Deutscher Gewerkschaftsbund feierte Tag der Arbeit auf Wormser Marktplatz / Sozialen Sprengstoff thematisiert
Zeit für mehr Solidarität
Organisationen und Verbände umrahmten die Kundgebung am 1. Mai auf dem Marktplatz in Worms. Foto: Florian Helfert
VON FLORIAN HELFERT Traditionell feiert die Arbeiterbewegung seit 1890 weltweit am 1. Mai den „Tag der Arbeit“, um als Protest- und Gedenktag an die amerikanischen Opfer des „Haymarket Riots“ sowie ihren Kampf um den Achtstundentag zu erinnern. Eine von mehr als 500 Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) fand am Sonntag auf dem Wormser Marktplatz statt.
„Heute demonstrieren wir für mehr Solidarität – zwischen den Arbeitenden, den Generationen, Einheimischen und Flüchtlingen, Schwachen und Starken“, blickte Bernhard Elz als örtlicher DGB-Vorsitzender mahnend auf eine sich öffnende Schere zwischen Arm und Reich.„Die aktuelle Höhe des errungenen Mindestlohns kann nur der Anfang sein, denn die Preise wie etwa Mieten steigen“, sekundierte Oberbürgermeister Michael Kissel. In seinen Sprechstunden erlebe er auch deshalb immer wieder, wie dringend günstiger Wohnraum in Worms gesucht werde. „Unsere Einwohnerzahlen sind so groß wie noch nie zuvor“, bilanzierte Kissel im Einvernehmen mit den Gewerkschaften die Notwendigkeit zur Wiederaufnahme des sozialen Wohnungsbaus.
Nicht gegeneinander ausspielen
Dass Geflüchtete und Einheimische nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen, forderte Dr. Klaus-Jürgen Becker als Gastredner. Der Leiter des städtischen Archivs in Ludwigshafen appellierte, keine neuen Ausnahmen beim Mindestlohn einzuführen. „Auch wenn Worms vorbildlich zu sein versucht, weisen Gewerkschaften seit Jahren auf bundesweit fehlende Investitionen in beispielsweise Schulen, Kitas oder den Wohnungsbau hin“, bedauerte Dr. Becker eine chronische Unterfinanzierung der Kommunen. Und in noch eine weitere Katastrophe werde blind gerannt: „TTIP kommt – unter amerikanischen Vorzeichen und mit dann amerikanischen Verhältnissen“, warb der pfälzische Stadtarchivar abschließend zu einer intensiven Debatte.