Sa., 06. Juli 2019, 15:42 Uhr
Offener Brief vom vom Helferkreis Asyl Worms e.V. an die im Wormser Stadtrat vertretenen demokratischen Parteien
Worms – ein sicherer Hafen!?
„Nach Angaben des UNHCR sind allein im Jahr 2018 mindestens 2200 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Aktuell kommt jede sechste Person während des Fluchtversuchs über das Mittelmeer ums Leben. Gleichzeitig werden Seenotretter*innen für das Retten von Menschenleben bestraft: Carola Rackete, die Kapitänin der „Sea Watch 3“, hatte den Notstand an Bord ausgerufen und fuhr nach über zweiwöchiger Hängepartie auf eigene Faust in italienische Gewässer. Die Behörden verhafteten Carola Rackete noch in der Nacht des Anlegens und beschlagnahmten die „Sea Watch 3”. Mittlerweile wurden europaweit mehr als 500.000 Unterschriften für eine Petition zugunsten von Rackete an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und über eine Million Euro zur Finanzierung des bevorstehenden Gerichtsprozesses gesammelt. In mehreren europäischen Städten fanden am 5. Juli Solidaritätskundgebungen statt“, Angelika Wahl, Vorsitzende vom Helferkreis Asyl Worms e.V.
„Nun wird bereits eine Woche später dem Rettungsschiff „Alan Kurdi“ mit 65 geretteten Flüchtlingen vom italienischen Innenminister Salvini die Einfahrt in den Hafen von Lampedusa verboten. Statt alles daran zu setzen, Menschenleben zu retten, erleben wir einen Tiefpunkt von Solidarität und Menschlichkeit: Menschen werden in libysche Folterlager zurückgewiesen, sterben dort unter dem Bombardement von Warlords, die Rettung von Menschen wird aktiv blockiert und zivile Seenotrettungsschiffe werden über Wochen daran gehindert, mit geretteten Menschen an Bord in einen sicheren Hafen zu fahren. Heute erklärte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) gegenüber der Presse: „Auch im Fall der ‚Alan Kurdi‘ und der ‚Alex‘ sind wir im Rahmen einer europäisch-solidarischen Lösung bereit, einen Teil der aus Seenot Geretteten aufzunehmen.“, so Angelika Wahl, Vorsitzende vom Helferkreis.
„Seehofer reagiert damit auch auf die Beschlüsse von 70 deutschen Stadtparlamenten (darunter Mainz und Trier), Flüchtlingen einen „sicheren Hafen“ anzubieten. Wir erinnern: im November 2018 erklärte unser ehemaliger Oberbürgermeister Kissel ebenfalls, dass er aus Seenot gerettete Flüchtlinge in Worms aufnehmen will. Jetzt sollten die demokratischen Parteien auch in Worms für das Recht und die Pflicht auf Seenotrettung eintreten, einen entsprechenden Beschluss im Wormser Stadtrat fassen und Kissels Ankündigung in die Realität umzusetzen“, appelliert Angelika Wahl an die im Wormser Stadtrat vertretenen demokratischen Parteien. Weitere Info unter: www.asylworms.de https://www.facebook.com/asylworms/