Mo., 04. November 2013, 11:58 Uhr
Ausstellung von Werken Rainer Probsts zum jüdischen Friedhof Dalsheim im WORMSER noch bis zum 29. November zu sehen
Rainer Probst im WORMSER: „Wir leben ewig“
Welch besseren Tag hätte man wählen können, um gemeinsam auf den Friedhof zu gehen, als Allerheiligen, fragte Ulrike Dickhaus rhetorisch zur Eröffnung der Ausstellung von Gemälden und Fotografien ihres verstorbenen Lebensgefährten Rainer Probst. Der 1941 in Wien geborene Künstler, der 14 Jahre in Mölsheim gelebt und eine intensive Beziehung zum Dalsheimer jüdischen Friedhof gepflegt hatte, wurde erst postum Wormser, wie seine Witwe erzählte: indem sie mit seinem Nachlass nach Worms zog.
Insgesamt 25 Fotografien und große Ölgemälde mit Motiven des Friedhofs werden unter dem Titel „Vor der Mauer – der jüdische Friedhof Dalsheim“ im Oberen Foyer des WORMSER Kulturzentrums gezeigt. Entsprechend dem jüdischen Jahreszyklus setzt die Ausstellung mit Bildern zum Herbst ein: Probst, der jahrelang auf Spaziergängen über den Friedhof den Wechsel der Jahreszeiten auf Fotografien fest hielt, ließ sich zu jeder Jahreszeit zu einem Ölbild inspirieren: Neben vier Fotografien zeigt die Ausstellung je ein Ölbild zu Motiven jeder Jahreszeit.
Besondere Aussagekraft der Winterbilder
Auf die Aussagekraft der Winterbilder wies Ulrike Dickhaus besonders hin: Der lichte Schneeschimmer auf den alten Grabsteinen verheiße auch mitten im Winter der Shoa Hoffnung. „Der feine Schmerz einer verlorenen Welt“ spreche aus vielen Bildern, erläuterte Ulrike Dickhaus. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage, zu der auch der Flörsheim-Dalsheimer Ortsbürgermeister Volker Henn und viele, die den Künstler kannten oder ein Bild von ihm besitzen, erschienen, vom intensiven Cellospiel von Katharina Schmitt mit den Liedern „Wir leben ewig“ (1943) von Leib Rosenthal, „Still, die Nacht ist ausgesternt“ (1942) von Hirsch Glick sowie dem israelischen Lied „Jerusalem aus Gold“ (1967) von Naomi Schemer.
Die ernste Allerheiligenstimmung gewann so Hoffnungsvolles, genussvoll unterstützt auch durch Mölsheimer Wein vom Winzer Elmar Klein und leckere Häppchen. Im Wormsverlag erscheint ein Katalog zur Ausstellung. Die kostenlose Ausstellung ist noch bis 29. November zu sehen.
Öffnungszeiten der Ausstellung im WORMSER: Montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, Samstag von 9 bis 12 Uhr