Der Caritasverband hat mit Unterstützung der städtischen Integrationsbeauftragten eine Gruppe ehrenamtlicher Kulturmittler aufgebaut. Ihre Aufgabe: Geflüchtete beim Einleben zu unterstützen, indem sie in Gesprächskreisen Wichtiges über das Leben hier vermitteln. Ihre Qualifikation: Sie sprechen Deutsch und die Sprache der neu Angekommenen.
Sie kennen die Erwartungen der Aufnahmegesellschaft. Und sie wissen, wie es ist, sich fremd zu fühlen und zurechtfinden zu müssen.
Zwölf Menschen, siebzehn Sprachen. Miteinander reden sie Deutsch. Aber insgesamt sprechen die zwölf Kulturmittler siebzehn Sprachen. Viele davon können wir geografisch zuordnen: Türkisch, Kurdisch, Hindi, Lettisch, Somali oder Serbisch; natürlich auch Englisch, Französisch oder Russisch. Aber dass man Dari, Pashtu und Urdu in Afghanistan und Farsi im Iran spricht, ist vielen hier schon weniger geläufig. Und wer hat schon mal von Bambara, Songhai und Fulfulde gehört – drei von Hunderten westafrikanischer Sprachen?
Sich einlassen – auf Sprache, Kultur und Menschen
Sie kamen vor 30 Jahren, wie der in Afghanistan geborene Geschäftsmann Chenargol Ghamgin, oder Anfang der 90er als FH Student, wie Haydar Yakar, Kurde aus der Türkei. Andere flüchteten vor wenigen Jahren hierher oder mussten sich, wie Edith Spohr, als Deutsche im Ausland zurechtfinden.
So verschieden ihre Geschichten auch sind: Sie teilen die Erfahrung, sich fremd zu fühlen und vieles im neuen Land erst einmal nicht zu verstehen. Und sie wissen, wie wichtig es ist, sich auf Sprache, Kultur und Menschen einzulassen, um wirklich anzukommen.
Wahrnehmen statt Urteilen
Alina Giesen von der Wormser Caritas-Fachstelle für Migration und Integration leitet das Projekt. Sie weiß, welcher Reichtum an Wissen und Erfahrungen in der Gruppe versammelt ist. Darüber hinaus gab sie den Teilnehmenden in einem dreitägigen interkulturellen Training, unterstützt vom Bundesprogramm Demokratie Leben, noch weitere Werkzeuge an die Hand.
Thematisiert wurde u.a., wie man über Werteunterschiede sprechen und mit unbekannten Verhaltensweisen oder Konfliktsituationen umgehen kann. Auch um unsere eigenen Wahrnehmungen und Vorurteile ging es. Alina Giesen: „Wie oft treffen wir falsche Annahmen über andere Menschen, weil wir viel zu schnell urteilen, anstatt einfach nur wahrzunehmen? Uns allen passiert das ständig – Wormsern wie Flüchtlingen, 'Neuen' wie 'Alten'.“ Edith Spohr: „Mich haben gerade die Übungen zu diesen Themen sehr bewegt. Wir haben gemerkt, wie vorschnell wir oft das Verhalten anderer bewerten.“ „Und dann...“ ergänzt Haydar Yakar „...glauben wir, etwas über den anderen zu wissen, ohne ein einziges Mal mit ihm geredet zu haben.“
Ein wichtiger Teil des Trainings bestand auch darin, die Kulturmittler auf Fragen und Erfahrungen der Flüchtlinge vorzubereiten. Und natürlich ging es auch um praktische Fragen. Alina Giesen: „Wie löse ich Bahn- oder Bustickets, was tue ich, wenn ich einen Arzt brauche oder wie finde ich einen Sportverein? Allerdings geht es uns in den großen wie kleinen Fragen nicht darum, Vorschriften zu machen. Wir wollen vielmehr erklären, warum uns etwas wichtig ist oder wieso wir etwas auf eine bestimmte Weise tun.“
Nach der einführenden Qualifikation für die Kulturmittler selbst hat nun mit finanzieller Unterstützung des Integrationsministeriums des Landes die Phase der Umsetzung begonnen. Sechs Gesprächskreise haben schon stattgefunden: drei in arabischer Sprache, zwei auf Dari und einer auf Farsi. Insgesamt nahmen bislang etwa 80 Teilnehmende das Angebot wahr. Bei den Sprachen, die in Worms nicht so häufig vorkommen, können die Gesprächskreise auch auf Nachfrage durchgeführt werden. Alina Giesen: „Wir würden gerne auch einen Abend für jene Menschen aus Eritrea anbieten, die kein Arabisch sprechen – aber Tigrinya ist in unserer Gruppe leider noch nicht vertreten.“
Die nächsten Termine für Gesprächskreise ARABISCH
Gruppe 1
21.09.16, 17-19 Uhr und
26.09.16, 17-19 Uhr. EG Café im CaritasCentrum St. Vinzenz, Kriemhildenstr. 6, 67547 Worms
Gruppe 2
26.09.16, 15-17 Uhr und
28.09.16, 15-17 Uhr Schulungsraum Salamandergelände, Speyerer Schlag 9, 67547 Worms
DARI (mit PASHTU)
20.09.16, 17-19 Uhr und
27.09.16, 17-19 Uhr. EG Café im CaritasCentrum St. Vinzenz, Kriemhildenstr. 6, 67547 Worms
TÜRKISCH (mit KURDISCH)
29.09.16, 17-19 Uhr und
06.10.16, 18-20 Uhr. EG Café im CaritasCentrum St. Vinzenz, Kriemhildenstr. 6, 67547 Worms
Ansprechpartnerin: Alina Giesen
Fachstelle Worms für Migration und Integration
Caritasverband Worms e.V.
Kriemhildenstraße 6, 67547 Worms
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Fax: 06241/2681-274
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