Entsiegelung und Renaturierung des Eisbachs / Wormser Gewässer erhält auf 2,1 Kilometer Länge natürliches Ufer und Bachbett zurück / keine Auswirkungen auf Hochwasserschutz / Verbesserung der Artenvielfalt / rund 3.000 Tonnen Beton und Steine werden entfernt / Land bezuschusst Maßnahme mit 90 Prozent
Zurück zum natürlichen Gewässerlauf
Baudezernent Uwe Franz (li.) und Erich Kulling von der Abteilung Grünflächen und Gewässer begutachten einen Streckenabschnitt am Eisbach.
Deutlich sind Motorengeräusche in der unmittelbaren Nähe zu hören, doch zu sehen ist weit und breit nichts. Plötzlich erhebt sich eine Schaufelbagger aus dem Flussbett des Eisbachs empor und kippt eine Ladung voll Betonquader seitlich auf den gegenüberliegenden Uferrand, die wenig später von einem Radlader zur zentralen Lagerstelle neben dem Gelände des SV Horchheim, unweit des Wormser Gewässers, transportiert wird. Zwischen Bahnhofstraße und Weinbergstraße in Worms-Weinsheim ist die Stadt derzeit damit beschäftigt, in einem ersten Bauabschnitt den Eisbach auf einer Strecke von rund 1,1 Kilometer von seinem „Betonkorsett“ zu befreien und wieder in einen naturnahen Zustand zu versetzen.
„Wir kommen hier einer gesetzlichen Verpflichtung nach“, erklärt Baudezernent Uwe Franz. Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie gebe vor, dass Bäche und Flüsse in ganz Europa spätestens bis 2027 einen guten ökologischen Zustand erreichen müssen. Ziel sei ein gemeinsamer, grenzüberschreitender Gewässerschutz, verdeutlicht Franz. Die Gesamtkosten für diesen Bauabschnitt belaufen sich auf rund 220.000 Euro, wobei die Stadt Worms nur einen geringen Anteil zu tragen hat. „Die Maßnahme wird über die Aktion Blau Plus des Landes zu 90 Prozent gefördert“, hebt der Dezernent hervor. Nach der Pfrimm ist der Eisbach der größte Bach im Stadtgebiet und prägt maßgeblich die südlichen Gemarkungen. Leider befindet sich das Gewässer zwischen der A 61 und der Karl-Marx-Siedlung in einem naturfernen Ausbauzustand. In den 1970er Jahren wurde der Eisbach begradigt und fließt seither in einem sogenannten Trapezprofil. Über einen zwei Kilometer langen Abschnitt zwischen der Weinbergstraße in Worms-Horchheim und dem Pfarrer-Krieger-Weg in Worms-Wiesoppenheim wurden die Gewässersohle und die Böschungen zudem noch mit Betonsteinen ausgebaut.
„Ziel ist heute unter ökologischen und umweltpolitischen Gesichtspunkten nicht mehr das möglichst schnelle Ableiten von Wasser in einen technisch ausgebauten ‚Vorfluter‘, sondern die Entwicklung und der Schutz der Gewässer als Bestandteil des Naturhaushalts, als Lebensgrundlage des Menschen und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen“, informiert Erich Kulling von der Abteilung für Grünflächen und Gewässer. Der erste, jetzt laufende Bauabschnitt soll bis Mitte Oktober diesen Jahres abgeschlossen sein. 2017 folgt dann der zweite Bauabschnitt mit einer Länge von einem Kilometer zwischen der Bahnhofstraße in Worms-Horchheim und dem Pfarrer-Krieger-Weg in Worms-Wiesoppenheim. Die Kosten dafür werden sich auf rund 210.000 Euro beziffern, auch hier fördert das Land mit 90 Prozent.
Wenn beide Bauabschnitte beendet sind, wird der damals unnatürlich veränderte Eisbach von etwa 3.000 Tonnen Betonsteinen befreit sein. „Würde man Stein an Stein legen, würde das einer Fläche von zirka 7.000 Quadratmetern oder der Größe eines ganzen Fußballfeldes entsprechen“, verdeutlicht Baudezernent Uwe Franz. Zum Schluss werden auf dem ganzen, zusammen 2,1 Kilometer langen Streckenabschnitt noch Natursteine und Kies in verschiedenen Größen eingebracht. „Hierdurch entsteht ein sogenanntes Lückensystem, das einen Lebensraum für viele Gewässerorganismen bildet und die Selbstreinigungskraft des Eisbaches fördert“, erläutert Erich Kulling. Der Hochwasserschutz wird durch die Entsiegelung und Renaturierung des Eisbachs keine Einbußen erleiden und nach wie vor sichergestellt sein, da die Höhe der Gewässersohle und der Abflussquerschnitt gleichbleiben.