Stadträte votierten einstimmig für eine Machbarkeitsstudie über Radschnellwege
Wie viel Fahrrad darf es sein?
Ein Radschnellweg könnte von Pfeddersheim nach Pfiffligheim entlang der Bahntrasse verlaufen. Momentan wird die Strecke noch als Landwirtschaftsweg genutzt. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Keiner ist gegen das Radfahren, warum auch, es ist gut für die Gesundheit, braucht nicht viel Parkfläche und liegt, auch aufgrund von E-Bikes, voll im Trend. Die verstärkte Nutzung von Velos für Freizeit und zum Einpendeln zur Arbeit nach Worms unterstützten denn auch am Mittwoch im Stadtrat alle Fraktionen vorbehaltlos. Hans-Peter Weiler (CDU) mahnte auch an, die vorhandenen Radwege besser zu pflegen und ganzjährig nutzbar zu machen. Bei der Frage, inwieweit aber neue Strecken, sogenannte Radschnellwege, gebaut werden sollen, sieht es schon ein wenig anders aus, nicht jeder möchte den unbedingten Vorrang für Bikes.
Gemeinsamer Antrag
Dem gemeinsamen Antrag von CDU und Grünen im Wormser Stadtrat, eine Machbarkeitsstudie über Schaffung von Radschnellwegen durchführen zu lassen, stimmten alle Ratsmitglieder zu. Doch offenbarte sich in der ausführlichen Diskussion rasch, dass es durchaus unterschiedliche Wahrnehmungen zum Thema „Rad“ und zur Ausführung der Machbarkeitsstudie gibt. Während etwa Richard Grünewald von den Grünen eine separate Studie im Visier hat, gingen die beiden Fraktionsvorsitzenden Timo Horst (SPD) und Dr. Klaus Karlin (CDU) davon aus, dass die Machbarkeitstudie nur ein Teilaspekt des Mobilitätskonzeptes sein soll, das gerade für die Stadt Worms erstellt wird. Diese verschiedenen Blickwinkel zeigen die Schwerpunkte und Denkrichtungen auf. Die Grünen sehen den Vorrang bei der Verkehrsentwicklung eindeutig bei Rad, Bus und Bahn, während CDU, SPD und FDP hingegen eher zu einem Mix mit einem starken Akzent beim Auto tendieren - auch wenn dies mit dem Hauptaugenmerk auf den Pkw keiner so offen formulierte.
Da für die Machbarkeitsstudie kein Zeitfenster festgelegt wurde, bleibt abzuwarten, wann und mit welchem Resultat die Untersuchung präsentiert wird. Die Ergebnisse werden aber sicher die kommenden Aussprachen und die dann daran gekoppelte Umsetzung auf eine analytische Basis stellen.
Was sind Radschnellwege?
Radschnellwege werden seit einigen Jahren überall in Deutschland verwirklicht, etwa in Berlin, Köln oder auch der Metropolregion Rhein-Neckar. Sie sind weit mehr als nur gestrichelte, weiße Linien auf herkömmlichen Autostraßen. Mit Radschnellwegen sind längere Strecken gemeint, die vom Autoverkehr und von Fußgängern getrennt verlaufen. Die Trassen von Radschnellwegen sollen vier Meter breit und asphaltiert sein sowie möglichst über eine Beleuchtung verfügen. Das Kernelement ist aber, dass sie nur Nutzern mit Fahrrad oder E-Bikes zur Verfügung stehen. Dies bedeutet eine kreuzungsfreie Leichtlauftrasse ohne Fußgänger, Autos, Skater oder Motorroller. Die Distanzen liegt zwischen 5 und 15 Kilometern.
Pragmatische Lösungen statt Dogma
Oberbürgermeister Michael Kissel wies daraufhin, dass Radwege vom Land jetzt deutlich besser gefördert werden und Worms hiervon profitieren könne. Er schlug auch vor, keine ideologischen Diskussion zu führen, sondern pragmatisch Lösungen anzupacken. Der Stadtchef sprach diesbezüglich den Ausbau der Radstrecke von Worms-Heppenheim über Pfeddersheim nach Pfiffligheim vor. Eine andere Trasse könne von Abenheim über Herrnsheim nach Neuhausen führen. Wobei hier nicht immer ein Neubau erfolgen müsse, sondern auch ein Ausbau stehen könne. Der Oberbürgermeister sprach auch den häufigen Konflikt zwischen Umweltschutz und Radwegeneubau an. Nach Aussage von Kissel würden sich viele Naturschützer gegen asphaltierte Radschnellwege aussprechen, während Radler eben genau jene etwa vier meter breiten, geteerten Wege wünschten, auf denen sie ganzjährig fahren könnten.
Für den Stadtchef ist es auch ein zentraler Aspekt, die Radwege in Worms an jene in Rheinhessen und der Metropolregion Rhein-Neckar anzuschließen. So würde ein weit verzweigtes Netz entstehen.
Pro und Contra
Während Kurt Lauer (Grüne) die Stadt Mannheim mit innerstädtischen Radschnellwegen als löbliches Beispiel nannte, widersprach im Dr. Uwe Radmacher (FDP) hier vehement. Der Wormser Liberale sieht in der nordbadischen Metropole eher ein Negativbeispiel, weil dort die Staus in der City zugenommen hätten. OB Kissel mahnt an, dass in Radfahrstädten wie Münster oder Erlangen nicht alles perfekt sei, dort würden teilweise Radler rasant durch Fußgängerzonen flitzen und Passanten gefährden. Wichtig sei es daher, passende Lösungen für die Nibelungenstadt zu finden und nicht irgendwelche Dinge einfach zu kopieren.
Die Grünen sehen „ihr“ Thema nun aber erfolgreich auf die Spurt gebracht. Die Öko-Partei möchte den Anteil des Radverkehrs von momentan 12 Prozent am Verkehrs-Mix auf rund 25 Prozent steigern. Insgesamt möchten die Grünen, dass fünf Radschnellwege von den Wormser Stadtteilen sternförmig in die Innenstadt führen.