
Von Vera Beiersdörfer Schattige Plätzchen waren rar am Noch-Badestrand am Altrheinsee (Wörle) in Eich, wohin Vertreter der Ortsgemeinde sowie von juwi und der mit dem Projekt beauftragte Planer Franz-Otto Brauner zum Bürgergespräch geladen hatten. Die Eröffnung des neuen Badestrandes, der im Rahmen der Renaturierung und Aufwertung des Schutzgebietes am Altrheinsee bis zum Beginn der aktuellen Badesaison eigentlich verlagert werden sollte, wurde auf April 2018 verschoben, da die Arbeiten nicht rechtzeitig vollendet wurden. Eben jene Bauarbeiten sorgten in Eich jüngst für einen Aufschrei des Unverständnisses. „Renaturierung am Altrhein und dafür werden rund 400 Bäume gefällt – was hat das mit Naturschutz zu tun?“, war die wohl häufigste Frage, mit der Astrid Stork, juwi-Projektleiterin, Thomas Rahner, Beigeordneter des Kreises Alzey-Worms für Umwelt, sowie Planer Brauner konfrontiert wurden. Auch Bürgermeister Klaus Willius äußerte Bedauern über die nun vorherrschende Ödnis am einst so schattigen Badestrand, versicherte den Anwesenden jedoch, dass es am neuen Strand am Nordgewässer in wenigen Jahren wieder genauso idyllisch sein würde, wie es die Eicher seit vielen Jahrzehnten gewohnt waren. Sein Partei-Genosse Horst Widder fand weitaus unversöhnlichere Worte für die laufende Neugestaltung des Badestrandes und entschuldigte sich bei den verärgerten Bürgern, „dem wohl größten Fehler in der Geschichte der Ortsgemeinde“ zugestimmt zu haben. Widder sei beschämt, im Jahre 2012 alles nur durch die grüne Brille gesehen und im Sinne von EU-Richtlinien entschieden zu haben. „Die Menschen hier wurden nicht gefragt“.
So ursprünglich wie möglich
Das Wörrstädter Unternehmen juwi übernimmt die Kosten für die Renaturierungsarbeiten, da es sich bei dem Vorhaben um eine Ausgleichsmaßnahme für den Bau von Windrädern in Rheinhessen handelt. Die rund eine Million Euro sind somit zweckgebunden und können nicht, wie so mancher Eicher gehofft hatte, etwa für soziale Projekte verwendet werden.

Vorteile und Ängste
Fast einhellig war der Tenor, dass man in Eich, gerade aufgrund dieser weiteren Flachwasserzonen, Angst vor einer Stechmückenplage wie in den 80er Jahren habe. „Wir fühlen uns verkauft und empfinden den Strandumzug als Verbrechen“, brachte ein anwesender Bürger die wallenden Emotionen auf den Punkt. Franz-Otto Brauner und Astrid Stork baten zu bedenken, dass es der Gemeinderat gewesen sei, der den Renaturierungsmaßnahmen vor mehr als fünf Jahren zugestimmt hatte. „Bei aller Sentimentalität, fassen Sie bitte auch die Vorteile des Strandumzugs ins Auge. Der neue Strand wird 4.000 Quadratmeter größer sein. Am Nordgewässer wird es zudem möglich sein, die touristische Infrastruktur zu fördern, was am Altrheinsee durch Umweltverordnungen untersagt war“, so die Projektplaner. Ein Eicher appellierte ebenfalls an seine Mitbürger, über die positiven Aspekte für Flora und Fauna nachzudenken. Jedoch war die Mehrheit der Teilnehmer bei der sich anschließenden regen Diskussion aufgebracht und voller Sorge, was die Gemeinde künftig durch EU-Richtlinien zu befürchten habe. Auch ein möglicher Tourismuszuwachs wurde teilweise kritisch bewertet. „Mehr Badegäste bedeuten mehr Verkehr und mehr Müll“.
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