
Fast ein Jahr ist er nun schon im Amt, er habe sich eingefunden in sein neues, altes Umfeld und ein gutes Netzwerk aufgebaut – nun stattete Pater Ralf Oberbürgermeister Michael Kissel im Rathaus einen Besuch ab. Seit November 2014 steht er dem Wormser Dominikanerkonvent vor, seine Mitbrüder hatten ihn einstimmig zum Prior gewählt.
Neuland ist die Stadt am Rhein für den Pater keineswegs – bereits sein Noviziat absolvierte er in Worms. Nach dem Aufruf des Papstes an alle Gläubigen, Flüchtlinge aufzunehmen, stand dieses Thema auch im Zentrum des Gesprächs zwischen Pater Ralf und OB Kissel. Der Stadtchef befürchtet eine fatale Entwicklung der Situation, die die Kommunen vor große Probleme stelle. „Wir brauchen endlich eine gesamteuropäische Lösung“, unterstrich der Stadtchef auch gegenüber Pater Ralf, der sich bei OB Kissel nach der aktuellen Lage in Worms erkundigt hatte. In Worms rechnet man inzwischen mit 700 Flüchtlingen in diesem Jahr – ein enormer Kraftakt für die Stadt. „Insbesondere die gesetzlich geforderten Standards im Hinblick auf die Unterbringung der Flüchtlinge überfordern uns inzwischen maßlos, auch finanziell“, machte der Oberbürgermeister deutlich. Es werde eine Welle hereinbrechen, die kaum zu bewältigen sei, hob er nochmals die Notwendigkeit einer gesamteuropäischen Solidarisierung hervor.
Auch sein Konvent wolle die Stadt in der Flüchtlingsfrage unterstützen und sich einbringen, signalisierte der Prior und bot auf Anregung des Stadtchefs an, Gottesdienstbesucher gezielt anzusprechen und auf diesem Wege geeignete Sprachlernhelfer, etwa pensionierte Lehrkräfte, zu gewinnen – eine Maßnahme, die auch der Runde Tisch Asyl in der vergangenen Woche besprochen hatte. „Wir werden nicht untätig bleiben und wollen uns unserer Verantwortung stellen“, versprach der Prior. Gerne würden die Dominikaner auch selbst Asylbewerber in ihrem Kloster aufnehmen, doch bereits im Januar träfen acht neue Postulanten ein, sodass es keine räumlichen Kapazitäten mehr gebe, bedauerte der Vorsteher.
Fernab der weltweiten Flüchtlingskatastrophe steht den Dominikanern ein großes Jubiläum ins Haus: 2016 besteht der Orden seit 800 Jahren. Die Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums beginnen am 15. November dieses Jahres. Darüber hinaus ist der Dominikanerorden in der öffentlichen Wahrnehmung eng verknüpft mit den „Kreuzganggesprächen“, die der OB als wichtigen und wertvollen Beitrag für die Stadt hervorhob.
Mit freundlichen Grüßen aus der
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