Peter Englert kämpft als OB-Kandidat gegen hohe Verschuldung der Stadt, für Transparenz der Finanzen & Aufwertung der Innenstadt
„Worms als beste Stadt der Welt!“
Die „Funzel“ ist Peter Englerts Lieblingskneipe. Hier spielen im Rahmen einer „Worms hat gewählt“-Party am Samstag, dem 10. November, um 20 Uhr, „Off Beat Service“ und die „Döftels“.Foto: Robert Lehr
VON ROBERT LEHR|In seiner Stammkneipe wird er schonmal mit „Hallo, Herr Oberbürgermeister“ begrüßt und für Viele, die den Blogger, Musiker und ausgebildeten Schauspieler kennen und dessen Humor schätzen, ist er jetzt schon der „OB der Herzen“. Nicht zuletzt durch seine sponti-anarchischen Umtriebe rund um die Terence-Hill-Brücke ist Peter Englert auch denjenigen Wormsern bekannt, die noch nie ein „Döftels“-Konzert, die Nibelungen- oder die Bad Hersfelder Festspiele besucht haben. Auch bundesweit machte die Aktion Schlagzeilen, die in einem persönlichen Besuch des italienischen Schauspielers im August in Worms gipfelte.
Doch seit Peter Englert am 3. September diesen Jahres bekannt gab, für das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Worms am 4. November kandidieren zu wollen, hat sich Einiges geändert: So wurde Englert – als von der FWG-Stadtratsfraktion unter seinem nicht verwandten Namensvetter und Fraktionsvorsitzenden Mathias Englert unterstützter, aber unabhängiger Bewerber – in kürzester Zeit ein ernstzunehmender Kandidat, der sich abseits von unkonventionellen Vita und künstlerischer Arbeit bestens etabliert hat.
Kampf der Verschuldung
Im Gespräch mit dem Nibelungen Kurier betonte Peter Englert, dass es „die Liebe zu meiner Heimatstadt war“, die Motivation für die Kandidatur gewesen sei. Nicht umsonst ist sein Wahlkampfflyer überschrieben mit „Worms könnte die beste Stadt der Welt sein, leider ist sie hochverschuldet“. Auf Wahlkampfplakaten fordert er daher u.a. auf „den Nibelungenschatz zu heben“, was er auf die vielfältigen Potenziale bezieht, die die Stadt auszeichnen. Vielfach würden diese nicht genutzt.
Daher steht der Kampf gegen die in seinen Augen „übermäßige Stadtverschuldung“ auf der politischen Agenda Englerts ganz oben.
Sie sei dafür verantwortlich, dass notwendige Investitionen in Kindergärten, Schulen oder die öffentliche Infrastruktur ausblieben. Auf dem Weg zu einem ausgeglichenen Haushalt müsse auch die Stadtverwaltung kostengünstiger und effizienter arbeiten und noch konsequenter digitale Dienstleistungen anbieten.
In diesem Zusammenhang komme der Transparenz des städtischen Haushaltes eine besondere Bedeutung zu, denn nur so würde klar, wo sich Sparpotentiale befinden. Nur durch diese Transparenz „können die Bürger erkennen, wo ihr Geld investiert wird“. Und nur so könnte auch ein größeres Engagement von bürgerschaftlicher und nicht von politischer Seite erreicht werden.
Innenstadt beleben
Für Peter Englert ist eine Belebung der Innenstadt und vor allem der Fußgängerzone unabdingbar. Hier könnte ein Wegfall der Schankerlaubnissteuer zur erleichterten Ansiedlung gastronomischer Betriebe führen, die zu einer „abwechslungsreicheren und bunteren City mit lebendigen Ausgehmeilen führen“.
Unerlässlich für eine Steigerung der Attraktivität für Worms sei ein „zukunftsweisendes Verkehrskonzept, das die Vereinbarkeit von Auto, ÖPNV und Fahrrad gewährleistet“, wobei der Schwerlastverkehr aus der Innenstadt verbannt werden solle.
Eine große Chance für Worms sieht Peter Englert vor allem in seiner Funktion als Wohnstadt im Herzen der Metropolregion. Hier seien die Mieten im Vergleich zu Rhein-Main und Rhein-Neckar moderat. Um gerade für Familien attraktiv zu werden, müssten aber unbedingt die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder bis zur 7. Klasse ausgebaut werden. Aber auch der Wohnungsbau müsse gefördert werden, zahlreiche Industrie- und Gewerbebrachen böten Möglichkeiten zur entsprechenden Erschließung.
Tourismus fördern! Mit dem Dom oder der großen jüdischen Geschichte verfügt „Worms über echte Pfunde“, so Englert. Allerdings sei ein innerstädtisches Hotel für die „Förderung des Tourismus unabdingbar“, wobei Englert das ehemalige Gesundheitsamt als idealen Standort dafür ansieht. Die „Ankurbelung des Tourismus hat einen unmittelbaren Einfluss auch auf die maroden Finanzen der Stadt“.
Silicon Worms
Für Englert bietet auch die „Hochschule und deren gründungswillige Studenten ein enormes Potential“. Hier stellt er sich ein Gründerzentrum in unmittelbarer Nähe vor, aus dem Unternehmensgründungen hervorgebracht werden. Damit wird die Nibelungenstadt auch attraktiv für Studenten, die dauerhaft hier bleiben möchten.
Unkonventioneller Wahlkampf
Dabei ist es vor allem Peter Englert, der seinen Wahlkampf sowohl in den sozialen Medien führt, die er virtuos bedienen kann, aber auch mit unkonventionellen Methoden. So hat er dem NK erzählt, dass er auch schon privat eingeladen wurde, um Neu-Wormsern sich selbst und sein Programm persönlich vorzustellen.
Oder mit der Aktion, wo er sich an verschiedenen Orten in Worms zu Couchgesprächen zur Verfügung stellt. Die nächsten Termine sind am Freitag, dem 26. Oktober, und Samstag, dem 27. Oktober, auf dem Parkplatz, gegenüber vom Café Pinel von jeweils 11–16 Uhr sowie am Samstag, dem 3. November, in der Hardtgasse, in Nähe zum Friseur Blooms, von 11–17 Uhr.
Peter Englert weiß recht genau um seine Chancen bei der bevorstehenden Wahl. Auch aus unerwarteter Ecke sei ein gewisser Gegenwind gekommen. So sehr, wie ihm die Sympathien aus dem eher bürgerlichen Lager entgegengekommen seien, so wenig begeistert oder enttäuscht zeigten sich manche „alte Weggenossen“ angesichts des eher seriösen Charakters seines Wahlkampfes.
Für Peter Englert ist allerdings eine breite Unterstützung unabdingbare Grundlage für eine stärker von den Bürgern getragener Stadtpolitik. Daher rechnet er sich für den Wahlgang durchaus Chancen aus, in die Stichwahl zu kommen. Es herrsche in der Stadt eine „starke Wechselstimmung“, deren Schwung es nun zu nutzen gelte. Bei entsprechenden Sympathiewerten zu seinen Gunsten, kann Englert es sich durchaus vorstellen, bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr, die Zustimmung auf eine breitere Basis im Stadtrat zu stellen.
Doch zunächst stehe die „heiße Phase des Wahlkampfes“ an. Und daher gelte es, „für die Bürger möglichst präsent zu sein und sie von meinem Programm zu überzeugen – zumal meine Politik von ihnen gestaltet und für sie gemacht sein wird“. Auch wenn er keine einschlägige Erfahrung als Politiker vorweisen könne, so wisse er doch, wie stark der Wunsch nach einer Veränderung an der Stadtspitze ist.
„Warum eigentlich nicht!“ ist ein weiterer seiner Plakatslogans, mit denen sich Englert als unverbrauchten und unvorbelasteten Kandidaten empfiehlt. „Die Erfolge unabhängiger OB-Kandidaten in Hagen, Halle, Heidelberg oder Köln machen mir Mut!“.