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  • So., 13. November 2022, 13:02 Uhr
    ALZEY-WORMS: Feuerwehren des Landkreises übten gefährliches Szenario

    „Zusammenspiel muss funktionieren wie bei einem Uhrwerk“

    Die Wehren des Landkreises Alzey-Worms stellten sich auf dem Betriebsgelände der Nestlé Health Service Osthofen einer herausfordernden Übung. Foto: Rudolf Uhrig

    Von Rudolf Uhrig › Aus drei Tanks á 20.000 Litern treten Säuren und Gase aus, ein gefährliches Szenario, denn dies geschieht fast in mitten einer Stadt mit 10.000 Einwohnern. Gottlob ist es nicht wirklich der Fall, die Feuerwehren proben aber genau jenes Schadensereignis, dass sich so oder anders an verschiedenen Industriestandorten des Landkreises Alzey-Worms Tag für Tag ereignen könnte. Betroffen – und Übungsort – ist die Nestlé Health Service in Osthofen.


    Der Alarm wird bei der zuständigen Feuerwehr in Osthofen ausgelöst, u.a. auch von der überörtlichen Feuerwehrleitstelle in Mainz. Vor Ort wird dem Wehrführer Werner Reinecke aber schnell klar, dass der Umfang und die Dauer des Ereignisses die operativ-taktischen Möglichkeiten und somit die Leistungsfähigkeit der örtlichen Wehr überfordern wird. Zudem werden zu diesem Zeitpunkt sieben Personen schwer verletzt. Die Technische Einsatzleitung (TEL) ist in Alzey informiert und eingerichtet, dort koordiniert der Brand- und Katstrophenschutzinspekteur (BKI) Joachim Ganz nach der Lageerfassung und den Angaben des BKI Michael Matthes, der auf dem Betriebsgelände mittlerweile die Einsatzleitung der Wehren übernommen hat, die weiteren erforderlichen Wehren, die auch mit entsprechenden Fahrzeugen, Gerät und Manpower ausgestattet sind.


    Mit vor Ort ist auch Frank-Dieter Schuster, Polizeidirektion Worms, und der Brand- und Katastrophenschutzbeauftrage von Nestlé, Karl-Heinz Fechter. Beide spielen eine wichtige Rolle, denn Fechter kennt die örtlichen Gegebenheiten wie kein anderer, darüber hinaus muss er mit der Werksleitung engen Kontakt halten, denn weitere Mitarbeiter könnten in Gefahr geraten. Schuster hingegen muss unter anderem über die Verkehrslage Bescheid wissen, denn die zusätzlichen Feuerwehren mit ihren Spezialautos, die dringend am Einsatzort benötigt werden, müssen ohne Verzögerung ankommen.


    BKI Matthes müsste im „Ernstfall“ auch auf Sanitäter und sogar die Werks-Feuerwehr der Firma Röhm zurückgreifen können.


    Bei solch einem großen Einsatz ist auch die zuständigen Aufsichts- und Dienstleistungs-direktion (ADD) in Trier informiert, die wiederum Innenminister und Staatssekretäre unterrichten muss.


    Vom Alarm bis Zeitaufwand wird bewertet und beurteilt


    „Das Übungsziel“, so Matthes, „ist es die Lageerfassung genau zu analysieren und somit die operativ-taktischen Maßnahmen einzuleiten. In diesem Falle ist die Alarmstufe 3 ausgerufen, aber die Lage vor Ort wird dynamischer, so dass auf vier erhöht wird, auch weil sich die Anzahl der Verletzten nunmehr auf acht erhöht hat. Eigentlich bin ich am Ereignisort beratend tätig um dann den Übergang zum Wehrführer, in diesem Fall der dem Führungsstab angehörende Alexander Schäfer überzuleiten“,  so Matthes weiter. „Es wird die Umsetzung und der Zeitaufwand, die Anforderungen, die Alamierungsketten sowie das Ausrücken getestet, bewertet und beurteilt. Auch die Anfahrt, den Aufbau und Anordnung des Stabsraums und und und. Es ist ein komplexer Sachverhalt.“


    Landrat Heiko Sippel bringt es mit seiner Aussage auf den Punkt: „Das Zusammenspiel muss stimmen und funktionieren wie bei einem Uhrwerk.“


    „Wenig wasserführende Flüsse und Bäche, der gesamte Klimawandel, dass auch die Katastrophe im Ahrtal hervorgebracht hat, die gesamte Lage in Europa, all das müssen wir berücksichtigen. Aber das tun wir nicht erst seit jetzt, 2010/11 haben wir schon begonnen und sind dafür gut gerüstet und aufgestellt, “ erklärt Matthes.


    An dieser Übung waren rund 150 Feuerwehrleute und ca. 40 Einsatzfahrzeuge beteiligt und Matthes kündigt für das zweite Halbjahr 2023 eine noch viel, viel größere Übung an.

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