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  • Do., 21. Mai 2020, 13:10 Uhr
    AUS DEM STADTRAT: Anschaffung von Displays für die Karmeliter Realschule und Beschleunigung der Digitalisierung an Wormser Schulen beschlossen

    „Wir möchten vorwärts kommen“

    E-Learning, Blended Learning, Homeschooling oder Learning by Doing. Die Digitalisierung stellt Lehrer, Schüler, Schulträger, aber auch Eltern nicht nur in Zeiten von Corona vor besondere Herausforderungen, die aber nur miteinander bewältigt werden können. Foto: Jan Vašek/Pixabay


    VON STEFFEN HEUMANN | Der Stadtrat beschloss am Mittwoch die Anschaffung von 38 Promethean Displays, für die Karmeliter Realschule Plus für insgesamt 211.370,87 Euro brutto. Dieser Antrag wurde bereits im Haupt- und Finanzausschuss genehmigt und war damit eigentlich abgeschlossen, daher war keine Beratung im Stadtrat vorgesehen. Allerdings hat sich bei der Ausstellung der Begründung ein Übertragungsfehler eingeschlichen. Der damalige Preisvergleich beinhaltete Nettopreise. Diese waren aber nicht als Nettopreise ausgewiesen. Da die Stadt Worms nicht Vorsteuer abzugsberechtigt ist, müssen die Kosten aber immer in brutto angegeben werden. Darüber wurde der Haupt- und Finanzausschuss zwar nachträglich informiert, aber da der Bruttobetrag über 200.000 Euro liegt, musste der Stadtrat seine Zustimmung erteilen.

    Technische Voraussetzungen schaffen

    Dies geschah im Kontext mit einem gemeinsam Antrag der Fraktionen von CDU und SPD, worin die Verwaltung beauftragt werden soll, die Digitalisierung der Wormser Schulen zu beschleunigen und gemeinsam mit den Schulen zu ermitteln, welche Maßnahmen in Zeiten der Corona-Krise seitens der Schulen favorisiert bzw. Für notwendig erachtet werden, um den Schulbetrieb zu verbessern. Marion Hartmann (CDU) stellte klar, dass an den Schulen zunächst alle technischen Voraussetzungen geschaffen werden müssten. Timo Horst (SPD) erklärte das weitere Ziel, nämlich den Mangel an Geräten zu beheben. 24 Millionen Euro stünden dem Land aus dem 500-Millionen-Programm des Bundes auch hierfür zur Verfügung. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, um der Verantwortung als Schulträger gerecht zu werden, wertet Horst die die Entscheidung des politischen Gremiums als Signal, dass man die Kollegien an den Schulen nicht alleine lasse. Denn die, so Timo Horst, hätten bereits viele Hürden gemeistert.

    EDV-Abteilung stellt sich der Herausforderung

    Zustimmung für den Antrag gab es auch seitens der AfD. Ludger Sauerborn sieht in der Krise auch eine Chance, um der Digitalisierung einen Anstoß zu geben. Allerdings seien in der Handhabung Unterschiede zwischen Grundschulen und weiterführenden Schulen erforderlich. Digitalisierung mache nur dort Sinn, wo sie gewollt und gekonnt ist, warf Richard Grünewald (Bündnis90/ 90/Die Grünen) ein. Seine Kritik am Primat der Pädagogik und der Forderung, dass Lehrkräfte und IT-Fachleute nur gemeinsam vorangehen, mochte Oberbürgermeister Adolf Kessel nicht nachvollziehen. Kessel nahm Bezug auf die Herausforderungen, der sich die EDV-Abteilung in der Verwaltung stelle. Von der Einhaltung des Ist-Standes der Netzwerkverkabelung in allen Schulen bis zum Support bei der Umsetzung oder der jahrelangen Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern, stehe im Fokus, dass sich die Lehrkräfte auf ihre Kernkompetenz konzentrieren können. Aufgrund des Sanierungsstaus würden hierfür keine Mittel aus dem Digitalpakt, sondern aus dem Haushalt der Stadt genutzt.

    Bei der Realisierung Hand in Hand gehen

    Bildungsdezernent Waldemar Herder fasste zusammen, dass es bei der Umsetzung der Digitalisierung an den Schulen mehr bedürfe, als Schülern und Lehrern ein Tablet in die Hand zu geben. Nicht zuletzt das Thema, wie die Schüler begleitet würden, spiele eine Rolle. Dass die Schule ein sogenannter „Chose-Shop“ sei, funktioniere nicht mehr. Auch Stadt und Land gingen bei der Realisierung Hand in Hand, um im Ergebnis auf Basis einer guten Zusammenarbeit mit den Schulleitungen methodisch-didaktische Dinge fortzuentwickeln. „Gute Grundlagen sind gelegt“, betonte Herder. Auf die Stadt Worms würden aus dem Digitaltopf 480.000 Euro entfallen, das sei eine Menge Geld. Die Schulen kennen die Bedarfe, allerdings könnten bislang noch keine Anträge gestellt werden. Das sei auch nich über das Jobcenter möglich. Seiner Auffassung nach würden die Lehrer danach lechzen, endlich loszulegen. Frühere Konzepte seien nicht etwa im Schrank verschwunden, reagierte Herder auf kritische Stimmen, „sie werden sukzessive ausgebaut“.

    Verzahnung optimieren

    David Hilzendegen (Bündnis 90/Die Grünen) lobte zwar die Erläuterungen, verwies aber auf den Umstand, dass man zwar lange an der Umsetzung arbeite, aber die Erfolge bislang eher gering ausfallen würden. Er brachte den Vorschlag ein, hinsichtlich einer besseren Verzahnung den Bildungs- und Schulträgerausschuss mit ins Boot zu nehmen, um dort weitere Möglichkeiten ausloten zu können. Noch bis Ende Mai müssten die Schulen eine Digitalisierungskonzept vorlegen, unterstrich Timo Horst. Um den Nachholbedarf bei der technischen Ausstattung wettzumachen, sollte gegebenenfalls externe Unterstützung angefordert werden. Dass der Schulträger jetzt in der Verantwortung stehe, habe schon eine gewisse finanzielle Dimension. Der Antrag ist der aktuellen Situation geschuldet, denn wir möchten vorwärts kommen“, so Horst abschließend. Ohne Gegenstimmen wurde sowohl die Anschaffung von Displays als auch die Beschleunigung der Digitalisierung beschlossen.

    Kurz notiert: Wichtig für Lehrkräfte ist bei der Handhabung von Tablets ist ein flüssiges und stabiles Nutzungserlebnis, ein funktionierendes Netzwerk und eine gute Internetanbindung. Marion Hartmann, Ratsmitglied und Pädagogin, bracht das ganze Dilemma auf den Punkt: „Weshalb soll ich mich mit einem Smartboards beschäftigen, wenn es noch nicht vorhanden ist und die technischen Voraussetzung in der Schule fehlen?“

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