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  • Mo., 19. August 2019, 15:24 Uhr
    Boxclub Worms: Erster Wettkampf-Abend des 2018 gegründeten Clubs gegen TV Alzey sorgt für große Euphorie im INJOY „Box-Gym“ / BC Worms unterliegt Gast mit 8:4

    Zurück zu den Wormser Wurzeln des Boxsports

    „Split decision“: Das junge Wormser Box-Talent Femi Ciosek trennte sich vom weitaus größeren Alzeyer Boxer Wishan Sungarov nach einem Kampf in der Jugend-Altersklasse bis 64 Kilogramm auf gutem technischen Niveau leistungsgerecht unentschieden. Foto: Felix Diehl


    VON JÜRGEN JAAP | „Back to the roots!“ So kündigte Philipp Lehnert in englischer Sprache mit ein wenig Wormser Platt gemixt die Rückkehr des Jugend-Boxsports zu den in vielen Jahren und Jahrzehnten speziell ausgiebig von der Box-Abteilung der Turngemeinde Worms in der Nibelungenstadt gepflanzten Wurzeln des beliebten olympischen Kampfsports an. 2018 ging der Boxclub Worms im Fitness-Center INJOY von den beiden Wormser Firmen Gegros Trinkparadies GmbH und ROWE Mineralölwerk GmbH unterstützt an den Start. Knapp ein Jahr später stellte nun das vom Wormser Box-Enthusiasten Philipp Lehnert, einem Abkömmling der Wormser Boxschule von Erich Kress, ehrenamtlich trainierte Jugend-Team des BC Worms einen ersten Vergleichs-Wettkampf gegen den TV Alzey – Boxen auf die Beine. Zehn Kämpfe von „den Kleinsten“ bis 37 Kilogramm bis hin zur Jugend-Klasse bis 91 Kilogramm fanden Samstagabend statt. Es wurde ein sportlich erfolgreicher Abend, ein stimmungsvoller Abend in einer mit gut 150 Boxsport-Freunden bis auf den letzten Platz gefüllten Box-Arena.

    Box-Prominenz zeigt sich begeistert

    „Hinten raus hat man sein eigenes Wort nicht mehr verstanden“, zog der Wettkampf-Abend nicht allein Philipp Lehnert in den Bann. Voll bei der Sache waren gleich drei Olympia-Teilnehmer und vielfache Deutsche Meister im Amateur-Boxsport. Darunter die Wormser Box-Legenden Helmut Gertel und Stefan Gertel („Das ist ein klasse Anfang, den Boxsport in Worms wieder zu beleben. So etwas haben wir hier lange vermisst!“) oder als Ringrichter der Kaiserslauterer Rainer Gies, der 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul die Bronzemedaille erkämpfte. Bei Stefan Gertel, seines Zeichens achtfacher Deutscher Meister im Papier-, Bantam- und Fliegengewicht zwischen den Jahren 1978 und 1988, stand etwa ein Dauerlächeln ins Gesicht geschrieben. „Fantastische Kämpfe der Jungs, da wächst etwas heran“, zeigte sich der Wormser, der heute in Horchheim lebt, höchst beeindruckt von der Klasse der jungen Kämpfer zwischen 12 und 19 Jahren aus seiner Heimatstadt.

    Ex-Weltklasse-Boxer Rainer Gies: „Super Atmosphäre“

    Im Kampf drei war Femi Ciosek im Duell der Gewichtsklasse bis 64 Kilogramm gegen den deutlich größeren und damit in der Reichweite bevorteilten Wishan Sungarov an der Reihe. „Ich war total nervös, das war schließlich mein erster Kampf zu Hause vor meinen Eltern und Freunden“, berichtet der Linksausleger. In den zwei Wochen zuvor hatte er hart trainiert. „Ich kannte den Gegner. Wusste, was auf mich zukommt.“ Es dauerte zwar etwas, bis er die Nervosität ablegte, doch das Ringen um die Treffer fand auf Augenhöhe statt. Logische Folge: ein Unentschieden nach drei Runden oder wie der Boxer sagt „split decision“. Nachher war Femi Ciosek erleichtert: „Ich war zum Schluss platt.“ Ob das auch daran lag, dass er am Tag zuvor die Box-Arena im INJOY Worms zusammen mit den anderen Kämpfern toll herrichtete. Von den Wänden schauten Box-Weltmeister wie Wladimir Klitschko, Mike Tyson, Evander Holyfield und viele andere Boxer aus Bildern auf den erhöht aufgebauten Box-Ring. „Eine super Atmosphäre“, lobte etwa Olympia-Bronzemedaillen-Gewinner Rainer Gies. Der ehemalige Weltklasse-Boxer muss das einzuschätzen wissen, ist er doch seit über zehn Jahren auch als Ring- und Kampfrichter national und international unterwegs.

    Stimmung steigert sich von Kampf zu Kampf

    Je größer die Jungs, die da in den Ring steigen, desto euphorischer wurde auch die Stimmungslage im Box-Publikum. „Zieh’ die Dinger rein!“ „Deckung höher!“ „Haken zum Körper!“ „Mehr Druck!“ Es wird viel in den Ring hineingerufen. Und die Stimmung steigt von Minute zu Minute. „Unsere Besten sind am Ende dran“, weiß Philipp Lehnart. Oluwole Ciosek, der 19-jährige ältere Bruder von Femi ganz zum Schluss. „Ein total begeisternder Kampf“, schnalzt sein Trainer Philipp Lehnert mit der Zunge. Davor „zauberte“ Joel Schwahn (Lehnert: „Ein 15-jähriger Bursche mit brutal viel Talent.“) mit seinen Fäusten und siegte überlegen. Der Lautstärke-Pegel war längst weit jenseits der 100 Dezibel angekommen. Die jungen Wormser Boxer konnten gegen Ende des Events alle Kämpfe für sich entscheiden. In der Wertung blieb es allerdings beim 8:4 für die Gäste. Das allerdings war eher zweitrangig, denn Philipp Lehnert durfte am Ende einer „super Veranstaltung“ zufrieden feststellen: „Der Boxsport ist wieder in Worms mit Macht zurück.“
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