Abendveranstaltung im Wormser Kultur- und Tagungszentrum unter dem Titel: „Zwangsheirat - Zur Ehe gezwungen“
Zur Ehe gezwungen
Referentin Dr. Stefanie Kirchhart (links) aus Mainz, zusammen mit der Wormser Gleichstellungsbeauftragten Veronik Heimkreitner (Mitte) und Elisabeth Gransche, Beauftragte für Migration und Integration.
In der letzten Woche fand unter dem Titel: „Zwangsheirat - Zur Ehe gezwungen“ eine Abendveranstaltung im Wormser Kultur- und Tagungszentrum statt.
Veranstalterinnen waren die beiden Beauftragten für Migration und Integration und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Worms.
Der Abend bildete den Auftakt der Reihe Interkulturelle Sozialisation, die im kommenden Jahr von den drei Veranstalterinnen weiter fortgeführt wird. Der Abend beschäftigte sich mit den Hintergründen und Motiven von Zwangsverheiratung und versuchte einen kulturübergreifenden Dialog anzustoßen und für die Thematik im Allgemeinen zu sensibilisieren.
Die Veranstaltung begann mit einem Vortrag von Dr. Stefanie Kirchhart aus Mainz, auf den zur Vertiefung der Dokumentarfilm „Türkische Hochzeitsreisende – Familienehre vor Liebe“ von Susanne Babila folgte und mit einer angeregten Diskussion der Teilnehmerinnen und Teilnehmer endete.
Motive und Hintergründe beleuchtet
Der Fachvortrag von Dr. Stefanie Kirchhart beschäftigte sich im Besonderen mit den Motiven und Hintergründen von Zwangsverheiratung, wobei ein besonderer Fokus auf die unterschiedlichen Sozialisationshintergründe gelegt wurde. Die Hintergründe seien oft vielfältig und nicht unbedingt durch die Religion zu begründen. „Der eigentliche Konflikt besteht nicht einfach darin, dass die Tochter einen Heiratskandidaten nicht akzeptiert, sondern beginnt erst dann, wenn die Eltern die Weigerung der Tochter nicht akzeptieren“, so die Referentin.
Obwohl die Zwangsverheiratung in Deutschland glücklicherweise eine Ausnahme darstellt und die Mehrzahl der Paare aus Liebe heiraten, so belegen Zahlen von UNICEF, dass der Zwang zur Ehe weltweit jährlich für viele Millionen Mädchen eine bittere Realität ist. Die Gleichstellungsbeauftragte betonte bei ihrer Begrüßung, dass arrangierte Ehen in früheren Jahren auch in Deutschland die Norm darstellten und nur wenige Paare aus Liebe heirateten. Die Tatsache, dass dies mittlerweile anders ist, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Zwangsheirat trotzdem auch heute in Deutschland vor unseren Augen existiert.
Weitere Informationen zu dieser und kommenden Veranstaltungen erhalten Interessierte auf den Internetseiten der Gleichstellungsstelle (www.worms.de/ Mein Worms/ Gleichstellung) und bei den beiden Beauftragten für Migration und Integration (Tel. 06241/853-7101 und -7102).