Fr., 04. November 2022, 18:06 Uhr
STADTTEILE: Grünen-Fraktionsvorsitzender möchte Anlaufstellen vor Ort zentrieren
„Wir müssen teilen lernen“
Von Florian Helfert › Braucht es eigene Gebäude für Ortsverwaltungen oder könnten ihre Büro- und Tagungsräume eventuell in Schulen, Kitas oder Pfarrgemeinden untergebracht werden? Diese Frage warf Richard Grünewald, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Haupt- und Finanzausschuss am Mittwoch auf.
„Krisen bieten Chancen“, äußerte Richard Grünewald. Die Stadt müsse einen „irren“ Gebäudebestand von 330 Gebäuden unterhalten. Sie alle adäquat zu unterhalten, falle allerdings zunehmend schwerer. Der Aufwand erscheine ihm mancherorts mitunter größer wie der Nutzen, sodass er eine Arbeitsgruppe vorschlug.
Vor dem Hintergrund, dass Ortsverwaltungen meist denkmalgeschützt und häufig nicht barrierefrei sind, sympathisierte Stadtentwicklungsdezernent Timo Horst mit dem Vorschlag. „Die Idee gibt es schon ein bisschen länger“, so Horst. Entsprechend lobte er Bürgermeisterin Stephanie Lohr, welche in ihrer Zeit als Ortsvorsteherin angeregt hatte, Büro und Sitzungssaal der Ortsverwaltung Abenheim in der Grundschule vor Ort zu integrieren. Langfristig könnte dieses Modell perspektivisch auch andernorts eine Option sein.
Anschließend führte der Stadtentwicklungsdezernent auf: „Ich habe schon Gespräche mit mehreren Ortsvorstehern geführt, weil mich der alte Gebäudebestand und der Brandschutz sehr beschäftigt und ich vermute, dass eine Wohnnutzung an vielen Stellen besser sein dürfte“. Zuallererst müsse allerdings mit Ortsvorstehern, etwa bei einer Dienstbesprechung mit Oberbürgermeister Adolf Kessel und Ortsbeiräten gesprochen werden.
Bürgermeisterin Stephanie Lohr verwahrte sich ebenfalls gegen eine Arbeitsgruppe. „Die zentrale Arbeitsgruppe ist der Bauausschuss“, sagte sie und riet dazu, dass sich zunächst besser dezentral jeder Ortsbeirat mit der Idee auseinandersetzen müsse. Vergleichbar äußerte sich seitens der SPD-Fraktion auch Dirk Beyer, der an die Vereine erinnerte, welche Räume der Ortsverwaltungen nutzen würden.
„Es handelt sich beileibe nicht nur um Ortsverwaltungen“, merkte Dr. Klaus Karlin seitens der CDU an. Auch beim Herrnsheimer Schloss handele es sich um ein „untergenutztes Gebäude“. Sozialdezernent Waldemar Herder schloss sich dem quasi an und stellte fest, dass die Kirchen vor dem gleichen Dilemma stehen würden. „Gebäude und Räume im Sozialraum vor Ort gemeinsam zu nutzen, ist sinnvoll“, so Herder.
Richard Grünewald hofft nun auf einen Aufbruch. „Es wird knifflig, aber es muss mit allen gesprochen werden. Niemand soll seinen Raum verlieren, wir müssen teilen lernen und uns austauschen“, zog er ein positives Fazit aus der Debatte.