Mo., 08. Juli 2013, 17:22 Uhr
Wintersheim – ein rheinhessisches Kleinod
Rheinhessische Kleinode kennen lernen, auch dies ist eine Zielsetzung des „Ordens der Freunde des Pfeddersheimer Weins“ mit ihrem Vorsitzenden Günter Bleise. Die Studienfahrt führte zahlreiche Ordensmitglieder in den nur 330 Einwohner zählenden Ort Wintersheim mit den typischen rheinhessischen Vierseithöfen, der 2012 beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ als Kreissieger hervorging.
Heike Dettweiler, rheinhessische Kultur- und Weinbotschafterin, wusste während eines Ortsrundgangs zu berichten, dass sich nicht nur in Monsheim und Pfeddersheim tüchtige Mennonitenfamilien niedergelassen haben , die als Wegbereiter einer erheblichen Ertragssteigerung in der Landwirtschaft anzusehen sind, sondern auch im Dorf Wintersheim.
In Monsheim war es bereits Mitte des 18. Jhds. David Möllinger, in Pfeddersheim sein gleichnamiger Enkel, deren Überlegungen, Beobachtungen und Weitblick den Bauern in Rheinhessen und der Pfalz zu großem Fortschritt in der landwirtschaftlichen Entwicklung verhalfen.
In Wintersheim war es die Mennonitenfamilie Dettweiler, die 1801 aus Dätwyl in der Schweiz über das Elsass nach Rheinhessen kam und hier ein Hofgut pachtete. Die Ernteerträge waren in jener Zeit kümmerlich. Es wird berichtet, dass im Sommer das einzige Futter für die Kühe Unkraut und Disteln darstellte.
Man praktizierte die Dreifelderwirtschaft: nach der Ernte von Wintergetreide und Sommergetreide blieb der Acker ein Jahr unbebaut. Samuel Dettweiler übernahm von David Möllinger die neue Methode der Feldbewirtschaftung.
Er führte die Düngung mit Kalk und Jauche sowie den Klee- und Luzernanbau ein. Besonders die Aussaat von Klee und Luzerne anstelle der einjährigen Brache des Feldes gab den Fortschritt. Der Boden verbesserte sich und das Vieh erhielt endlich wertvolles Futter und warf nun guten Dung zur Felddüngung ab.
Auch die Abfälle, die bei der Herstellung von Kartoffelschnaps anfielen, brachte man als zusätzlichen Dünger auf die Felder. Die Fruchtbarkeit der Erde nahm zu, der Viehbestand vergrößerte sich.
Der Wintersheimer Familie Dettweiler entstammen auch Christian Dettweiler, der die deutsche Ziegenzucht weiter entwickelte, und Peter Dettweiler, ein Lungenfacharzt, der die erste Lungenheilanstalt in Deutschland begründete.
Doch neben der Landwirtschaft war auch der Weinbau immer von großer Bedeutung für den Ort. Dies belegt eine Weinbergsschenkung einer Wintersheimer Familie aus dem 8.Jahrhundert an das Kloster Lorsch, die ebenso wie die Schenkung von Weinbergen in Pfeddersheim an das Kloster Gorze die erste urkundliche Erwähnung der Orte zur Folge hatte.
Dass der Wintersheimer Wein köstlich mundet, konnten die Weinfreunde bei einer Weinprobe in einem ehemaligen spätmittelalterlichen Wohnturm feststellen. Dieses besondere historische Bauwerk gehört zum Weingut Dätwyl und wird heute als Gutsausschank genutzt.