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  • Mo., 02. Dezember 2019, 13:22 Uhr
    Landwirtschaft: Demonstration am 10. Dezember in Wiesbaden

    Zuckerrübenanbauer fordern Moratorium






    Der Dialog der Bundeskanzlerin mit der Landwirtschaft stößt schon vor seinem Beginn auf deutliche Kritik. Die Zuckerrübenanbauer wurden nicht eingeladen. Dabei stecken die deutsche Zuckerwirtschaft und ihre Bauern in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. „Man redet mal wieder über uns statt mit uns“, fasst Walter Manz, Vorsitzender des Verbandes der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V. , die Meinung seiner Bauern zusammen.

    Invasion der Zikaden
    „Die Stimmung auf dem Land kocht, da man mit immer neuen Auflagen, wie s ie im Agrarpaket enthalten sind, den deutschen Zuckerrübenanbauern das Überleben erschwert. Verbote wirksamer Beizmittel ohne Alternativen zu schaffen, direkte Subventionen der Zuckerrüben in Nachbarstaaten und jetzt noch weitere Verbote in Schutzgebieten, das ist zuviel! Wer soll bei solchen Wettbewerbsverzerrungen in Europa noch eine Kultur anbauen, die nachweislich Biodiversität fördert und Nitrat vermindert?“ fragt Dr. Christian Lang, Geschäftsführer des Verbandes und der ARGE Zuckerrübe Südwest.

    In Südwestdeutschland kämpfen die Zuckerrübenanbauer mit einer Invasion von eingewanderten Zikaden, die die Zuckerrüben befallen und neue Krankheiten übertragen. Außerdem wirke hier der Klimawandel und sorge für einen generell erhöhten Krankheitsdruck. Gleichzeitig steht der Zuckerpreis durch massiv subventionierte Exporte zum Beispiel aus Indien seit zwei Jahren unter hohem Druck.

    Zukunft wird zerstört
    Walter Manz fordert daher: „Die Umsetzung des Agrarpaketes darf auf keinen Fall beschlossen werden! Wer immer mehr Verbote beschließt und damit in das Eigentum der Bauern eingreift , zerstört die Zukunft bäuerlicher Familien! “ Die Zuckerrübe speichere bei ihrem Wachstum doppelt so viel CO2 als der Wald. Und gerade die Tatsache, dass die Zuckerrübe mit geringer Düngung auskomme, könne ein wichtiger Beitrag zum Grundwasserschutz sein.

    Mit der gegenwärtigen Politik dränge man diese wertvolle Fruchtfolgekultur jedoch immer mehr ins Aus. In mehreren EU-Nachbarländern wird dagegen z.B. aufgrund der wissenschaftlichen Einschätzung der Einsatz vieler Pflanzenschutzmittel möglich sein, die in Deutschland verboten sind. „Der Wettbewerb in Europa ist weder gerecht noch fair, die Preise sind aber überall gleich niedrig“, erläutert Manz die Lage der Zuckerwirtschaft.








    Rückgrat der Ackerbaubetriebe
    In Deutschland würden immer mehr kleinstrukturierte Gebiete stärker mit Auflagen belastet. In Schutzgebieten werde durch das Agrarpaket die Produktion nahezu unmöglich gemacht, wenn man Unkrautbekämpfung mit Herbiziden verbiete. A uch der Umwelt erweise man damit einen Bärendienst, denn die alternative mechanische Bekämpfung mit Maschinen verursache nachweislich mehr CO 2 - Belastung und töte alle Bodenbrüter. Dabei konnte gerade bei der Zuckerrübe nachgewiesen werden, dass Vögel hier – bei der bisherigen Wirtschaftsweise - noch Rückzugsräume finden. Gerne hätte man das der Bundeskanzlerin erklärt. Doch die Bundesregierung befasse sich ungern mit dem Problem - Bereich, der jahrzehntelang als Rückgrat der Ackerbaubetriebe galt.










    Weihnachten ohne Zucker
    Die ständige Hetze gegen Zucker tue ein Übriges. „Weihnachten ohne Zucker, da wären die Gebäck - und Schokoladenregale leer“, sagt Walter Manz. Bisher werde Zucker meist gegen genauso kalorienstarke Ersatzstoffe oder künstliche Süßungsmittel ausgetauscht. Der Verbraucher ernähre sich damit garantiert nic ht gesünder. Aber die Bauern, die mehrheitlich an Südzucker beteiligt sind, haben noch m ehr finanzielle Schwierigkeiten, wenn man ein gutes Produkt immer wieder schlecht rede.








    Die Zuckerrübenanbauer fordern daher ein Moratorium für das Agrarpaket. Einfach nur handeln, ohne Verstand, sei ein schlechter Rat für die Umwelt und sorge nur für noch mehr Importe zu niedrigeren Umwelt - und Sozialstandards. Das Mercosur - Abkommen werde in Europa mindestens eine weitere große Zuckerfabrik zerstören. Aus Brasilien sollen dadurch billigere Zucker - und Ethanolimporte möglich werden.

    Demo in Wiesbaden
    Kein Wunder, dass die Zuckerrübenanbauer sich in der Bewegung „Land schafft Verbindung“ wiederfinden. Mit ihren Traktoren und LKW waren sie schon bei einigen Demonstrationen dabei. Das werde nicht aufhören, bevor man nicht endlich faire Bedingungen für deutsche Zuckerrübenanbauer schaffe, kündigt Manz abschließend an. Die nächste Demonstration ist am 10. Dezember in Wiesbaden geplant.









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