Das Land steht dem Antrag aus Worms zur Schulgründung nach wie vor kritisch gegenüber
Zähes Ringen um Wirtschaftsgymnasium
Das Wormser Wirtschaftsgymnasium könnte in die Räumlichkeiten der Berufsbildenden Schule Wirtschaft einziehen. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Seit rund zwei Jahren liegt der Antrag der Stadt Worms zur Gründung eines Wirtschaftsgymnasiums beim Ministerium in Mainz. Bereits zum Schuljahr 2017/18 sollte der Unterricht dort beginnen. Das Wirtschaftsgymnasium würde die Klassenstufen 11 bis 13 umfassen und wäre räumlich und von der Verwaltung an die Berufsbildende Schule Wirtschaft (BBS) angegliedert. Der Abschluss wäre die Allgemeine Hochschulreife. Die Absolventen könnten also an einer Universität studieren.
Bis jetzt ist beim Ministerium in Mainz aber noch keine endgültige Entscheidung gefallen. Der Vorgang befindet sich in der Schwebe. Doch allzu große Begeisterung ist aus der Landeshauptstadt nicht zu vernehmen. Die CDU-Fraktion im Wormser Stadtrat nahm diesen unbefriedigenden Zustand jetzt zum Anlass, einen erneuten Antrag auf die Gründung eines Wirtschaftsgymnasiums im Stadtrat zu stellen. Die ganz große Mehrheit der Ratsmitglieder unterstützte das Vorhaben, in Worms ein solches Gymnasium zu etablieren. Einzig die Grünen und Franz Lieffertz von den Linken äußerte sich kritisch.
Dr. Jürgen Neureuther (FDP) sagte hingegen, dass ein Wirtschaftsgymnasium sehr wichtig für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Worms wäre.
Gründung ohne große Zusatzkosten
Der Wormser Schuldezernent Waldemar Herder fasste in seinem Redebeitrag den Sachstand noch einmal zusammen. Dabei betonte er, dass es bei der Gründung eines Wirtschaftsgymnasiums zu keinen Mehrkosten kommen würde, da die benötigten Räume und das Lehrpersonal an der Berufsbildenden Schule Wirtschaft (BBS) bereits vorhanden seien. Hintergrund ist, dass es dort zurzeit sechs Klassen gibt, jeweils drei in Jahrgangsstufe 11 und und drei in Stufe 12, die den Abschluss „Staatliche geprüfter Assistent“ mit Schwerpunkt Wirtschaft ablegen. Mit diesem Abschluss sind die Absolventen berechtigt, an eine Fachhochschule, nicht jedoch an eine Universität, zum Studieren zu gehen. Rund 85 dieser Schüler pro Jahrgang bringen jedoch die Voraussetzungen für ein Wirtschaftsgymnasium mit, könnten also einen höherwertigen Abschluss ablegen. Die Stadt Worms hat daher dem Land vorgeschlagen, von den zurzeit sechs Klassen vier zu schließen und den Abschluss “Staatlich geprüfter Assistent“ nur mehr einzügig anzubieten. Im Gegenzug würde ein Wirtschaftsgymnasium etabliert, das zweizügig startet. Für diese zwei Parallelklassen wird eine Mindestschülerzahl von 51 Jungen und Mädchen verlangt. Diese Anzahl, so Waldemar Herder, würde man in Worms locker erreichen, da zu den 85 berechtigten Schülern pro Jahr der BBS noch rund 25 Schüler aus Worms kommen, die zurzeit am Wirtschaftsgymnasium in Ludwigshafen sind. Weitere Wormser Schüler würden nach Mainz und Bensheim auf dortige Wirtschaftsgymnasien fahren.
Betrübt führte Waldemar Heder aus, dass das Land der Wormser Argumentation nicht folge, sondern ein Wirtschaftsgymnasium erlauben wolle, wenn im Gegenzug die beiden Worms Berufsbildenden Schulen, die BBS mit Schwerpunkt Wirtschaft, und die Karl-Hofmann-Schule, mit Schwerpunkt Technik und Soziales, zu einer Schule zusammengelegt würden. Dies wolle Worms aber auf keinen Fall, da die duale Ausbildung für Wirtschaft, Gewerbe und Handel von elementarer Wichtigkeit sei.
In Mainz sei man aber nicht unbedingt geneigt, ein Wormser Wirtschaftsgymnasium zu erlauben, da es in den Oberzentren Mainz und Ludwigshafen ja welche gebe. Eine Haltung, die viele Stadträte nicht nachvollziehen konnten, liegt doch in Bildungsanstrengungen die Zukunft von Worms und Rheinland-Pfalz. Waldemar Herder sieht in dem Wirtschaftsgymnasium auch keine Konkurrenz für die drei Wormser Gymnasien und die Integrierte Gesamtschule, sondern sieht darin eine Stärkung der Schullandschaft in Worms.
Warten auf Entscheidung
Zum weiteren Vorgehen sagte Waldemar Herder, dass er nicht locker lassen werde. Der nächste Schritt sei nun, im Juni oder Juli die neuen Zahlen für das Jahr 2018/19, wie groß das Schülerpotential in Worms sei, dem Land zu präsentieren. Der Stadtrat votiert denn auch mit einer überwältigenden Zustimmung dafür, weiter an der Realisierung eines Wirtschaftsgymnasium festzuhalten und den Ursprungsantrag zu unterstützen.