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  • Mo., 21. Dezember 2015, 17:37 Uhr
    Der Stadtrat schmiedet Bündnis für bezahlbares Wohnen / Hohe Standards bei Energieeffizienz und Barrierefreiheit verhindern günstiges Bauen

    Wohnungsnot - die Botschaft ist angekommen

    Die Schaffung von Wohnraum ist eine der großen Herausforderungen für die nächsten Jahre. Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Auf der letzten Stadtratssitzung wurde einstimmig von allen Parteien ein Bündnis für bezahlbares Wohnen in Worms auf den Weg gebracht. Ob und welche konkreten Schritte folgen, bleibt abzuwarten. Denn praktische Maßnahmen waren mit der Verabschiedung des Bündnissen erst einmal nicht verbunden. Aber an den „Taten“, also dem Bau neuer Wohnungen, werden die Stadträte letztlich gemessen. Wobei es in dem von der SPD eingebrachten Antrag wohl mehr darum ging, einerseits den Bürgern zu signalisieren: „Wir haben das Problem erkannt“, und andererseits überhaupt erst einmal den Prozess anzuschieben. Was an sich schon löblich ist. In das Bündnis sollen neben den entsprechen Ämtern in der Stadtverwaltung auch private Investoren, Vertreter der Kammern und entsprechende Verbände einbezogen werden.
    Ähnlich wie bei Resolutionen, die der Stadtrat verabschiedet, lässt sich über die Sinnhaftigkeit solcher Bündnisse ohne konkrete Handlungsanweisungen natürlich streiten.

    20 Jahre verschlafen

    Über 20 Jahre lang ist hinsichtlich der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in Deutschland und speziell in den Ballungsräumen nicht viel unternommen worden. Alles wurde mehr oder weniger dem freien Markt überlassen. Die Konsequenz war, dass überwiegend luxussaniert wurde und teure Appartements entstanden. Bezahlbare Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen wurden knapp. Zwar herrschen in Worms keine dramatischen Zustände wie in Berlin, Frankfurt oder selbst Mainz, aber alleine bei der städtischen Wohnungsbau stehen rund 1.000 Menschen auf einer Warteliste. Und die Nibelungenstadt wächst. So konnte gerade die Grenze von 85.000 Einwohner überschritten werden. Vom demographischen Wandel ist nichts zu spüren. Dies hängt damit zusammen, dass die Menschen in die Ballungsräume drängen. Für Rheinland-Pfalz bedeutet dies, die Städte entlang des Rheins boomen, in der Westpfalz oder im Westerwald stehen hingegen Wohnungen, Häuser und ganze Orte leer. Auf diesen Trend wurde aber nicht reagiert. Erschwerend kam hinzu, dass immer mehr Menschen alleine wohnen, Single-Haushalte sind heute die dominierende Wohnform. Was viele Gründe hat. Unter anderem halten Ehen heute meist kein Leben lang mehr und auch ältere Menschen, deren Partner gestorben ist, gehören verstärkt zu den Einpersonenhaushalten.

    Sozialen Sprengstoff vermeiden

    Neben den immer unzufriedener werdenden Bürgern kam nun eine weitere Herausforderung für die Kommunen hinzu. Dies sind die Kriegsflüchtlinge aus Syrien, die eine Bleibe suchen. Um Neid und damit sozialen Sprengstoff zwischen Ur-Wormsern und Zuwandern zu vermeiden, sieht die Politik die Notwenigkeit rasch neuen Wohnraum zu schaffen.

    Masterplan

    Oberbürgermeister Michael Kissel erläuterte in der letzten Stadtratsitzung, dass er im Oktober 2015 bereits die Stadtverwaltung beauftragt habe, einen Masterplan „Wohnungsbau“ zu entwerfen. Ziel sei es, dass bis zum Jahr 2025 rund 2.500 neue Wohneinheiten in Worms entstehen sollen. Im Frühjahr 2016 soll die Verwaltung den Entwurf vorlegen. Ein Kernelement wird wohl sein, dass die städtische Wohnungsbau GmbH wieder Sozialwohnungen baut, nachdem sie sich in den vergangenen Jahren auf die Sanierung der bestehenden Häuser konzertierte.

    Zu hohe Standards

    Als ein Hindernis beim Bau von bezahlbarem Wohnraum erweisen sich immer mehr die hohen Standards hinsichtlich Energieeffizienz und der Barrierefreiheit. Die sich immer weiter verschärfenden Vorschriften machen es für Investoren zusehends uninteressanter, ihr Kapital in den Wohnungsbau zu stecken. Richard Grünwald von den Grünen hinterfragte im Stadtrat, ob wirklich bei allen Wohnungen Barrierefreiheit abgefordert werden müsse.

    Niedriglohnsektor

    Sebastian Knopf von den LINKEN wies in der Aussprache daraufhin, dass eines der Hauptprobleme die Ausweitung des Niedriglohnsektor sei. Viele Menschen könnten von ihrem geringen Einkommen schlichtweg die hohen Mieten nicht mehr bezahlen.

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