Die SPD diskutierte mit Ministerin Reiß über die Bedeutung und Wertschöpfungskette der Kunst in der Nibelungenstadt
Wie wichtig ist die Kultur für Worms?
Eine spannende und sehr unterhaltsame Diskussion fand im Foyer der KVG statt. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Kunst und Kultur sind schön und sehenswert, so zumindest die Meinung vieler Freunde von Theater, Festspielen und Vernissagen. Doch wie viel dürfen sie kosten? Und fließt auch etwas zurück in das Stadtsäckel? Und was ist mit den ideellen Werten der Kultur, kommen sie bei der Jugend an? Schwierige Fragen, zu deren Beantwortung die Wormser Sozialdemokraten am Mittwochabend in das Foyer der Kultur- Und Veranstaltungs GmbH (KVG) eingeladen hatte. Rund 40 Zuhörer konnten begrüßt werden. Auf dem Podium saßen die rheinland-pfälzische Kulturministerin Vera Reiß (SPD), Christian Engelke (Nibelungenhorde), Jens Guth (SPD), Astrid Perl-Haag (FWG) und der Geschäftsführer der KVG, Sascha Kaiser.
Worms ist Kulturstadt
Zunächst stellte Sascha Kaiser fest, dass Worms eine Kulturstadt ist. Das Aushängeschild seien dabei die seit 2001 stattfindenden Nibelungen Festspiele, die bundesweite Bedeutung erlangt haben und sogar für Rheinland-Pfalz ein Markenzeichen geworden sind. Hier nannte er einige Zahlen und Fakten. So würden 25 Prozent der Gäste der Nibelungen Festspiele aus Worms kommen, 25 Prozent aus einer Entfernung zwischen 5 und 50 Kilometer Entfernung, weitere 25 Prozent aus einer Distanz zwischen 50 und 100 Kilometern und das letzte Viertel der Besucher reise gar aus dem ganzen Bundesgebiet an. Die Gäste, die nicht aus Worms kommen, würden dabei mindestens 1,4 Millionen Euro in Worms ausgeben. Somit finde durch die Festspiele durchaus sein Wertschöpfung statt. Wichtig sei auch die kleinen Firmen der Kreativwirtschaft, die in Worms im Zuge der Festspiele entstanden seien. Ergänzend sagte er, dass die Stadt Worms die Nibelungen Festspiel jedes Jahr mit 1,5 Millionen Euro unterstütze und das Land nochmals 650.000 Euro nach Worms fließen lasse.
Breite Kulturbewegung
Beachtenswert sei, so Astrid Perl-Haag, was alles an Rahmenprogramm und Initiativen aus den Nibelungen Festspielen hervorgegangen seien. Hier führte sie die vielen ehrenamtlichen Helfer und Jugendgruppen auf, die in Worms erstanden seien. Besondere Erwähnung fand die Theatergruppe Nibelungenhorde. Hier hätten Jugendliche den Weg zur Kunst gefunden, manche als Schauspieler, andere als Texter oder Beleuchter. Doch genauso wichtig wie die Arbeit an und auf der Bühne sei es für die Jugendlichen, Dinge wie Kreativität und Selbstwertgefühl zu erlernen. Daher ging die Bedeutung der Nibelungen Festspiele weit über die reinen Aufführungen in den Sommermonaten hinaus.
Jugendkulturzentrum
Jens Guth äußerte die Hoffnung, dass es gelingt, das alte Güterhallengebäube am Bahnhof zu erwerben und es als ein Jugendzentrum umzubauen, in dem Veranstaltung stattfinden und Proben durchgeführt werden können. Denn fast alle Anwesenden waren sich bewusst, dass sich bisher noch zu wenige Jugendliche für die Kultur, etwa die Nibelungen Festspiele oder Jazz & Joy, begeistern ließen. der Grund sei, dass dies doch eher Veranstaltungen für Menschen ab einen Alter von 35 plus sind. Jugendliche aber ein spezielle, andere Ansprache brauchten.
Fazit
Eine sehr gelungene und unterhaltsame anderthalbstündige Diskussionsveranstaltung, die einen sehr interessanten Blick hinter die Kulissen der Festivals, aber auch des Ehrenamtes erlaubte. Zwei kleine Defizite hatte der Abend jedoch. So lag der Fokus zu sehr auf den Nibelungen Festspielen, auch wenn dies natürlich das Aushängeschild von Worms ist. Aber Kunstrichtungen wie Bildhauerei, Malerei und Literatur kamen gar nicht und Musik so gut wie nicht vor. Der zweite Kritikpunkt, alle Podiumsteilnehmer waren flammende Befürworter von Kunst und Kultur, dadurch entwickelte sich rasch, salopp formuliert, eine allgemeine Lobhuddelei. Was fehlte waren echte Gegenspieler und Kritiker, die der Diskussion mehr Würze geben hätten und auch mal Kontrapunkte setzten. Eine Thema wie etwa das Nibelungenmuseum oder die teure Sanierung des städtischen Museums hätte man durchaus etwas kontroverser diskutieren können, denn schließlich fließen erhebliche öffentliche Finanzmittel in diese Objekte.