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  • Do., 30. Januar 2020, 07:25 Uhr
    AfD WORMS: "Nibelungenmuseum schließen" / Nibelungenthema soll Bestandteidurch „virtual and augmented reality“ bleiben

    "Worms kann sich das finanziell nicht leisten"

    In einer Pressemitteilung gibt die Alternative für Deutschland Wormser Stadtratsfraktion
    bekannt, dass sie im Stadtrat fordere das Nibelungenmuseum zu schließen. Weiter heißt es. "Der Stadtrat beauftragt die Verwaltung zeitnah Vorschläge zu entwickeln, was mit dem Gebäude des Nibelungenmuseums zukünftig gemacht werden soll. Dabei sollen ergebnisoffen diskutiert werden, z.B. Abriss des Gebäudes und Sanierung der Stadtmauer oder Verkauf des Gebäudes oder Verpachtung des Gebäudes und Sanierung durch den Pächter oder Sanierung des Gebäudes durch die Stadt und sinnvolle anderweitige Weiternutzung".

    Wie Ludger Sauerborn, Fraktionsvorsitzender und Kreispressesprecher, berichtet, dass das Nibelungenthema aber auch nach der Schließung des Museums weiter ein wichtiger Bestandteil des Stadtmarketings bleiben sollte und fordert die Verwaltung auf, Vorschläge zu machen, wie man das Nibelungenthema mit den heutigen technischen und medialen Möglichkeiten weiterhin in der Stadt für die Bewohner und für Touristen ganzjährig präsent halten könne.

    Begründung der AfD
    Der Antrag der AfD ist mit einer ausführlichen Begründung versehen. So führt die AfD an, dass Worms sich das Museum finanziell nicht leisten könne. „Die Kosten für die Sanierung des heruntergekommenen Nibelungenmuseums von vorerst geschätzten 835.000 Euro zuzüglich der jährlichen hohen Zuschüsse zu den Betriebskosten sollten und können wir uns nicht leisten“, stellt der AfD Fraktionsvorsitzende Ludger Sauerborn fest. „An allen Ecken fehlt uns das Geld, wir können nicht mal mehr die städtischen Pflichtaufgaben finanzieren. Keiner weiß z.B. wie wir in den nächsten Jahren die notwendig werdenden etwa 800 zusätzlichen Kindergartenplätze finanzieren sollen, von den sogenannten freiwilligen Leistungen, wie etwa den Zuschüssen für Sportvereine ganz zu schweigen. Auch wenn man nur den Kulturbereich anschaut, zeigt sich, dass die hohen Ausgaben für das Nibelungenmuseum nicht verantwortbar sind, angesichts unseres zurzeit geschlossenen städtischen Museums, das mit hohem finanziellem Aufwand renoviert und für das Lutherjahr ertüchtigt werden muss. Auch die Bibliothek braucht z.B. für die Erhaltung ihres historisch wertvollen Buchbestandes zusätzliche Mittel.“

    „Und der AfD Antrag, 1001 Baum zu pflanzen zur Verbesserung des städtischen Klimas wurde mangels angeblich fehlender Finanzmittel abgelehnt“, ergänzt der umweltpolitische Sprecher der AfD Stadtratsfraktion, Ökowinzer Toni Ras.

    „Wenn jetzt in der Haupt- und Finanzausschusssitzung Vertreter von CDU und SPD die Hoffnung geäußert haben, dass die notwendige Sanierung vielleicht doch nicht so teuer werden müsse wie der Gebäudebewirtschaftungsbetrieb berechnet hat, so ist das hochgradig naiv und widerspricht jeglicher Lebenserfahrung“, meint Sauerborn und erinnert daran, dass erste Kostenschätzungen des damaligen SPD Kulturdezernenten Gunter Heiland von einem Finanzbedarf von 1,3 Millionen DM für den Bau des Museums ausgingen, die französischen Architekten Auber/Hoge den Zuschlag für das Projekt mit einer Kostenschätzung von 2,5 Mio DM bekamen, und gekostet habe das Nibelungenmuseum schließlich über 8 Millionen.

    „virtual and augmented reality“

    Die AfD belässt es nicht bei der Kritik am Nibelungenmuseum und macht auch Vorschläge: „Die Nibelungensage ist sicherlich für das Stadtmarketing ein wichtiges Thema, das unbedingt genutzt werden sollte. Hierzu gibt es aber heute neue ganz andere technische und mediale Möglichkeiten als noch vor 20 Jahren. Um das Nibelungenthema in Worms ganzjährig zu präsentieren sollte über Möglichkeiten nachgedacht werden, für die es keines Gebäudes bedarf“, meint Ursel Bieser, die Kreisvorsitzende der Wormser AfD. Sie schlägt vor, es solle über die Einrichtung eines virtuellen Museums ohne Gebäude in der Form einer „virtual and augmented reality“ nachgedacht werden. Es könne mit relativ geringen finanziellen Mitteln eine Wormser Nibelungenapp entwickelt werden. „Wer die Wormser Nibelungenapp (kostenlos oder sehr preiswert angeboten) herunter geladen hat kann Filme und Spiele im direkten örtlichen Kontext konsumieren“, so Ursel Bieser. „Zentren der Präsentation könnten der Dom, die Stadtmauer und das Hagendenkmal sein. Auch Eichfelders „Grabanlage mit Hinkelsteinen“, Kienasts vergrabenes Denkmal und der eventuell entstehende Rosengarten könnten Standorte sein, an denen die App genutzt wird. Die App sollte auch zum Andreasstift und zum Museum im Heylshof führen, um dort zusätzliche Besucher zu generieren.“

    Szenen der Festspiele
    „Das „virtuelle Museum“ könne ständig aktualisiert werden, z.B. durch Szenen aus den Nibelungenfestspielen“, ist die AfD Vorsitzende Ursel Bieser zuversichtlich.
    Um Kosten einzusparen schlägt Ludger Sauerborn vor: „Es sollte geprüft werden, in welchem Ausmaß (technisch und rechtlich) für die App mediale Präsentationen, die heute noch im Nibelungenmuseum erfolgen, weiter genutzt werden können.“
    Wer sich solch eine „virtual and augmented reality“ einmal ansehen möchte, könne dies z.B. in Hamburg in der Speicherstadt tun, gibt die AfD Kreisvorsitzende Ursel Bieser noch einen Reisetipp.

    Von den Bürgern abgelehnt

    „Die Notwendigkeit der Sanierung des Museums und die dafür bisher geschätzten Kosten von 835.000 Euro sollten wir als Stadtrat zum Anlass nehmen, endlich dem Mehrheitswillen der Wormser Bürger nachzukommen“, meint Ludger Sauerborn, vor 21 Jahren Initiator der Bürgerinitiative gegen das Nibelungenmuseum an der Stadtmauer. Sauerborn erinnert daran, dass es von Anfang an einen breiten Widerstand der Wormser gegen das Nibelungenmuseum gab. „So kam es am 12. September 1999 zum ersten Bürgerentscheid in Worms mit dem Ergebnis: 3.859 Stimmen für den Museumsbau, 12.417 Stimmen gegen das Museum. Obwohl also 76,3 Prozent gegen das Museum gestimmt hatten entschieden sich dann aber SPD und CDU im Stadtrat für den Museumsbau.

    Teilnahemqurom nicht erreicht
    Dies war rechtlich möglich, weil bei der Wahl das damals noch notwendige Teilnahmequorum von 30 Prozent der Wahlberechtigten nicht erreicht worden war. Mittlerweile wurde vom Landtag das Quorum auf 20 Prozent  heruntergesetzt. Hätte dies schon vor zwanzig Jahren gegolten – das Nibelungenmuseum hätte nicht gebaut werden dürfen“, stellt Sauerborn fest und ergänzt: „Das zu niedrige Quorum hatte sich übrigens auch dadurch ergeben, dass der Stadtrat sich weigerte den Bürgerentscheid kostensparend – wie von der Bürgerinitiative gefordert - mit einer sowieso stattfindenden Wahl terminlich zusammen zu legen.“

     

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