Mo., 02. November 2020, 10:46 Uhr
OK WORMS: Stellungnahme zur Ablehnung des Stadtratsfernsehens
„Wir sind sehr enttäuscht!“
Die Ehrenamtlichen des Offenen Kanal Worms e.V. haben mit Bedauern und Enttäuschung zur Kenntnis genommen, dass der Wormser Stadtrat nicht bereit ist, seine Sitzungen live übertragen und aufzeichnen zu lassen. Was in Städten wie Mainz, Speyer und Trier seit Jahren gelebte Praxis ist, wird in Worms deshalb auf absehbare Zeit nicht möglich sein. Verlierer sind die Bürger.
Seit vielen Jahren arbeiten die Ehrenamtlichen des Offenen Kanal (OK) Worms („Rheinlokal“) daran, die Sitzungen des Wormser Stadtrats als Livevideo übertragen zu dürfen – und damit der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. In dieser Zeit haben die OK-Verantwortlichen um Lars Olbrisch alle Hebel in Bewegung gesetzt und immer wieder das Gespräch mit der Stadt gesucht. Ein eigenes Konzept wurde erstellt, mit Raumplänen und Kostenkalkulation. Dabei beziehen sich die Kosten lediglich auf die Technik, nicht jedoch auf die Übertragung selbst. Viele Nutzer und Mitglieder des Offenen Kanal Worms e.V. wären ehrenamtlich bereit gewesen, die Sitzungen regelmäßig zu übertragen. Ihr Antrieb ist die Leidenschaft für regionales Fernsehen, niemand verfolgt kommerzielle Interessen.
Mehr politische Teilhabe
„Wir sind sehr enttäuscht. Wir berichten seit Jahrzehnten über unsere Heimatstadt und hätten den Wormser Bürgern gerne noch mehr politische Teilhabe ermöglicht“, sagt Lars Olbrisch, der auf viele gute Gründe verweist, die Sitzungen des Stadtrats zu übertragen: Live-Übertragungen und Aufzeichnungen schaffen Transparenz, die Bürger können sich ihr eigenes Bild von den Debatten und Abstimmungen machen. Für viele Wormser ist es – trotz persönlichem Interesse – zudem kaum möglich, regelmäßig die Sitzungen des Stadtrats zu verfolgen.
Viele sind berufstätig, andere körperlich zu schwach, um sich auf den Weg ins Rathaus zu machen. Zudem könnte man die jüngere Generation für politische Prozesse begeistern, indem sie unkomplizierten Zugriff auf die Debatten haben. „Der Stadtrat ist vom Bürger gewählt, er hat die Aufgabe, die Interessen der Wormser zu vertreten. Es ist unverständlich, dass etliche Mitglieder nicht bereit sind, ihren Bürgern diese Transparenz zu gewähren“, ergänzt Olbrisch mit Bedauern.
Nicht entmutigen lassen
Geradezu absurd sei, so der Ehrenamtliche weiter, dass alle Politiker fordern, Abstand während der Corona-Pandemie zu wahren – und sich dennoch gegen eine Möglichkeit aussprechen, die im Sinne sämtlicher Hygienemaßnahmen ist. Die Mitglieder und Nutzer des Offenen Kanal Worms wollen sich aber nicht entmutigen lassen: Sie werden weiterhin über ihre Heimatstadt berichten, zum Beispiel im Wormser Montags-Magazin, das jede Woche drei Stunden Sendung ehrenamtlich auf die Beine stellt. Ihr Unverständnis wird aber bleiben, denn hier wurde nicht im Sinne der Wormser Bürger entschieden.
Der Offene Kanal Worms („Rheinlokal“) zählt zu den ältesten Bürgermedien in ganz Deutschland. Seit 1988 ermöglicht er jedem Wormser, selbst als Fernsehmacher aktiv zu werden. Er fördert Medienkompetenz und stellt eine wichtige Säule der lokalen und regionalen Berichterstattung dar. Seit vielen Jahren bietet er auch ein Freiwilliges Soziales Jahr an und hilft jungen Menschen bei der beruflichen Orientierung. Einige Nutzer des Offenen Kanal Worms wurden für ihre Arbeit mehrmals ausgezeichnet, erst im Jahr 2020 erhielten die Macher des Wormser Montags-Magazin den renommierten Preis des Bildungszentrums Bürgermedien für herausragende ehrenamtliche Leistungen.