Beim „Tag der Wirtschaft“ ging es um die Zukunft der Nibelungenstadt / Ausstellung ist noch bis zum 5. Juni in der Kaiser Passage zu sehen
Wünsch‘ dir was für Worms
Gastredner Dr. Hans-Peter Klös zeigte in seinem Vortrag auf, wie er die Situation von Worms als Außenstehender beurteilt. Foto: RENOLIT.
„Wie kann Worms seine Attraktivität als Kultur- und Wirtschaftsstandort erhalten“ – mit dieser Frage beschäftigten sich am Donnerstag, dem 2. Juni fünf Experten beim „Tag der Wirtschaft“ in der Kaiser Passage. Dabei wurde deutlich: Einen Königsweg gibt es nicht – aber immerhin reichlich Ideen. Gastredner Dr. Hans-Peter Klös, Geschäftsführer des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, zeigte zu Beginn der Veranstaltung anhand einiger Rankings, wo Worms im Vergleich mit anderen Städten und Regionen in Deutschland steht. „Die gute Nachricht: Es ist noch Luft nach oben“, so fasste Johannes Götzen den Impulsvortrag anschließend knapp und humorig zusammen. Der Chefredakteur der Wormser Zeitung leitete die Diskussion, die sich an den Vortrag von Dr. Klös anschloss. Neben dem Kölner Volkswirt nahmen daran auch Evelyn Thome (Geschäftsführerin Europa Nord Röchling Automotive) und Andrea Wensch (Geschäftsführerin IHK Rheinhessen) teil sowie der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel und David Maier, der künstlerische Leiter der Festivals Worms: Jazz & Joy sowie POP UP Worms.
Nach einem etwas zaghaften Beginn ging es spätestens bei den Fragen aus dem Publikum auch ans Eingemachte. Wiederkehrendes Thema war dabei das gescheiterte Gewerbegebiet am Hohen Stein. Denn in einem Punkt waren sich alle Teilnehmer einig: Ohne das produzierende Gewerbe und den sich mitansiedelnden Dienstleistungs- und Zuliefererbetrieben geht es nicht. Und das braucht Platz. Eng damit verbunden war auch die Frage: Welche weniger flächenintensiven Firmen und Branchen würden noch zu Worms passen? Und wie können sie gewonnen werden? Ein weiteres großes Thema war auch die zunehmende Digitalisierung. Diese erfordert, wie Dr. Klös anschaulich erläuterte, eine Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung. Evelyn Thome schilderte darüber hinaus eindrücklich die starke Abhängigkeit der Wormser Wirtschaft von internationalen Märkten und die damit verbundene große Herausforderung, attraktiv für Fachkräfte von außerhalb zu werden.
Große Zustimmung fand die Idee, die Ausbildung in den so genannten „MINT-Fächern“ (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) stärker zu fördern bzw. in der Stadt zu etablieren. Auch die Notwendigkeit einer engeren Vernetzung in den beiden Metropolregionen Rhein-Neckar und Rhein-Main mit den dortigen wissenschaftlichen Einrichtungen kam zur Sprache. Einen interessanten Ansatz präsentierte auch David Maier: Für das POP UP Worms Festival im September hat er ein Buch mit 800 Seiten erstellt, in das die Wormser Bürgerinnen und Bürger ihre Wünsche und Ideen für die Stadt eintragen sollen. Nach dem „Tag der Wirtschaft“ war klar: Die Diskussionsteilnehmer werden hier mit Sicherheit die eine oder andere Seite füllen können.
Der „Tag der Wirtschaft“ war zugleich auch die inoffizielle Finissage der Ausstellung „Chemie + Worms = eine nachhaltige Verbindung“. Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Juni in der Kaiser Passage zu sehen. Auf insgesamt elf großformatigen Würfeln präsentieren die Partner die Historie der chemischen Industrie in Worms von ihren Anfängen bis zum heutigen Status.
Dr. Hans-Peter Klös, Oberbürgermeister Michael Kissel, Moderator Johannes Götzen, Evelyn Thome (Geschäftsführerin Europa Nord Röchling Automotive), Andrea Wensch (Geschäftsführerin IHK Rheinhessen) und David Maier in der Diskussion. Foto: RENOLIT.