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  • Mo., 17. August 2026, 08:57 Uhr
    Die Grünen Worms: Worms braucht jetzt mehr sichtbare Klimaanpassung / Mehr Tempo bei Entsiegelung, Begrünung, Verschattung und Wassermanagement gefordert

    „Wissen, Daten und Konzepte vorhanden“

    Archivfoto: Robert Lehr

    Historisches Niedrigwasser im Rhein, ausgetrocknete Böden, Belastungen für Landwirtschaft und Weinbau und erneut extreme Temperaturen: Der Sommer 2026 zeigt nach Auffassung der Wormser Grünen deutlich, dass die Folgen des Klimawandels längst in Worms angekommen sind.

    „Wir erleben unmittelbar, was Hitze und Trockenheit für Worms bedeuten. Das betrifft nicht irgendein Szenario für das Jahr 2050, sondern unseren Alltag heute“, erklärt Anna Biegler, Fraktionsvorsitzende und Co-Vorsitzende der Wormser Grünen. „Und wir dürfen Hitze nicht nur als unangenehm empfinden. Sie ist ein ernstes Gesundheitsrisiko.“ Nach aktuellen Schätzungen des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland in diesem Sommer bis Anfang August bereits rund 12.500 Menschen hitzebedingt gestorben, davon etwa 1.600 in Rheinland-Pfalz.

    Stadt hat frühzeitig reagiert

    „Diese Zahlen zeigen drastisch, warum Klimaanpassung längst zur kommunalen Daseinsvorsorge gehört“, so Biegler. Worms hat früh auf diese Entwicklung reagiert. Bereits 2016 beschloss der Stadtrat ein Klimaanpassungskonzept, 2022 folgte der Hitzeaktionsplan. Darin sind konkrete Maßnahmen wie mehr Begrünung, Trinkwasserspender und Sonnenschutz im öffentlichen Raum, Dach- und Fassadenbegrünung, der Schutz von Freiflächen sowie Entsiegelung und ein besserer Umgang mit Regenwasser vorgesehen. Für die Grünen müsse es nun darum gehen, diese Konzepte noch stärker im Stadtbild sichtbar zu machen. 

    Die wissenschaftlichen Grundlagen dafür liegen vor: Der Wormser Hitzeaktionsplan identifiziert insbesondere innerstädtische Wohngebiete als besonders hitzeanfällig. Aufenthaltsorte besonders gefährdeter Gruppen wie Kitas und Pflegeeinrichtungen liegen teilweise bereits in stark belasteten Bereichen.

    Auf neue Gegebenheiten einstellen

    „Ein zusätzlicher Baum oder eine entsiegelte Fläche lösen den Klimawandel nicht. Aber viele solcher Maßnahmen verändern eine Stadt spürbar“, sagt Heike Jores, stellvertretende Fraktionsvorsitzende. „Gerade Kinder, ältere Menschen und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen leiden besonders unter großer Hitze. Deshalb müssen wir bei Plätzen, Schulhöfen, Kitas, Spielplätzen und Bushaltestellen systematisch schauen, wo Schatten, Grün und kühlere Aufenthaltsmöglichkeiten fehlen.“ Bei ohnehin anstehenden Straßen-, Platz- und Gebäudesanierungen sollte deshalb konsequent geprüft werden, wo entsiegelt, begrünt und verschattet werden kann und wie Regenwasser stärker vor Ort zurückgehalten wird. Denn Worms müsse sich gleichzeitig auf längere Trockenperioden und Starkregenereignisse einstellen.

    „Eine App kann einen fehlenden Baum nicht ersetzen und ein Informationsangebot entsiegelt keinen Platz“, betont Tobias Dämgen, Ratsmitglied der Wormser Grünen, mit Blick auf bestehende Angebote wie die HEAL-App. „Wir müssen stärker an die baulichen Stellschrauben. Wenn wir heute Straßen, Plätze oder öffentliche Gebäude neugestalten und dabei die Versiegelung und geringe Verschattung von gestern fortschreiben, bauen wir uns die Hitzeprobleme der nächsten Jahrzehnte selbst.“ 

    Mittel aus Sondervermögen nutzen

    Eine besondere Chance sehen die Grünen dabei in den Mitteln aus dem Sondervermögen. Klimaanpassung, Grünflächen und Entsiegelung gehören ausdrücklich zu den möglichen Verwendungszwecken. Bei den anstehenden Investitionen sollte deshalb von Beginn an geprüft werden, wie notwendige Sanierungen zugleich zur Klimaanpassung beitragen können. „Wenn wir jetzt erhebliche Summen investieren, dürfen wir nicht die Infrastruktur von gestern für die nächsten 30 Jahre neu bauen“, so Dämgen. „Bei einem Schulhof, einer Straße oder einem Platz, der ohnehin saniert wird, müssen Entsiegelung, Bäume, Schatten und Regenwasserrückhaltung von Anfang an mitgedacht werden. Das Sondervermögen bietet uns dafür eine echte Chance.“

    Zugleich wollen die Grünen die Umsetzung der bestehenden Klimaanpassungsmaßnahmen stärker messbar machen. Künftig sollte transparent nachvollziehbar sein, welche Flächen entsiegelt wurden, wie viele klimaresiliente Bäume gepflanzt und erhalten werden konnten, welche besonders hitzebelasteten Orte umgestaltet wurden und wie sich Schatten- und Trinkwasserangebote entwickeln. „Worms hat das Wissen, die Daten und die Konzepte“, fasst Biegler zusammen. „Wir müssen nicht noch einmal bei null anfangen. Entscheidend ist jetzt, daraus sichtbare Veränderungen zu machen: mehr Schatten, mehr Grün, weniger Versiegelung und ein klügerer Umgang mit Wasser. Klimaanpassung ist heute kommunale Daseinsvorsorge.“

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