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  • Mi., 21. Juni 2023, 09:58 Uhr
    WORMS: BRYNHILD wird in eine neue Epoche der Nibelungenfestspiele eintreten

    Zeit und Raum, Gegenwart und Zukunft verschmelzen

    Ein erster Eindruck des Bühnenbildes für das kommende Stück der Festspiele in Worms. Foto: Rudolf Uhrig


    Von Rudolf Uhrig › Als liturgische Farbe ist Violett die Farbe der Stille und Besinnung, Umkehr und Buße, die auf die immer wieder neu nötige Ausrichtung auf Gott hinweisen will. Aber in diesem Falle steht die Farbe Lila eher für eine Sandwüste…, so sagt es Bühnenbildnerin Michela Flück bei der Präsentation des Bühnenbildes zur diesjährigen Inszenierung BRYNHILD der Nibelungenfestspiele am Dienstag. Und wahrscheinlich wird sie auch kaum noch zu sehen sein, denn 10 Tonnen Sand soll sie dünenhaft bedecken. Auf jeden Fall symbolisiert sie aber auch eine Endzeitstimmung, so wollen es Drehbuch und die Regisseurin.

    Sascha Kaiser, Geschäftsführer der Nibelungenfestspiel gGmbH, begrüßt die Journalisten gutgelaunt. ¾ des Kartenkontingents sind verkauft, teilt Kaiser zufrieden mit. „2 ½ Wochen vor Beginn der Festspiele sind wir gut im Zeitplan“.

    Auch Direktorin Petra Simon ist gelassen: „Die Temperaturen sind, fast wie jedes Jahr, heiß, sehr heiß, aber wir werden Schirme und Zelte aufstellen und genügend Trinkwasser bereithalten“ sagt sie, denn jetzt beginnen die Proben an Ort und Stelle; draußen.

    Zentral, die noch dunkle Fläche ist eine Leinwand, ein sogenannter Screen, 7,20 Meter auf 8,80 Meter, der nicht nur viele Einspieler des diesjährigen Stückes zeigen wird, sondern er ist auch Teil der Inszenierung. Die Öffnung, die Tür, mittig, unten ist als „Stargate“ zu verstehen, so verriet Michela Flück. Wer hineingeht oder herauskommt ist womöglich in einer anderen Zeit und an einem anderen Ort, zeitlich wie geografisch.

    Aus der Zeit gefallen

    Diesmal hat Barbarossa keine Chance, die Inszenierung von seiner erhabenen Position, thronend über dem Nordportal zu sehen, die Leinwand verdeckt dem erhabenen Kaiser Friedrich I. der Worms einst die Stadtprivilegien verlieh, vollends die Sicht.

    Links daneben, der rote Kubus, selbst wenn er noch keine Beschriftung trägt, ist ein Diner, ein typisches, einfaches nordamerikanisches Restaurant, das sich meist außerhalb geschlossener Orte und Städte an Fernstraßen befindet. Einst brachte Dieter Wedel einen Hummer auf die Bühne, bei Flück und Felgendreher geht es auch kleiner, viel kleiner. Der alte Vovo an der Diesel-Zapfsäule, „ist aus der Zeit gefallen“ so schreibt es die Bühnenbildnerin. Aber was es alles damit auf sich hat, verrät sie noch nicht.

    „Es ist aber richtig spannend den Aufbau zu begleiten, jetzt sieht man Dimensionen, die der Platz und der Dom ins Verhältnis setzen. Wir, aber auch die Darsteller, erleben nun hier draußen Dinge, die eben drinnen gar nicht möglich sind.“

    „Seit November überlegen, tüfteln und basteln wir am Bühnenbild“ sagt Sebastian Bolz, der technische Leiter. „Allein das ‚Restaurant‘ mit seinen 4x6 Metern und einer Höhe von 5,90 Metern war eine Herausforderung. Denn auch hier drin wird sich einiges abspielen; und oben nehmen die Musiker Platz. Gewichte und Verstrebungen an der Unterseite der Bühne geben dafür die notwendige Stabilität. Alleine 80 Personen sind auf und um die Bühne herum beschäftigt. Alles ist zertifiziert und baurechtlich abgenommen“ so erläutert es Bolz.

    „Die Bühne wird wie ein großer Spielplatz sein“ freut sich Flück, „sie bietet 1000 Möglichkeiten!“

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