Hits wie „Alles neu“, „Hungriges Herz“, „Tanz der Moleküle“ oder „Fallschirm“ sind MIA. längst ein Teil der jüngeren deutschen Popgeschichte und fühlen sich doch live auf der Bühne immer noch am wohlsten. Foto: anna k.o.

    Von Vera Beiersdörfer | Die Mutter aller deutschsprachigen Elektropop-Bands feiert einen runden Geburtstag – MIA. sind seit 20 Jahren aus der Musikszene nicht mehr wegzudenken. Im Vorfeld zu ihrem Tour-Auftakt in Worms hat die bekennende Kaffeeliebhaberin Mieze Katz mit dem NK über zwei Jahrzehnte Bandgeschichte gesprochen.


    Am Donnerstag, dem 5. April, heizen die starke Frontfrau und ihre Bandkollegen im WORMSER Mozartsaal ein. Tickets gibt es im Vorverkauf u.a. beim Nibelungen Kurier, Prinz-Carl-Anlage 20, 67547 Worms sowie bei allen bekannten Ticket Regional-Vorverkaufsstellen.


    NK: Zwei Jahrzehnte sind im Popgeschäft eine verdammt lange Zeit. Wie hast Du diese Jahre wahrgenommen?
    Mieze: Es war eine beeindruckende Zeit, in der mir MIA. immer mehr zur Familie geworden ist. Eine Familie, die man sich selbst aussuchen darf. Für die Jahre bin ich sehr dankbar.


    NK: Würdest Du sagen, Du bist heute erwachsener als zu den Gründungszeiten?
    Mieze: MIA. ist keine Seifenblase, die schnell zerplatzt ist. Wenn wir in den 20 Jahren nicht erwachsener geworden wären, wäre irgendwas schief gelaufen. Und es war verdammt toll, gemeinsam mit den Jungs erwachsen zu werden.


    NK: Was lässt Euch immer weitermachen?
    Mieze: Unsere Schnittmenge ist unsere gemeinsame Musik und die Freiheit, sich auch allein ausprobieren zu können. So paradox das klingen mag, das Verbindende macht uns frei und unsere Freiheit verbindet uns.


    NK: An welches schräge Erlebnis erinnert man sich noch Jahre später?
    Mieze: Ich glaube, es war die Zirkus-Tour, da hat unser Nightliner frühmorgens an einer Tankstelle gehalten. Alle, bis auf Gunnar, haben noch geschlafen. Gunnar, der Frühaufsteher, ist schnell nur mit Bermudas bekleidet in die Tanke, um sich einen Kaffee zu holen. Als er wieder rauskam, war der Bus weg und er musste sieben Kilometer zum nächsten Bahnhof laufen. Nur in schwarzen Bermudas mit roten Langusten drauf. Da lachen wir heute noch drüber. Wir lieben es einfach auf Tour zu sein - solche Dinge passieren nur, wenn man unterwegs ist. Seitdem muss sich jeder, der den Tourbus verlässt, beim Busfahrer ab- und zurückmelden.


    NK: Was waren die bisher traurigsten Momente in Eurer Zeit als MIA.?
    Mieze: Eine Band zu sein, heißt mit Invalidität zu arbeiten. Jeder von uns musste auf Tour schon mal mit Krankheit oder Verletzung weitermachen. Andy hat sich mal einen Kreuzbandriss zugezogen und unser Schlagzeuger Gunnar hat sich beim Autotürzuschlagen den Finger gebrochen. Wir versuchen auf uns aufzupassen und uns fit zu halten. Ich schwöre auf Ingwer-Tee und Sport, aber auch ich habe schon mal meine Stimme verloren und Bob hat mal eine Lungenentzündung erwischt – da muss man dann leider durch.


    NK: Hast Du bei der Bandgründung 1997 mit einer derartig langen Karriere gerechnet?
    Mieze: Gehofft habe ich es natürlich. Ich bin kein Typ für Affären, sondern verbindlich und treu und so haben wir immer danach agiert, mit der Band was zu erreichen. Die 20 Jahre sind eine großartige Belohnung dafür.


    NK: Gab es auch mal Phasen, in denen Ihr alles hinschmeißen wolltet?
    Mieze: Wir sind nicht allein, sondern eine Gruppe. Wenn einer in den Seilen hängt, übernimmt ein anderer. Die Jungs haben auch für mich mal ein Netz gespannt. Als ich in der Pause 2010/2011 einfach alles falsch gemacht habe und nicht wusste, was ich mit meiner freien Zeit anfangen soll. Statt mich zu erholen, bin ich nach New York geflogen und war sicher, die nächste MIA.-Platte müsse in englischer Sprache erscheinen. Ich habe mich damals total übernommen, bis ich am Ende des Urlaubs einfach nur k.o. war. Bei unserem ersten Treffen dann, war ich völlig fertig und die Jungs einfach nur gut gelaunt. Sie haben mich aufgebaut und mir wieder Energie gegeben. In dieser Zeit ist auch das Lied „Fallschirm“ entstanden.


    NK: MIA. waren Ende der 90er Jahre die erste Band innerhalb der deutschsprachigen Musik, bei der wieder eine Frau am Mikro stand. Kannst Du Dich noch an das Lebensgefühl erinnern?
    Mieze: Das Musikgeschäft ist auch heute noch hart. Fast alle Posten sind mit Männern besetzt, da musste und muss ich als Frau taff sein, aber ich glaube das klappt ganz gut.


    NK: Ist es schwer, sich als einzige Frau in einem Haufen Männer durchzusetzen?
    Mieze: Nein, MIA. ist ein demokratischer Haufen. Die Jungs sind eine Bereicherung für mein Leben und sie sagen, sie profitieren von meiner Emotionalität. Es ist ein Geben und Nehmen wie in jeder Beziehung.


    NK: Woher nimmst Du die Inspiration für die Liedtexte?
    Mieze: Ich liebe Worte – gestern habe ich in der Zeitung zum Beispiel die Schlagzeile „Diebesbande“ gelesen und daraus „Liebesbande“ gemacht. Es könnte also gut sein, dass auf der nächsten Platte ein Song zu hören ist, der so heißt.


    NK: Hast Du musikalische Vorbilder?
    Mieze: Ich selbst habe früh begonnen Musik zu schreiben und erst spät Musik gehört. Ich habe so viel Musik im Kopf, dass ich mir selten etwas anhöre. Bei den Jungs ist das anders, die sind total „into Music“ und hören viel Elektronisches und Independent-Gitarrenmusik.


    NK: Hast Du noch andere Projekte neben der Musik?
    Mieze: Meine Passion neben dem Musikmachen ist es Musik zu komponieren und andere – auch kleine Künstler wie bei KIKA „Dein Song“ – zu unterstützen. Außerdem arbeite ich gerade an einem Hildegard Knef-Projekt.


    NK: Wofür steht Euer Tourtitel „NIE WIEDER 20“-Tour?
    Mieze: 20 Jahre Bandgeschichte ist ein einmaliger Moment in unserem Leben, der kommt nicht zurück. Und damit bin ich absolut zufrieden. Ich muss nicht zehn Jahre jünger sein.


    NK: Wie sehr freut Ihr Euch auf die Tour und seid Ihr nach all den Jahren immer noch aufgeregt?
    Mieze: Der Tourstart in Worms bedeutet mir viel. Ich fühle mich wie eine verschlossene Champagnerflasche, sobald der Korken platzt, werde ich übersprudeln.


    NK: Was bekommt derjenige, der Eure Tour besucht?
    Mieze: Unsere Mission ist es, in jeder Stadt unser Bestes zu geben. Heutzutage hat jeder Angst vor Kontrollverlust. Ein herrenlos abgestellter Koffer sorgt überall direkt für Panik. Wir möchten die Arme aufmachen, wo sie doch derzeit allerorts auf der Welt zugehen, und den Konzertbesuchern unvoreingenommene Lebensfreude vermitteln. Klar, ein ambitioniertes Ziel, aber wir geben alles, um die Zuhörer spüren zu lassen, dass sie am Leben sind.


    Mitmachen und gewinnen
    Der Nibelungen Kurier verlost 3x2 Tickets. Wer dabei sein möchte, sollte eine Postkarte, versehen mit dem Stichwort „MIA.“, bis zum 14. März 2018 an den Nibelungen Kurier, Prinz-Carl-Anlage 20, 67547 Worms, senden. Bitte Telefonnummer angeben, da die Gewinner angerufen werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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