
Bei der Stichwahl um das Amt der Oberbürgermeisterin hat sich Stephanie Lohr (CDU) gegen Timo Horst (SPD) durchgesetzt. Kurz nach dem Urnengang gratuliert ihr die Klimaschutzgruppe „Wormser for Future“ (WfF) hierzu und wünscht ihr für die nächsten acht Jahre viel Erfolg. Ausdrücklich lobt die Initiative den sehr fairen Wahlkampf der beiden Hauptkontrahenten.
Durch die Erderwärmung häuften sich in diesem Sommer extreme Wetterlagen. Hitzewellen, Dürreperioden und Waldbrände waren die Folge. Gleichzeitig führte wärmere Luft dazu, dass mehr Feuchtigkeit aufgenommen werden konnte, was regional zu heftigem Starkregen und Überschwemmungen führte. Hinzu kamen laut der Initiative Ernteausfälle sowie eine dramatisch steigende Zahl von Sterbefällen bei älteren oder vorbelasteten Menschen – auch in Worms.
Doch leider spielte die Bekämpfung der Klimakrise im OB-Wahlkampf eine eher untergeordnete Rolle. „Wormser for Future“ erinnert an Artikel 20a des Grundgesetzes, der den Staat zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen im Sinne künftiger Generationen verpflichtet, und an das Klimaschutzgesetz (KSG), das die Reduzierung der Treibhausgase bis 2030 um 65 Prozent und Klimaneutralität bis 2045 verbindlich vorschreibt. Zudem hat das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass unzureichende Klimaschutzprogramme verfassungswidrig sind und zwingend nachgebessert werden müssen.
Vor diesem Hintergrund fordert „Wormser for Future“ von der Kommunalpolitik, der Bekämpfung der Klimakrise Vorrang einzuräumen. Es müsse endlich ein verbindliches Konzept entwickelt werden, Klimaschutz und Klimaanpassung zu verstärken. Mit Blick auf die sich verschärfende Klimakrise sei schnell zu klären, wie die Gewinnung erneuerbarer Energie gestaltet werden könne und was der wirkungsvollste Weg bei der kommunalen Wärmeplanung hin zu einer klimafreundlichen, sicheren und bezahlbaren Wärmeversorgung sei.
Umsteuern, neue Prioritäten setzen – das erwartet WfF von Stephanie Lohr, die im Wahlkampf gegenüber „Wormser for Future“ versprochen habe, den Kampf gegen die Klimakrise zur „Chefsache“ zu machen. Das heißt, Klimaneutralität bis 2040/2045 ressortübergreifend zu verwirklichen und das Klimaschutzmanagement im Rathaus institutionell und personell zu stärken. Andere Städte gehen mit gutem Beispiel voran. „Wormser for Future“ bieten dafür auch künftig konstruktiven Austausch und Zusammenarbeit an.
Nach Meinung der Gruppe muss dringend geprüft werden, ob und wo Fern- und Nahwärme, Geothermie, der Bau eines Flusskraftwerkes sowie die Nutzung von Abwärme aus Kläranlagen und Industrie möglich sind. Der Netzausbau, die Infrastruktur für E-Mobilität sowie die Installation neuer Batteriespeicher müssten vorangetrieben werden. „Wormser for Future“ regt an, einen Innenstadtbezirk auszuwählen und dort exemplarisch zu zeigen, wie Klimaneutralität im Wohnungsbestand umsetzbar ist. Bei der Bauleitplanung müssen insbesondere Solar- und Gründachpflicht sowie der Mindestenergiestandard EH40 beim Hausbau umgesetzt werden.
Die neue Oberbürgermeisterin muss sich aus Sicht der Gruppe dafür einsetzen, das Schwammstadtprinzip zu realisieren: also dezentrale Regenwasserversickerung und -rückhaltung sowie massive Begrünung statt Einleitung in die Kanalisation.
„Wormser for Future“ verlangt außerdem, dass die Innenstadt spätestens nach Fertigstellung der B47-Südumgehung vom Durchgangsverkehr befreit wird. Radfahrer, Fußgänger und Busse müssten endlich Vorrang bekommen. Nervige Debatten über Ampel-Grünphasen, wie beispielsweise an der Vannini-Kreuzung am Marktplatz, sollten dann ebenfalls der Vergangenheit angehören.
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