143 Meter Höhe sind es bis zur Nabe – erstaunlich, wie wenig „Wind“ und Geräusche eine moderne Windanlage macht, wenn man direkt darunter steht. Foto: Regina Urbach
Von Regina Urbach Eine Kommune als Betreiberin eines Windparks, dessen Energie fast doppelt so viel wie ihren eigenen Bedarf abdeckt, direkt der Region zugute kommt und mit regionaler Unterstützung finanziert wird: Die Eröffnungsrede für ein solches Vorbildprojekt zu halten, wollte sich der rheinlandpfälzische Minister des Inneren, für Infrastruktur und Sport, Roger Lewentz (SPD), nicht nehmen lassen. Mit Shuttlebussen der Feuerwehr wurden die Besucher vom Monsheimer Gewerbegebiet auf den Kahlenberg bei Wachenheim gefahren, um bei Wachenheimer Wein und anderen Köstlichkeiten die Einweihung zu begehen. Freitag wie Samstag auf dem Bürgerfest nahmen zahlreiche Besucher von Nah und Fern bei strahlendem Sonnenschein nach einem regnerischen Auftakt diese Gelegenheit wahr und verbanden sie gleich mit einem Spaziergang durch die Weinberge. Am Samstag Morgen konnte die Basis eines der fast geräuschlos arbeitenden „Spargel“ von innen besichtigt werden. Die Gruppe „Landmann“ unterhielt mit Folkigem bis Volkstümlichem und die Tanzgruppen der Funky-Steps (Kriegsheim), Highlights (Monsheim), Jump Up (Flörsheim-Dalsheim) und Silzer Funken (Hohen-Sülzen) zeigten ihr Können. Fachlichinformationen kamen vom Landesvorsitzenden Wilhelm Heyne vom Bundesverband Windenergie.
Das kooperative Zusammenwirken mit Anwohnern, Bürgern, Behörden und Nachbargemeinden hob nicht nur Minister Lewentz bei seiner Eröffnungsrede am Freitag vor zahlreicher landes- und kommunalpolitischer Prominenz hervor. Bei 140 landesweiten Windkraftanlagen habe er auch andere Erfahrungen machen müssen und freue sich nun darauf, den Wachenheimer kommunalen Windpark als Leuchtturmprojekt ins Feld zu führen. „Besser hätte es nicht durchdacht sein können“, gab er sich zur Wirtschaftlichkeit der 25 Millionen Euro teuren Projekts optimistisch und meldete den Wunsch an, sich ein einem Jahr wieder über den Projektstand zu informieren. Der Monsheimer Verbandsbürgermeister Ralph Bothe (SPD) betonte die kooperative Vereinbarung über die Einspeisung der erzeugten Energie ins umliegende EWR-Netz. 36 Millionen Euro wolle das EWR in den Netzausbau in der Region investieren. Auch Landrat Ernst Walter Görisch (SPD) gab sich zuversichtlich: Mit einer jährlichen Leistung von 48 Millionen kWh werde der Wachenheimer Windpark mit seinen fünf Windrädern der Hamburger Firma Repower Systems 175 % des Eigenbedarfs der Verbandsgemeinde erzeugen, bis 2020 sogar 290 %.
Vielen galt es zum Projektstart zu danken, für das eigens eine Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) als Betreiberin gegründet wurde, allen voran deren Vorstand Willi Bayer. Der Wachenheimer Ortsbürgermeister Dieter Heinz (FWG) konnte als ersten Erfolg vermelden, dass seine Gemeinde durch den Windpark bereits ihre Schulden abgebaut hat. Sein Engagement ging so weit, dass er persönlich beim Festausschank half. Nun heißt es nur noch, auf „all Tid goden Wind“ auf dem Kahlenberg hoffen, wie es in der Heimat des Windes heißt.