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  • Di., 21. Juli 2026, 10:33 Uhr
    SPD OSTHOFEN: Stadträte und Vorstände des Ortsvereins unternehmen Betriebsbesuch im Wasserwerk

    „Wir versorgen euch mit Wasser, solange welches da ist“

    Rund um das Lebensmittel Nummer 1 ging es beim Betriebsbesuch der SPD Osthofen im Wasserwerk.
    Foto: Ronald Schmitt

    Der Ernst der kritischen Infrastruktur wird schnell deutlich, als eine Delegation der SPD Osthofen, bestehend aus Stadträten und Vorständen des Ortsvereins, begleitet vom Landtagsabgeordneten Joshua Schmitt, zum Betriebsbesuch im Wasserwerk Osthofen antritt. Über eine Schleuse wird Eintritt gewährt, ehe sich die Gäste per Unterschrift in eine Liste eintragen müssen. „Wenn morgen eine Katastrophe geschieht, muss ich nachweisen, wer sich wann und wie lange hier aufgehalten hat“, erklärt Werksleiter Christian Gukenbiehl die neuen Sicherheitsmaßnahmen, die wegen der angespannten Weltlage auch in Osthofen nötig sind. Immerhin versorgt das Wasserwerk 60 000 Einwohner der Region mit dem Lebensmittel Nummer 1: Trinkwasser. Dabei erstreckt sich das Leitungsnetz über 500 Kilometer und schließt Teile der Stadt Worms und die Verbandsgemeinden Wonnegau, Eich, Monsheim und Alzey-Land ein.

    Reiner Luxus

    Verfahrenstechniker Swen Wagner berichtet von den neuesten technologischen Entwicklungen, etwa von der zentralen Enthärtungsanlage, die seit 2025 in Betrieb ist: „Mit der Enthärtungsanlage konnten wir den Härtegrad des Wassers von Kategorie hart in mittel verschieben.“ Das sorgt für weniger Kalkschleier auf Oberflächen beim Kunden und schafft Sparpotenzial, weil hauseigene Enthärtungsanlagen überflüssig geworden sind. Zwar sinke mit dem Härtegrad auch der Energieverbrauch wasserwärmender Geräte und es werde weniger Waschmittel gebraucht, hinsichtlich der Trinkwasserqualität sei die Enthärtungsanlage aber nicht notwendig gewesen, merkt Wagner an. „Reiner Luxus! Aber der Kunde will Luxus und den bekommt er von uns auch“, wirft sein Vorgesetzter Gukenbiehl ein.

    „Unser Wasser“

    Auch vor Inbetriebnahme der Anlage sei das Trinkwasser bereits von bester Qualität gewesen. „Unser Wasser kommt vom Donnersberg“, setzt er an und erläutert, wie es dort als Regenwasser entsteht, etwa 80 Jahre lang unterwegs ist und durch verschiedene Gesteinsschichten gefiltert wird, ehe es in Osthofen angelangt. Durch hohe Tonanteile schützt das Rohwasser auf seinem Weg vor Einflüssen von Dünger oder Spritzmitteln in der Landwirtschaft. Unter Osthofen angekommen, wird es aus circa 150 Metern Tiefe von sechs Brunnen nach oben gepumpt und durchläuft zunächst die neue Enthärtungsanlage. Erst in den zwölf nachgelagerten Filteranlagen wird feinste Trinkwasserqualität hergestellt – zu einem guten Preis, wohlgemerkt: „1,85€ für den Kubikmeter liegen im unteren Preissegment“, verkündet Gukenbiehl stolz, der im Selbstverständnis als kommunale Einrichtung stets von „unser Wasser“ und „euer Wasserwerk“ spricht und sich wünscht, dass das auch so bleibt. „Dafür werden wir sorgen!“, versichert ihm SPD-Stadtrat Ronald Schmitt.

    In naher Zukunft sei noch keine Versorgungslücke oder Preissteigerung zu befürchten, beruhigt Gukenbiehl. Dazu soll eine geplante Photovoltaikanlage beitragen, die etwa 50 Prozent des Energiebedarfs decken wird. Vollends Entwarnung geben kann er aber nicht. Zwar sei der tägliche Verbrauch über die Jahre auf 120 Liter pro Kopf gesunken, was auf Optimierungen der Haushaltsgeräte und sanitärer Anlagen zurückzuführen sei, demgegenüber stünden jedoch Bevölkerungswachstum und klimatische Veränderungen wie die jüngste Hitzewelle. Er moniert insbesondere die heimischen Schwimmbecken, über die zu viel Wasser verloren ginge. „Wasser, das verdunstet, verschwindet aus unserer Region!“, mahnt der Werksleiter und empfiehlt, stattdessen öffentliche Schwimmbäder zu besuchen. Auch eine Anpassung der Gießzeiten frühmorgens oder spätabends, statt in der Mittagshitze, kann helfen, Verdunstung zu reduzieren. „Wir versorgen euch mit Wasser, solange welches da ist. Wenn aber keines mehr da ist, können wir auch nichts mehr machen“, nimmt er die Bevölkerung in die Verantwortung. 

    Prinzip Schwammstadt

    Um Hitzeperioden oder Starkregenereignissen städtebaulich entgegenzuwirken, legt Gukenbiehl das Prinzip der Schwammstadt nahe. Das Konzept sieht vor, Versiegelung aufzubrechen, Rückhalteflächen zu schaffen, sowie Dach- und Bodenflächen zu begrünen. Ziel ist eine Stadt, die Grundwasserneubildung erlaubt und mehr Wasser aufnehmen und speichern kann, um es in Hitzewellen wieder abzugeben und auf diese Weise Boden und Luft abzukühlen. Nebenbei wird verhindert, dass Regenwasser ungenutzt in die Kanalisation abfließt, bis diese schlimmstenfalls überläuft und Straßen überschwemmt werden. Diesen Rat möchten die Anwesenden bei künftigen Städtebaumaßnahmen berücksichtigen. Schon jetzt plant die SPD Osthofen Anpassungen an Klimaveränderungen. Wie Stadtrat Ronald Schmitt erklärt, wird zur Linderung während kommender Hitzewellen in Kürze ein Trinkwasserbrunnen am Albert-Fischer-Platz entstehen. Im Rahmen weiterer Renaturierungsmaßnahmen des Seebachs in Osthofen-Mühlheim sollen zusätzliche Pufferflächen entstehen, die uns vor Hochwasser infolge von Starkregen schützen.

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