Pfeddersheim war das Ziel der Nachmittagsexkursion des Heimat- und Kulturvereins Ober-Flörsheim
Zahlreiche historische Gemeinsamkeiten
Nach der gut zweistündigen Besichtigung fand die Schlussrast in einer Pfeddersheimer Weinstube statt. Dr. Helmut Schmahl dankte im Namen der 30 Teilnehmer Herrn Zillien (mit Kappe) für seine informativen und kurzweiligen Ausführungen und überreichte ihm ein Buchpräsent.
Pfeddersheim war das Ziel der diesjährigen Nachmittagsexkursion des Heimat- und Kulturvereins Ober-Flörsheim. Der Rundgang begann am alten Rathaus. Dort gab Felix Zillien, der sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte Pfeddersheims beschäftigt, einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Gemeinde.
Im Jahre 754 erstmals erwähnt, stieg Pfeddersheim um 1304 zur Freien Reichsstadt auf und gelangte nach einem wechselhaften Schicksal 1465 an die Kurpfalz. Weitere wichtige Ereignisse waren eine Schlacht im Bauernkrieg von 1525 und die Zerstörung durch französische Truppen während des Pfälzischen Erbfolgekriegs 1689.
Die Tour umfasste den alten Ortskern nördlich der Pfrimm. Beeindruckt zeigten sich die Teilnehmer von den stattlichen Bauerngehöften und den erhaltenen Resten der Stadtmauer. Anschaulich wusste Herr Zillien über die wechselhafte Nutzung der neun erhaltenen Wehrtürme zu berichten, die u.a. als Wachtürme und Gefängnisse dienten. Nachdem die Stadtbefestigung in napoleonischer Zeit bedeutungslos geworden war, diente der Bürgerturm der Stadt als Unterkunft für sozial schwache Familien. Erst vor wenigen Jahren wurde er zu einem Hochzeitszimmer umfunktioniert.
Überrascht zeigten sich die Teilnehmer über die zahlreichen historischen Gemeinsamkeiten zwischen Pfeddersheim und Ober-Flörsheim. So stammte eine Rotte Bauern, die in der Schlacht von Pfeddersheim 1525 eine vernichtende Niederlage erlitt, aus unserer Gemeinde. 1796 ließ sich der Pfeddersheimer Metzger Wilhelm Antz in Ober-Flörsheim nieder und begründete den bis heute bestehenden Zweig der Familie, die kürzlich den 500. Jahrestag ihrer ersten urkundlichen Erwähnung feierte.
Vor dem alten Pfeddersheimer Amtsgericht wies Herr Zillien darauf hin, dass Ober-Flörsheim gemeinsam mit weiteren 22 Gemeinden in französischer Zeit 1797 zum Friedensgerichtsbezirk (Kanton) Pfeddersheim kam. Die Gerichtsverhandlungen wurden zunächst in einer angemieteten Wirtshausstube durchgeführt, bevor ein eigenes Gebäude errichtet wurde. Bis 1934 war das Friedens- bzw. Amtsgericht Pfeddersheim für Ober-Flörsheim zuständig.
Auch das 1847 errichtete Denkmal für die Veteranen der napoleonischen Kriege auf dem alten Friedhof weist Bezüge zu Ober-Flörsheim auf, da es die Namen von zwei Ober-Flörsheimer Soldaten (Nies und Pfannebecker) enthält.