In Offstein fiel am Donnerstag der Startschuss für das Dorfentwicklungsprogramm unter großer Bürgerbeteiligung
Zukunftsprojekt für die nächsten 20 Jahre
Am Donnerstag fiel der Startschuss zur Bürgerbeteiligung. Hier Ortsbürgermeister Robert Kuhn (stehend links) im Gespräch mit Bürgern. Neben dem Bürgermeister stehen Dr. Peter Dell vom Büro KOBRA und VG-Bürgermeister Ralph Bothe. Foto: Gernot Kirch
VON GERNOT KIRCH Am frühen Donnerstagabend herrschten in und um die Engelsberghalle in Offstein immer noch schweißtreibende Temperaturen von fast 30 Grad, dennoch hatten sich etwa 100 Bürger eingefunden, um an der Versammlung zur Dorfmoderation teilzunehmen. Die große Beteiligung zeigt, wie wichtig den Einwohnern die Entwicklung ihrer rund 1900 Bürger zählenden Gemeinde ist. Die Begrüßung führte Ortsbürgermeister Robert Kuhn (LuK) durch. Anwesend war auch Verbandsbürgermeister Ralph Bothe (SPD). Insgesamt dauerte der offizielle teil der Veranstaltung bis 21 Uhr.
Projekt für 20 Jahre
Was am Donnerstag erfolgte, war der Startschuss für das Dorfentwicklungsprogramm, ein Vorhaben, welches sich über 15, 20 oder noch mehr Jahre erstrecken wird. Dabei geht es sowohl um ideelle wie auch um materielle Ziele, wie Robert Kuhn gegenüber dem NK formulierte. Das große ideelle Absicht ist es, den Zusammenhalt und das Miteinander der Bürger in Offstein zu verbessern. Bei den materiellen Werten dreht sich natürlich vieles um die Verbesserung der dörflichen Infrastruktur, was wiederum stark mit Geldern des Landes verbunden ist. Um an diese Fördertöpfe aus Mainz zu kommen, ist es notwendig, einen Dorfentwicklungsplan zu erstellen, mit dem entsprechende Anträge beim Innenministerium gestellt werden können.
Dorfmoderation
Die erste Stufe bei der Erstellung des Dorfentwicklungsplans, der häufig auch als Dorferneuerungskonzeption bezeichnet wird, ist die sogenannte Moderation, die etwa anderthalb Jahre dauert. Hinter dieser Dorfmoderation verbirgt sich nichts anderes als die Bürgerbeteiligung. Und genau dieses Mitwirken der Bewohner startet am Donnerstagabend in der Engelsberghalle. Organisiert und durchgeführt wurde die Moderation von dem Planungsbüro KOBRA aus Landau, die schon häufig solche Projekte begleitet haben.
Nach der Begrüßung und kurzen Information ging es am Donnerstag direkt ans Arbeiten, was die Bürger auch mit Begeisterung taten.
Gut, schlecht und Verbesserungen
Zunächst waren die Bürger an den etwa acht Tischen in der Engelsberghalle aufgefordert, aufzuschreiben, was Ihnen an Offstein nicht gefällt. Hier wurden unter anderem genannt die fehlende Ortsumgehung, ein mangelhafte ärztliche Versorgung, keine Post, zu wenig Kinderspielplätze, kaum Einkaufsmöglichkeiten, zu viel Lkw-Verkehr und eine Nennung führte den Lärm und Geruch aus der Zuckerfabrik auf.
Bei der nächsten Runde sollten die Bürger aufschreiben, was ihnen an Offstein gut gefällt. Hier wurde unter anderem aufgelistet: Die gute Verkehrsanbindung an den Rhein-Neckar-Raum, der eigene Bäcker am Ort, die Grundschule, das schöne Eiscafe, die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge, das aktive Vereinsleben, die Feuerwehr mit vielen Aktivitäten, die Kita und der Jugendtreff.
Die dritte und letzte Fragerunde zielet auf die Wünsche der Bürger ab, was verbessert werden soll. Wichtige Aspekte waren hier die Umgehungsstraße, die bessere ärztliche Versorgung, die vorausschauende Bereitstellung von Flüchtlingsunterkünften, mehr Angebote für Kinder und Jugendliche, die Beseitigung von Leerständen im Ort und das Wiederaufleben der Fastnachtveranstaltungen.
Weiterer Fahrplan
Anhand der gewünschten Verbesserungen wurden vom Planungsbüro KOBRA schließlich drei Arbeitsgruppen gebildet, die in den nächsten anderthalb Jahren in jeweils etwa zehn Sitzungen konkrete Möglichkeiten der Umsetzung erarbeiten sollen. Die drei Arbeitsgruppen treffen sich zu ihrer ersten Sitzung noch vor den Sommerferien. Die erste Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit dem Verkehr und trifft sich am 23. Juli; die zweite Gruppe behandelt den Themenkomplex Infrastruktur, also baulichen Aspekten, und trifft sich am 16. Juli und die dritte Gruppe diskutiert die Zukunft des Dorfgemeinschaftslebens in Offstein und versammelt sich erstmals am 9. Juli um 19 Uhr.
An den Arbeitsgruppen können auch alle Bürger teilnehmen, die nicht bei der Auftaktveranstalung waren.
Aus den Ergebnissen der Arbeitsgruppen soll schließlich von einem einem externen Dorfplaner nach etwa anderthalb Jahren der Dorfentwicklungsplan erarbeitet werden, der dem Kreis bzw. dem Land vorgelegt wird, sodass Offstein in das Programm aufgenommen wird und finanzielle Mittel erhält.