EINZELHANDEL: Shopping mit Termin kommt nicht an wie erhofft / Brief an MdB Jan Metzler
„Worms leidet unter Bundesnotbremse“
Nur sehr wenige Bummelanten oder Termin-Shopper finden den Weg in die Innenstadt. Archivfoto: Robert Lehr
VON VERA BEIERSDÖRFEREinkaufen vor Ort in Wormser Einzelhandelsgeschäften ist so lange möglich, wie die Inzidenz weiterhin unter 150 liegt. Das Shopping-Erlebnis „Click & Meet“ muss jedoch gut geplant werden. Wer etwa direkt im Laden nach Kleidung, Elektro oder Möbeln stöbern will, muss sich vorher ein genaues Zeitfenster buchen. Wie lang dies dauert, variiert von Geschäft zu Geschäft. Zu berücksichtigen ist nur: Die Einkaufszeit muss laut Corona-Schutzverordnung fest begrenzt sein.
Wie kommt das Termin-Shopping in der Nibelungenstadt an?Gabriele Wrobel vom Olala-Team in der Kämmererstraße berichtet von unterschiedlichen Erfahrungen. „Es gibt Tage, wie vergangenen Samstag, da sind wir fast ausgebucht“, erklärt die Angestellte.
Kaum Resonanz bei Laufkundschaft
Jedoch sei gerade wasdie Laufkundschaft angeht, kaum Resonanz zu vermelden. Wer keinen Termin vorab gebucht hat, könnte auch an der Tür nachfragen, falls das Zeitfenster nicht vergeben ist und die anfragende Person einen tagesaktuellen Negativtest vorweisen kann, ist es dann auch möglich, die Boutique spontan zu betreten. „Doch bei diesem Wetter bummelt kaum noch jemand durch die nahezu leergefegte Innenstadt“, so Gabriele Wrobel. An vielen Tagen würden daher kaum Kunden das Geschäft betreten.
Auch im MediaMarkt im WEP ist die Besucherzahl eher überschaubar. „Oft sind nur fünf oder sechs Kunden zeitgleich im Markt“, erläutert Geschäftsführer Markus Fleck. „Die Kundenbemängeln den hohen Aufwand, der im Vorfeld betrieben werden muss“. Seine Mitarbeiter würden häufig gefragt, wieso der meist kleinere Lebensmittelhandel problemlos zugänglich sei, der große MediaMarkt jedoch nicht spontan aufgesucht werden könne?
Kauf im Netz ist bequemer Viele Wormser würden auch die fehlende Testmöglichkeit im WEP anprangern und dann dem bequemeren Online-Einkauf den Vorzug geben. Kai Hornuf vom Stadtmarketing sieht den Einkauf mit Termin ebenfalls sehr kritisch. „Shopping hat immer etwas mit Spontaneität und Emotionen zu tun, was bei einer Vorab-Buchung gar nicht mehr gegeben ist“, so Hornuf. Er geht sogar so weit, die Bundesnotbremse in Frage zu stellen.
In einem Brief an den BundestagsabgeordnetenJan Metzler (CDU) hatte Kai Hornuf am Samstag seine Bedenken klar verdeutlicht, so sei es kein Geheimnis, dass auch Einheimische den Shopping- und Gastro-Tourismus in Städte mit niedrigeren Inzidenzen verlagerten. „Es ist doch klar, dass die Stadt im Vergleich zum flächenmäßig größeren Landkreis gar keine Chance hat“.
Daher hofft er, dass jetzt, da die Inzidenzen in Rheinland-Pfalz und Deutschland insgesamt deutlich unter dem Wert von 100 liegen, die Bundesnotbremse baldigst außer Kraft tritt.
Nach Angaben von Hornuf, hat der Bundestagsabgeordnete direkt auf sein Schreiben reagiert und ihm ein Gespräch in Kürze zugesagt. „Worms leidet unter der Bundesnotbremse“, lautet das Fazit von Kai Hornuf und auch zahlreiche Einzelhändler stimmen ihm zu.