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  • Mo., 17. August 2020, 12:14 Uhr
    MUND-NASEN-BEDECKUNG: Ulrike Röder stößt trotz ärztlicher Befreiung auf Unverständnis / Rechtsbeistand hinzugezogen

    "Wir fühlen uns in Worms diskriminiert!"

    Am Montagmorgen macht Ulrike Röder vor dem Wormser Rathaus öffentlich auf ihre Forderung aufmerksam.


    VON VERA BEIERSDÖRFER „Mir reicht´s! Dieses Unverständnis halte ich nicht länger aus“, erklärt Ulrike Röder am Montagmorgen im Gespräch mit dem NK. Die junge Frau hatte sich per E-Mail an Vertreter der verschiedensten Parteien sowie an die Stadt Worms gewandt, da sie sich als erkrankte Person in Worms öffentlich diskriminiert fühlt. Aufgrund einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung sowie wegen Asthma und Panikattacken wurde ihr eine ärztliches Attest ausgestellt, das sie von der Pflicht des Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes entbindet.

    Attest immer dabei
    „Das interessiert aber kaum jemanden“, ärgert sich Ulrike Röder. In vielen Geschäften würde sie direkt des Hauses verwiesen, obwohl sie das Attest immer mit sich führt und auch bereitwillig vorzeigt. In einem Laden in der Innenstadt sei sie von einer Angestellten sogar als Gefahr für die Allgemeinheit beschimpft worden. Zu einem vernünftigen Gespräch sei die Dame gar nicht erst bereit gewesen, auch dann nicht, als Ulrike Röder die Verkäuferin darauf hinwies, dass sie sich diskriminiert fühle und dies sogar anzeigen könne. Um die Sache zu klären, hatte die Wormserin später noch Kontakt zum Geschäftsführer aufgenommen, dieser hätte aber ebenfalls kein Verständnis für ihre Ausnahmebescheinigung gezeigt.

    Bessere Aufklärung gefordert
    Daraufhin beschloss die 43-Jährige Unterstützung bei der Politik zu suchen. Sie hofft mit ihrem Schreiben auf bessere Aufklärung von Geschäftsinhabern und Angestellten „Rassismus wird zurecht immer auf das schärfste verurteilt, in der aktuellen Pandemie sehen wir Kranken und Menschen mit Beeinträchtigung uns jedoch ebenfalls benachteiligt, obwohl wir über ärztliche Bescheinigungen verfügen. Diskrimierung und Nötigung sind nach deutschem Recht strafbar und müssen verfolgt werden. Wir sind bereits eine kleine Gruppe, die sich in Worms zusammengeschlossen und einen Rechtsbeistand hinzugezogen hat. Wir fordern, dass man uns nicht länger den Zutritt zu öffentlichen Gebäuden verwehrt oder uns beschimpft und schlimmer“, erklärt die chronisch Kranke mit Nachdruck.

    Beschimpft und bedroht
    Ihr selbst sei es noch nicht widerfahren, aber ein Bekannter wäre in der Wormser Fußgängerzone bereits mit dem Tode bedroht worden, wenn er sich weiter weigere eine Maske oder Face-Shield zu tragen.
    Reaktionen auf ihre Mail hatte sie bis zum Montagmorgen lediglich von der FDP und AfD erhalten. Die Liberalen hätten ihr Verständnis beteuert, jedoch kein weitere Unterstützung zugesichert, so Röder. Von der AfD sei ihr empfohlen worden, die Sache rechtlich zu klären.
    „Das fühlt sich an wie in einer Sackgasse. Es geht einfach nicht voran und wir fragen uns, wie lange wir uns noch ausschließen und diskriminieren lassen müssen?“, so Ulrike Röder, die am Montagmorgen zu einem stillen Protest mit Plakat vor das Rathaus gezogen ist, um nochmals auf ihre Situation aufmerksam zu machen. „Fangen Sie an die Verantwortung für Ihre Bürger zu übernehmen und sorgen Sie dafür, dass diese Diskrimierung gegenüber Behinderten und chronisch erkrankten Menschen gestoppt wird“, lautet ihre Bitte an die Verwaltung.

    Aufklärung von Interessierten
    Einen kleinen Erfolg konnte sie nach eigener Aussage bereits vor dem Rathaus erzielen. „Manch Vorbeikommender hat mich angesprochen und ich habe Interessierte gerne darüber aufgeklärt, wieso ich und auch andere Personen keinen Mund-Nasen-Bedeckungen tragen können. Vielen Leuten ist unser Dilemma gar nicht bewusst und sie unterstellen uns böse Absicht oder Ignoranz, das ist aber gar nicht der Fall!“, hofft Ulrike Röder künftig auf mehr Toleranz für sich und die anderen Betroffenen in Worms.

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