
Von Vera Beiersdörfer | Sengende Hitze, Gunther und sein Gefolgsmann Hagen erreichen den Hof Etzels, wohin sie Kriemhild sieben Jahre nach dem Mord an Siegfried eingeladen hat. Gleich einem Western-Showdown erzählt das Gewinnerstück des Autorenwettbewerbs der Nibelungen-Festspiele 2017 „Last Exit: Hunnenland“ das Aufeinandertreffen der drei Protagonisten kurz vor dem blutigen Gemetzel aus einer spannungsgeladenen Perspektive. Während einer Pressekonferenz am Montag gaben die Darsteller erstmals eine Lese-Kostprobe.
Herzenskälte trifft auf brüderliche Hoffnung
Kriemhild (Kara Schröder) ist bei der Ankunft ihres Bruders und dem Mörder ihrer einzig wahren Liebe selbst davon überrascht, wie ruhig sie bleibt und welche innerliche Kälte sie empfindet, dachte sie doch, feurige Rache würde sie dazu bewegen, die beiden verhassten Wormser sofort hinrichten zu lassen.
König Gunther (Matthias Luckey) hingegen hofft, dass es nun doch zu einer Versöhnung mit der Schwester kommen wird.
Siegfrieds Mörder Hagen (Johannes Benecke) wiederum kann es kaum glauben, dass er tatsächlich mit ins Hunnenland gereist ist. Eine Reise, die er wider jede Vernunft und besserem Wissen unternommen hat, hatten ihn im Vorfeld doch schlimme Vorahnungen geplagt. Ist eine Abkehr vom blutigen Ende noch möglich?
Impuls für Nachwuchsautoren
„Nachwuchsförderung ist ein großes Anliegen der Nibelungen-Festspiele“, erläutert der Künstlerische Leiter Thomas Laue. Aus fünfzig Einsendungen zum Thema „Rache“ hatte die Jury fünf Autoren ausgewählt und zu einem Workshop eingeladen. Maximilian Langes Text hätte dadurch beeindruckt, dass er sich von der üblichen Theatersprache komplett abhebe. Der 31-Jährige in Wien lebende Nachwuchsautor hat bereits kleinere Theaterstücke geschrieben. Thomas Laue ist zuversichtlich, dass auch „Last Exit: Hunnenland“ das Potential hat, an anderen Theatern aufgeführt zu werden.
Literarisches Selbstbewusstein
Regisseurin Charlotte Sprenger war von Anfang an begeistert, mit welchem literarischen Selbstbewusstsein Maximilian Lang das Gewinnerstück geschrieben hat. Der Text sei kein angestrengter Modernisierungsversuch einer alten Geschichte, sondern zeitlos: „Es war wie ein Sog“. Die drei Figuren seien durch ihre Ikonenhaftigkeit eigentlich nur noch Marionetten der Geschichte selbst, ergänzt Dramaturgin Julia Fischer.
Festivalstimmung am Premieren-Wochenende
Um das Festspiel-Programm an den Wochenenden zu verdichten und Festivalstimmung aufkommen zu lassen, folgt nach der Uraufführung von „Siegfrieds Erben“ vor dem Dom am 20. Juli, an den beiden Abenden danach die Premiere von „Last Exit: Hunnenland“ im WORMSER. „Die Zuschauer dürfen gespannt sein, wie sich das Theater an diesen Abenden verändert“, schmunzelt Charlotte Sprenger. Mehr wolle sie im Vorfeld jedoch nicht verraten.
Die Veranstaltung wird vom Freundes- und Förderkreis der Nibelungen-Festspiele e.V. unterstützt.
Tickets und Info
Die Premiere von „Last Exit: Hunnenland“ mit anschließender Feier mit den Künstlern findet am Samstag, dem 21. Juli, um 20 Uhr, im WORMSER statt. Am darauffolgenden Tag (22. Juli) wird das Stück noch einmal um 20 Uhr aufgeführt. Die Karten kosten 17 Euro (freie Platzwahl) und sind erhältlich u.a. beim Nibelungen Kurier, Prinz-Carl-Anlage 20, 67547 Worms, sowie bei allen bekannten TicketRegional-Vorverkaufsstellen. Unter www.nibelungenfestspiele.de finden Interessierte ausführliche Informationen zum aktuellen Nachwuchs-Autorenwettbewerb mit dem Thema „Hagen“.
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