AKTION: 2,34 Millionen Bundesmittel für Innenstadt von morgen / Wo sollte nachgebessert werden?
Worms soll schöner werden – aber wie?
Einladende Einkaufsstraße oder doch eher ein abschreckendes Entrée zur Innenstadt? Foto: Robert Lehr
VERA BEIERSDÖRFER UND FLORIAN HELFERT Einem wahren Nervenkrimi glich im Juli 2021 die lang ersehnte Live-Übertragung zur Welterbe-Entscheidung der Unesco im chinesischen Fuzhou. Vertreter der Politik, der jüdischen Gemeinde sowie der beteiligten Kommunen waren bis zuletzt angespannt, ob die SchUM-Stätten Speyer, Mainz und Worms in den erlauchten Welterbe-Kreis aufgenommen würden? 15 Jahre lang hatten die Akteure gemeinsam auf das große Ziel hingearbeitet und im Januar 2020 hatte das Land den Welterbeantrag „SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz“ schließlich einreichen können.
Die Mühe sollte sich am Ende auszahlen – die SchUM-Stätten wurden im vergangenen Sommer durch das Unesco-Komitee zum Welterbe erklärt. Damit sind sie das erste jüdische Welterbe Deutschlands. Der dadurch erzielte gesteigerte Bekanntheitsgrad soll sich künftig in einer Zunahme der Besucherzahlen widerspiegeln. Zudem warb die Stadt 2021 mit dem 500. Jubiläum des Wormser Reichstages um weitere Besucher aus nah und fern. Doch was erwartet Gäste, wenn sie in die sagenumwobene Nibelungenstadt kommen? Unbestritten lohnt sich ein Abstecher zum ehrwürdigen Dom, zum ältesten jüdischen Friedhof Europas oder auch zum großen Reformationsdenkmal. Worms hat in der Tat viele sehenswerte Plätze vorzuweisen, doch es gibt auch den anderen „Anblick“ der Lutherstadt. Bewegt man sich vom Bahnhof aus in die Innenstadt, passieren die Worms-Touristen zunächst eine nicht einladende Einkaufsstraße. Die im Volksmund „KW“ genannte Wilhelm-Leuschner-Straße ist vielen Wormsern längst ein Dorn im Auge geworden.
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„Worms wird WOW!“
Eine erste Antwort auf die gestellte Frage, liefert der Blick auf einen noch jungen Erfolg von Stadtrat und Verwaltung: Im vergangenen September ergriff die Stadt kurzfristig die Gunst der Stunde, um sich für das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ zu bewerben. Leerstände managen, Kooperationen und Netzwerke stärken, eine klimagerechtere und grünere Innenstadt forcieren sowie soziale und kulturelle Begegnungsorte etablieren dienen unter dem Motto „Worms wird WOW!“ neben dem omnipräsenten Schlagwort Digitalisierung als Hauptansätze auf dem Weg in eine zukunftsfähigere Innenstadt.
All dies ist dem Bund über einen Förderzeitraum von 2022 bis 2025 insgesamt rund 2,34 Millionen Euro wert. Für die Innenstadt von morgen steuert die Stadt Worms ergänzend einen Eigenanteil in Höhe von circa 260.000 Euro bei, um einen zentralen Stadtbereich als attraktiven Ort für Handel, Gewerbe, Bildung, Kultur, Wohnen und Freizeit erhalten beziehungsweise nach dem Verlust des „Magnetbetriebes“ Galeria Kaufhof als ein deutliches Signal des tiefgreifenden Strukturwandels im stationären Einzelhandel weiterentwickeln zu können.
Somit bilden die neuen Fördergelder auch die abermalige Chance, auf passende Ideen aus bereits erstellten Konzepten – wie etwa Einzelhandels-, Innenstadt- oder Tourismuskonzept – gewinnbringend zurückzugreifen.