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Di., 22. Juli 2014, 10:36 Uhr
Lesung „Das Mark der Nibelungen“ mit Manfred Zapatka
Zeitreise in ein vom Vaterlandswahn zerrissenes Deutschland
Manfred Zapatka erweckte nicht nur deutsche, sondern auch Texte von Rudyard Kipling und Charles Darwin in seiner Lesung zum Leben, die bedrückend klar von Freiheit, der Suche nach dem „Vaterland“, dem idealisierten Opfertod und dem eigenen Überlegenheitsanspruch über andere Völker sprachen: Foto: Karolina Krüger.
Von Regina Urbach Eine sehr dichte, bedrückende Lesung von Texten aus dem gesamten 19. und dem 20. Jahrhundert bot der Schauspieler Manfred Zapatka am Montag im Lincoln Theater. Begleitet von Jörn Hinkel am Flügel, sang er auch manches wie das Volkslied „Kein schöner Land“, das „Deutschlandlied“ in den Fassungen von Hoffmann von Fallersleben und den alternativen Text von Berthold Brecht. Kaum bedurfte es weniger Sätze zu den Überleitungen, die ausgewählten Textpassagen sprachen für sich.
Von Theodor Körners Entschluss, sein Leben für den Kampf gegen Napoleon hinzugeben (1813) über Felix Dahns untergangsverliebten Satz „Soll Europa in Flammen stehen bei der Germanen Untergang“ bis hin zu Hermann Görings Verbindung der Vernichtungsschlacht bei Stalingrad (1943) mit dem Nibelungenmythos und der doch noch angedeuteten Hoffnung auf einen „Endsieg“ nach einer Niederlage, die wie Hagen alles mit in den Tod reißt. Wohl tat da der Spott eines Heinrich Heine oder der Sarkasmus eines Heiner Müller, dessen dramatische „Hommage 1“ (1956) an Dieter Wedels diesjährige Inszenierung erinnerte.
Zapatka gelang es, durch Mimik und Intonation diese hochproblematischen, zum Teil „kontaminierten“ Texte distanziert und in ironischer Spiegelung des zeitgenössischen Pathos zu präsentieren. Das Publikum sog an manchen Stellen hörbar die Luft ein und spendete am Ende reichlich Beifall.