AUS DEM STADTRAT: Neues Kitagesetz stellt Worms vor enorme Herausforderung / 74 weitere Plätze, 80 neue Stellen
„Wir nutzen bereits alle Möglichkeiten“
Kitas müssen künftig eine durchgehende Betreuung von 7 Stunden und dem damit einhergehenden Mittagsverpflegungsbedarf gewährleisten. Das stellt so manche Einrichtung vor Probleme, da es an geeigneten Räumlichkeiten fehlt. Foto: Katrina S./Pixabay
VON STEFFEN HEUMANN | Der Stadtrat nahm nach Vorberatung im Jugendhilfeausschuss und im Haupt- und Finanzausschuss den aktuellen Bericht zu Auswirkungen und Umsetzung des neuen Kita-Gesetzes auf die Angebotssituation in Worms zur Kenntnis. Das neue Kindertagesstättengesetz für Rheinland-Pfalz tritt am 1. Juli in Kraft. Es verändert in vielerlei Hinsicht die Kita-Landschaft und hat Auswirkungen auf die lokale Angebotsstruktur. Die Einführung einer neuen platzbezogenen Personalbemessung, neuer Altersstrukturen und nicht zuletzt durch den konkretisierten Rechtsanspruch auf eine durchgehende Betreuung von 7 Stunden und dem damit einhergehenden Mittagsverpflegungsbedarf sind wesentliche Aspekte. „Für Eltern und Kinder ist wahrscheinlich vor allem dieser neue Rechtsanspruch, die entscheidende Neuerung des Gesetzes“, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung. Das Gesamtplatzangebot wird aufgrund von Erweiterungen und Angebotsanpassungen sogar leicht erweitert. Geplant wird mit einen Plus von ca. 74 Plätzen. Auf Basis der Angebotsdaten wird auch der Stellenschlüssel für Worms voraussichtlich steigen. Kurz- und mittelfristig werden 80 zusätzliche Erzieher/innen benötigt.
Unmögliches möglich machen
Dirk Beyer, SPD, verwies auf Vorteile aber auch Herausforderungen, um die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf zu gewährleisten. Flexible Betreuungszeiten und die Verpflegung in den Einrichtungen zu regeln, sei keine einfache Aufgabe. Aber, die Mitarbeiter seien hochmotiviert, um Unmögliches möglich zu machen, konstatierte Beyer. Beim Bedarf von 80 zustätzlichen Stellen für Erzieher, müsse man aber nachsteuern und Argumenten, die gegen eine Stelle in Worms sprechen, entgegenzuwirken.
Marion Hartmann, CDU, richtete einen Dank an die Adresse der Verwaltung und die Kita-Leitungen. Aufgrund der vielen Neuerungen befinde sich einiges im Umbruch. „Bauliche Maßnahmen, Essens- und Schlafbereiche einrichten, wie will die Stadt das alles stemmen“, wandte sich Hartmann fragend an die Runde. „Wie steht es um die Finanzierung? Trägt die Kommune alles selbst?“ Marion Hartmann warb für ein strukturiertes Vorgehen und für die Erhöhung von Ausbildungskapazitäten. Interessenten gelte es zu werben, so Hartmann, die jedoch nicht ausschließen mochte, dass Kommunen künftig um die benötigten Fachkräfte oder Sprachförderkräfte „streiten“ werden.
Zeit zur Umsetzung und Entwicklung
„Die Katastrophe kam nicht über Nacht“, meine Christian Engelke, Die Grünen. Bildungs- und Sozialdezernent Waldemar Herder erläuterte, dass man den Anforderungen mit einem priorisierten Strategieplan gerecht werden wolle. Herder verwies auch auf die 7-jährige Übergangszeit, „denn das Gesetz braucht auch Zeit zur Umsetzung und Entwicklung“. 80 Stellen entsprächen vier Erzieherklassen an der Berufsbildenden Schule. Das sei ein Wort. „Wir sind dran, aber es wird schwierig“, so Herder. Unbefristete Verträge und die Option auf eine Teilzeitausbildung sollen weitere Anreize schaffen für angehende Erzieher/innen schaffen. Herder machte keinen Hehl daraus, dass Bauprojekten ausgebremst würden, weil man keine Generalunternehmer einsetzen dürfe. Wahrscheinlich müssten in Einrichtungen zur Umsetzung des Rechtsanspruches zunächst sogar Kapazitäten reduziert werden, merkte der Dezernent mit Blick auf manchmal schwierige Bedingungen vor Ort an.
Uwe Gros, SPD, setzt auf eine langfristige Personalstrukturplanung und hofft, dass sich die Dinge beschleunigen. Jetzt seien Fakten geschaffen seien und die Rechte von Eltern und Kindern gestärkt worden. Der klare Auftrag laute, die Betreuungssituation zu verbessern, das stelle an alle höhere Anforderungen. Bereichsleiterin Christine Ripier-Kramer erklärte, dass in den Kitas die Begrenzung auf lediglich einen Ausbildungsplatz aufgehoben wurde. Dennoch gäbe es eine hohe Fluktuation, der man Rechnung tragen müsse. Um eine längere Bindung an die Stadt herbeizuführen, biete man bei Erzieher/innen nach einem erfolgreichen Abschluss Anschlussverträge an. Zudem habe man im Vorfeld mehr Personal beantragt, um dieses auf freie Stellen überführen zu können. „Wir nutzen bereits alle Möglichkeiten“, machte die Bereichsleitern deutlich.