Fr., 08. Mai 2020, 09:42 Uhr
CORONA-PANDEMIE: IHK-Vizepräsident Kundel erleichtert über baldige Wiedereröffnung von Gastronomie und Hotellerie
Wormser Wirtschaft zeigt unterschiedliche Betroffenheit
Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Wormser Wirtschaft aus? Diese Frage stand im Mittelpunkt der letzten Sitzung des Arbeitskreises Wormser Unternehmen. IHK-Vizepräsident Michael Kundel fasst die Auswirkungen in den unterschiedlichen Branchen zusammen: „Die allgemeine Betroffenheit in diesem Stadium der Krise ist hoch und reicht von kompletten Betriebsstillständen über partielle Anpassungen der Kapazitäten bis zu noch geringer Betroffenheit. Alle Unternehmen sehen aber deutliche Signale, dass uns die Krise mindestens noch mehrere Monate begleitet.“
Generell steht bei den Unternehmen die Liquiditätssicherung als Priorität Nr. 1 im Vordergrund. Der Bankensektor berichtet von stark gestiegener Nachfrage nach Tilgungsaussetzungen und der Abwicklung der Bundes- und Landeshilfen. Aus IHK-Sicht hatte aber gerade das Soforthilfeprogramm des Bundes für Kleinunternehmen, das über das Land ausgezahlt wird, erhebliche Anlaufprobleme und die Mittel wurden erst spät an die Betroffenen ausgezahlt.
Die globale Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus, das praktisch keinen bedeutenden Wirtschaftsraum auf unserem Planeten ausgelassen hat, ließ den Unternehmen kaum Zeit, sich hinreichend auf die Pandemie vorzubereiten. Erleichtert zeigt sich Kundel, dass dies den Wormser Arbeitskreisunternehmen dennoch ordentlich gelungen ist.
Eine geringe Zahl von mit Covid-19 infizierten Mitarbeitern in den Unternehmen spricht für sehr effektive Präventionsmaßnahmen sowie eine regelmäßige, offene und gute Kommunikation in die Belegschaften hinein. Vorsorgliche Quarantänemaßnahmen haben ebenfalls Wirkung gezeigt. Home Office wurde und wird – wo immer möglich – intensiv genutzt. Mittlerweile hat sich die Situation teilweise entspannt und erste Unternehmen holen ihre Mitarbeiter aus dem Home Office zurück und integrieren sie wieder in den Ablauf vor Ort. Für das Wiederanfahren der Wirtschaft ist man zuversichtlich, dass die hohe Akzeptanz der Hygieneregeln und die eingesetzten Präventionsteams die positive Entwicklung des Infektionsgeschehens nicht gefährden.
Brüche in den globalen Lieferketten treffen einige Unternehmen massiv. Beispielsweise befand sich die Automobilproduktion in einem Lock down, der erst schrittweise wieder aufgehoben wird. Man kann sich die Konsequenzen deutlich vorstellen, wenn die Kunden aufgrund eines Produktionsstillstandes nichts mehr abnehmen. Dann kommt es zu weitreichenden Stillständen in der zunehmend globalisierten Zulieferindustrie.
Chemische Industrie stockt Kurzarbeitergeld deutlich auf
Auch wenn im Arbeitskreis der flächendeckende Blick auf die Kurzarbeitssituation fehlt, so sehen doch Tarifverträge teils hohe Aufstockungsquoten vor, so z.B. in der in Worms stark vertretenen chemischen Industrie. Hier wird auf 90 % des letzten Nettogehalts aufgestockt.
Wen trifft es am härtesten, wen am wenigsten?
Stark betroffen sind alle, die komplett schließen mussten - unter anderem Gastronomie, Hotellerie und zunächst auch große Teile des Einzelhandels, in zunehmendem Maß auch das verarbeitende Gewerbe und der Dienstleistungsbereich. Die Ausprägung ist unterschiedlich. Der Finanzsektor setzt stark auf Homeoffice, die Banken mussten ihr Filialnetz vorübergehend ausdünnen. Die Logistik spürt ebenso die Veränderung in den Lieferketten (z.B. Automobil), konnte aber auch Neugeschäft, etwa mit dem Import und der Distribution von medizinischen Artikeln generieren und so die Betroffenheit bisher abmildern.
Leuchtturm Hochschule
Geradezu vorbildlich hat die Hochschule Worms auf die Krise reagiert. Innerhalb kürzester Zeit hat sie die Lehre auf fast 100% virtuell über live gestreamte Vorlesungen oder Podcasts für ihre Studierenden umgestellt. „Ich glaube, das ist ein schönes Beispiel für eine Bildungseinrichtung, die aus einer Herausforderung eine Opportunität aktiv gestaltet“, freut sich Kundel. Auch dass zwei Drittel der ausländischen Studierenden weiterhin am Standort in Worms studieren, sieht er als Beleg für die hohe Attraktivität des Studienorts Worms.
Was nimmt die Wirtschaft aus der Krise mit?
Aber Kundel sieht nicht nur diesen positiven Effekt der Krise. Man erkenne auch steile Lernkurven bei den Beschäftigten vieler Branchen, die von heute auf morgen vieles digitalisieren mussten, was in normalen Zeiten Jahre gedauert hätte. Neue Geschäftsmodelle können sich etablieren. Dort, wo es sinnvoll ist, werden Wertschöpfungsketten auch stärker mit regionalem Fokus ausgerichtet. Aber eines ist auch klar: Die Politik, die Wirtschaft und die Menschen müssen sich, wenn die Politik die Linie der vorsichtigen Öffnung beibehält, auf sehr teure finanzielle Konsequenzen und einen langen Verlauf dieser Krise einstellen.
Liquiditätssicherung erfordert die Unterstützung aller!
Umso dringlicher ist sein Appell an alle, die am stärksten betroffenen Branchen in Worms nach Kräften zu unterstützen. „Dass Gastronomie und Hotellerie nun endlich bald wieder öffnen dürfen, erleichtert uns sehr“, so der Vizepräsident. „IHK und Stadtmarketing haben auch die Imagekampagne „Heimat shoppen“ für den lokalen Handel sofort nach Wiedereröffnung der ersten Geschäfte anlaufen lassen. Tatsache ist aber auch, dass der Leidensdruck von Hotellerie und Gastronomie nach der langen Schließungsphase noch höher ist. „Auch die nächsten Monate mit starken Einschränkungen durch Abstandsvorgaben werden die aktuellen Verluste weiter in die Höhe treiben“, ist Kundel überzeugt. Gerne unterstützt der IHK-Vizepräsident daher den Aufruf der Landtagsabgeordneten und CDU-Kreisvorsitzenden Stephanie Lohr, gerade jetzt die Gastronomen und Hoteliers in Worms zu unterstützen.
Mit einem deutlichen Appell wendet er sich an die Arbeitskreisunternehmen und ihre über 11.000 Beschäftigen ebenso wie an die Bevölkerung: „Unsere Hotels und gastronomischen Betriebe brauchen jetzt die Unterstützung aller! Die Liquidität zu sichern ist für sie jetzt lebenswichtig. Gehen Sie also bei allem gebotenen Abstand wieder in die Bars, Cafés und Restaurants! Nehmen Sie weiterhin deren Lieferdienste in Anspruch, verschenken Sie Hotelgutscheine, stornieren Sie keine Zimmerbuchungen, auch wenn derzeit noch keine dienstlichen Übernachtungen stattfinden! Vielleicht lassen sich gebuchte Zimmer auch in Cateringleistungen für Ihre Belegschaften umwandeln. Seien Sie kreativ! – Die Wormser Unternehmen, die das jetzt am dringendsten brauchen, sind es auch!“