So., 11.10.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Fr., 08. November 2019, 16:43 Uhr
    Zum Mauerfall am 9. November: Auch der Wormser Philipp Held starb 1962 bei der Flucht an der Grenze

    Wormser starb an der „Mauer“

    Das Maueropfer Philipp Held aus Worms-Herrnsheim.


    Wieder einmal wird an den Fall der Mauer erinnert, deren schicksalshafte Geschichte mit Philipp Held auch ein Wormser Maueropfer forderte. „Viele erinnern sich nicht mehr an den Bau der Mauer im August 1961“, blickt SPD-Stadtrat Carlo Riva auf seine Kindheit und seine Beweggründe, an die Geschichte des Herrnsheimers zu erinnern. Gerade einmal fünf Jahre sei er damals alt gewesen, aber einige Spielkameraden kamen ihm zufolge aus der damaligen „Ostzone“ und erzählten noch Jahre später von ihrer Flucht - und, dass sie im „Westen“ auch keiner haben wollte, obwohl sie doch Deutsche waren. „Just zu dieser Zeit floh Philipp Held aus Herrnsheim der Liebe wegen nach Ostberlin“, weiß Riva. So habe Philipp mit 19 Jahren die 16-jährige Bärbel Wolf kennengelernt, deren Mutter bereits 1956 aus der DDR in den Westen nach Worms gekommen war. Doch deren Familie ist zerrüttet, der Vater des Mädchens wohnt weiterhin in der sogenannten Ostzone. Philipps Mutter wiederum soll mit der Beziehung ihres Sohnes nicht einverstanden gewesen sein, da der Unfalltod ihres Ehemannes im Jahre 1955 - er wurde in Neuhausen von einem Wagen erfasst - angeblich von einem DDR-Flüchtling verursacht worden war. Es kommt zum Bruch.

    Philipp Held und Bärbel Wolf beschließen, in die DDR zu gehen und verlassen das Wohnhaus mit Hilfe eines Bettlakens am Fenster unbemerkt in einer Nacht. Im September 1961 passieren sie die innerdeutsche Grenze. Doch in der DDR fühlt sich das junge Paar unwohl, da sie als „Zuziehender“ und „Rückkehrerin“ nicht mit offenen Armen empfangen und von den Erwachsenen obendrein ständig kontrolliert werden.
    Als 1962 die allgemeine Wehrpflicht in der DDR eingeführt wird, rechnet der gebürtige Herrnsheimer mit seiner baldigen Einberufung zur Nationalen Volksarmee (NVA). Gemeinsam mit seiner Freundin entschließt er sich, aus der DDR zu fliehen. Sowohl die entstehende Mauer als auch die Gesetzeslage im Osten der Republik verhindern eine geordnete Rückreise. Bei einem Besuch in Ostberlin muss das Liebespaar feststellen, dass eine Flucht fast unmöglich ist. Am 8. April 1962 verschwand Philipp Held. Nach Aussagen soll Bärbel Wolf nachts die Jacke von Philip gehalten haben, als er versuchte, die Spree zu durchschwimmen. Aufgrund fallender Schüsse floh Bärbel Wolf und flüchtete Gerüchten zufolge zunächst zu ihrer Arbeitsstelle in die Berliner Charité.

    In der Unterwassersperre gefunden

    Angehörige der Grenztruppen der DDR fanden Philipp Helds Leiche am 22. April 1962 gegen 18 Uhr in einer Unterwassersperre an der Schillingbrücke verfangen. Philipp Held hatte seine Ausweispapiere in einen Zellophanbeutel gepackt. Dies werteten die Grenzer als Indiz für einen fehlgeschlagenen Grenzdurchbruch. Vermutlich ertrank Held beim Versuch, durch den Osthafen nach West-Berlin zu schwimmen.

    Leiche ohne Einschüsse

    Eine Untersuchung des Leichnams ergab einen ungefähren Todeszeitpunkt zehn Tage vor dem Fund. Die Leiche wies keine Einschüsse auf, so dass die Ostberliner Behörden von einem Tod durch Ertrinken ausgingen.
    Weder seine Verwandten und Freunden, noch den Behörden aus Ost und West gelang es, die genauen Todesumständen herauszufinden.
    Nach der Leichenbergung vergingen mehrere Tage bis seine Mutter von der Ost-Berliner Staatsanwaltschaft am 26. April 1962 lapidar informiert wurde, das ihr Sohn tödlich verunglückt sei.
    Mit Hilfe der Wormser Behörden versucht sie, die Leiche überstellen zu lassen. Ohne Erfolg, denn die sterblichen Überreste wurden bereits von der Berliner Behörde verbrannt - ohne ihr Einverständnis einzuholen. Sogar die Bild Zeitung berichtete am 5. Mai 1962 über den Fall.

    Mutter erhielt nur Urne
– Grab wurde freigegeben

    Die Mutter erhielt nur die Urne und grämte sich so sehr, dass sie sich in ihrer Wohnung in Herrnsheim am Fensterkreuz erhängte. Den Verlust ihres einzigen Sohnes nach dem Unfalltod ihres Ehemannes konnte sie nicht verkraften.
    Das Grab der Mutter und des Sohnes wurde 2000 im Herrnsheimer Friedhof entfernt und die Grabstelle freigegeben.
    „Nachdem ich Verwandte sowie Freunde der beiden betroffenen Familien getroffen habe“, so Carlo Riva, „schrieb ich mit deren Erlaubnis hierzu einen Artikel in Heimatjahrbuch der Stadt Worms“.

    Beitrag aus der Rubrik

    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige VHS
    Anzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige das WormserAnzeige Amtsblatt
    Anzeige TicketshopAnzeige Tip SüdhessenAnzeige 3 Füller 1