Oberbürgermeister Michael Kissel stellte sich im Nibelungen Kurier den Fragen der Redaktion
Wohnraum und Infrastruktur als zentrale Vorhaben
Oberbürgermeister Michael Kissel (rechts) besuchte mit dem SPD-Geschäftsführer der Unterbezirke Worms und Alzey-Worms, Leon Giegerich, den Nibelungen Kurier. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Die Wahl zum Wormser Oberbürgermeister findet am 4. November 2018 statt, eine denkbare Stichwahl, sollte keiner der Bewerber die absolute Mehrheit erringen, ist für den 18. November vorgesehen. Amtsinhaber ist Michael Kissel (SPD), der dieses Amt seit dem Jahr 2003 innehat. Der Oberbürgermeister der Nibelungenstadt wird für acht Jahre von den Bürgern direkt gewählt. Am Mittwoch besuchte Michael Kissel die Redaktion des Nibelungen Kuriers. Auf seine Motivation angesprochen, eine dritte Amtsperiode anzustreben, antwortete Kissel, dass er nach wie vor große Freude an der Arbeit und seinem Amt habe. Er sei von ganzem Herzen Wormser und empfinde die Aufgabe als OB als Ehre und Verantwortung zugleich. Zudem seinen trotz sichtbarer Fortschritte in der Entwicklung der Stadt große Projekte, die er angestoßen habe, noch nicht abgeschlossen. „Die kommende Phase der Stadtentwicklung erfordert eine sichere Hand in der politischen Steuerung, dieser Aufgabe will ich mich stellen“, so Michael Kissel voller Entschlossenheit. An der konsensorientierten Zusammenarbeit im Stadtrat möchte er dabei festhalten. „Ich kandidiere nicht gegen andere Parteien oder Fraktionen, sondern für eine weiterhin gute Entwicklung unserer Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger“, bekräftigte Michael Kissel sein Credo für das konstruktive Miteinander der politischen Kräfte.
Schulen, Straßen und Wohnungsbau
Als Beispiele wichtiger Herausforderungen für die nächste Amtsperiode nannte Michael Kissel die weitere Modernisierung der Infrastruktur, wie etwa der Schulen und der Straßen. „Unsere Schulen sind seit 2004 unser Investitionsschwerpunkt und wir lassen dabei nicht nach“, so Kissel unter Hinweis auf die laufenden und noch geplanten Schulsanierungen. Ein drängendes Anliegen sei für ihn die Schaffung von Wohnraum. Deshalb habe er den „Masterplan Wohnungsbau“ auf die Agenda der wichtigsten Aufgaben gesetzt. In Worms mangele es besonders an bezahlbaren Wohnungen für Normalverdiener und Familien. Diese zur Verfügung zu stellen, sei ein ganz wichtiges Element, um den sozialen Frieden zu gewährleisten. Daher verfolge er dieses Ziel mit Nachdruck. Alleine mit privater Bautätigkeit sei dies aber nicht zu schaffen. Deshalb sei weiteres Engagement der Stadt durch Bereitstellung von Bauland und Neubautätigkeit durch die städtische Wohnungsbau GmbH mit Förderung des sozialen Wohnungsbaus durch Bundes- und Landesmittel erforderlich. Das Ziel des städtischen Masterplans Wohnen sei es, bis 2015 rund 2.500 neue Wohneinheiten zu schaffen, von denen möglichst 20 bis 25 Prozent eine Sozialbindung haben sollen. Der Stadtchef wies jedoch darauf hin, dass es die Absicht des Masterplans sei, Wohnraum in allen Preissegmente zu realisieren.
Wirtschaftsstandort Worms / Gewerbeflächen
Michael Kissel bekräftigte in Bezug auf die Stärkung des Wirtschaftsstandortes, dass er angesichts der Knappheit von Gewerbeflächen die rund 32 Hektar großen Flächen in Nachbarschaft der Kläranlage im Wormser Norden für gewerbliche Entwicklungen und für die Schaffung neuer Arbeitsplätze entwickeln wolle, so wie es der Flächennutzungsplan bereits vorsehe. Es gebe zwar Einschränkungen durch Hochspannungsleitungen und Geruchsimmissionen aus der Kläranlage, doch diese Schwierigkeiten müsse man ausräumen, sodass sich dort attraktive Unternehmen ansiedeln könnten. Ergänzend wies der Stadtchef darauf hin, dass auch Logistikunternehmen ein wichtiger Bestandteil unseres Wirtschaftslebens seien. Gerade Menschen mit geringer Qualifikation hätten dort in den vergangenen Jahren eine Beschäftigung gefunden. „Der Logistiksektor hat über 4.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen“, verdeutlicht Kissel seine Haltung.
Fehlende Kita-Plätze
Nach wie vor nimmt Worms unter den kreisfreien Städten in Rheinland-Pfalz den vorletzten Platz ein, was die Bereitstellung von Kita-Plätzen für U3-Jährige angeht. Michael Kissel bestätigte dies im Gespräch, doch arbeite die Stadt mit Nachdruck daran, um aufzuholen. „Wir sind engagiert dabei, weitere Kindertagesstätten zu verwirklichen“, so OB Kissel. Nach der in diesem Jahr erfolgten Fertigstellung der siebengruppigen Kita in der Gibichstraße stehe nun der Neubau einer viergruppigen Kita in Pfiffligheim auf der Agenda. Gleichzeitig arbeite die Wohnungsbau an der Umsetzung einer siebengruppigen Kindertagesstätte auf dem Fischmarkt im Herzen der Stadt, also genau dort, wo auch der größte Bedarf ist. Ziel sei es zudem, in Hochheim eine neue Kita zu realisieren. Diese sollte auf dem Gebiet „Im Mersch“ entstehen. Hierzu müsse aber ein formelles Bebauungsverfahren initiiertet werden. Auch ein Kita-Neubau an der Carl-Villinger-Straße werde konkret geprüft. Ebenso stehen Neubaumaßnahmen in Pfeddersheim bzw. eine Integration auf dem Standort der Paternusschule auf der Agenda.
Straßen und Radwege
Auf die Frage, ob er an der Krankenhaustangente festhalte, antwortete Michael Kissel, dass er die Vollendung des Äußeren Rings als ein wichtiges Element ansehe, um den Durchgangsverkehr aus der Kernstadt weitestgehend zu verbannen und damit für mehr Wohn- und Lebensqualität zu sorgen. Die Krankenhaustangente sei der letzte Lückenschluss, der nach der Fertigstellung der B 47 Südumgehung (für das Jahr 2022 geplant) noch fehle. Mit dem Äußeren Ring könnten täglich viele tausend Fahrzeuge um Worms herumgeführt werden. Weitere zentrale Ideen von Michael Kissel in Bezug auf die Verkehrspolitik sind die Einführung von Elektrobussen für den ÖPNV sowie Verbesserungen bei den Radwegeverbindungen. Von allen Stadtteilen sollten gut ausgebaute Radwege in die City führen. Seit Jahren strebe er etwa den asphaltierten Ausbau der Radverbindung von Neuhausen über Herrnsheim nach Abenheim an. Bisher sei dies immer an Belangen des Artenschutzes gescheitert.
Nibelungen-Festspiele
Auf die abschließende Frage nach den Kosten und dem Nutzen der Nibelungen-Festspiele antwortete der Oberbürgermeister, dass die Gesamtkosten sich auf 4,3 Millionen Euro jährlich belaufen. Die Stadt fördere die Festspiele mit rund 1,7 Millionen Euro. Die Haupteinnahmen kämen durch den Ticketverkauf, Landeszuschuss sowie Spenden und Sponsorengelder zusammen. Die Nibelungen-Festspiele seien aber ein nahezu unbezahlbarer Werbeträger für die Stadt. Durch die breite Berichterstattung in den Medien rücke Worms weit über die Festspielzeit hinaus in den Fokus der bundesweiten Öffentlichkeit. Das Image von Worms als Kulturstadt sei nachhaltig aufgewertet worden. Und letztlich würde durch die vielen Besucher auch wieder Geld in die Stadt zurückfließen, etwa bei Hoteliers und Gastwirten.