Präsentation der Unfallstatistik für die Nibelungenstadt mit leicht gestiegen Zahlen / Unfallflucht und Handys als Problem
Zweiter „Blitzwagen“ für Worms
Der Behelfskreisel im Kreuzungsbereich von Alzeyer Straße und Kirschgartenweg ist einer der Unfallschwerpunkte in Worms. Rund 30.000 Fahrzeuge passieren täglich diesen Brennpunkt. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Vertreter der Stadt und der Polizeiinspektion Worms stellten am Donnerstagmorgen die Unfallstatistik 2015 für die Nibelungenstadt vor. Insgesamt sind die Zahlen leicht angestiegen, von 2.660 Unfällen im Jahr 2014 auf 2.754 in 2015. Dies ist ein Plus von 3,5 Prozent. Allerdings ist die Zahl der Pkws auch wieder leicht angewachsen, sodass sich in der Unfallstatistik eigentlich kaum etwas verändert hat. Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek (CDU) legte diesbezüglich die aktuellen Zahlen der Zulassungsstelle vor. Demnach sind zurzeit in Worms bei 85.000 Einwohnern exakt 57.333 Fahrzeuge angemeldet. Dies bedeutet, quasi jeder Erwachsene hat ein Kraftfahrzeug. Und da ist man auch schon beim Verkehrsproblem Nummer eins in Worms: Die Kernstadt ist für die Menge an Fahrzeugen einfach nicht konzipiert und ist permanent überlastet. Die Folge sind zahlreiche Auffahrunfälle sowie genervte Autofahrer auf Parkplatzsuche und andererseits genervte Fußgänger aufgrund zugestellter Gehwege. Besonders für Familien mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollatoren ist oft kein Weiterkommen mehr. Zudem berichtete die Polizei am Donnerstag, dass verstärkt auch Behindertenparkplätze durch nicht-berechtige KFZ-Halter zugeparkt werden.
Zweiter Blitzwagen
Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek (CDU) führte aus, dass die Stadt im vergangen Jahr die Anzahl der Beschäftigten, die den ruhenden Verkehr überwachen, also Falschparker aufspüren, auf 26 Personen erhöht wurde. So sei die Zahl der kostenpflichtigen Verwarnungen, als „Knöllchen“ von 46.000 im Jahr 2014 auf 65.000 im Jahr 2015 angewachsen. Ein Verwarnung kostet dabei zwischen 10 und 35 Euro. In Kürze werde die Verwaltung auch ein zweites Fahrzeug zur Geschwindigkeitsmessung für 150.000 Euro anschaffen. Der neue Radarwagen habe ein erweitertes Einsatzspektrum und könne auch in Kurven und bei anderen schwierigen Verkehrssituationen eingesetzt werden.
Dem Bürgermeister ist bewusst, dass es zahlreichen Anfeindungen bzw. Unverständnis über die Kontrollen der Stadt gebe. Aber die immer noch hohe Zahl an Unfällen, auch mit Kindern, Jugendlichen und Senioren, mache es notwendig, für die Einhaltung der Verkehrsregeln zu sorgen.
Problem Fahrerflucht
Erster Polizeihauptkommissar Dietmar Haller wies daraufhin, dass eines der steigende Delikte die Fahrerflucht sei. In 2015 sind fast 700 Unfallfluchten angezeigt worden, so Dietmar Haller. Wobei die Dunkelziffer deutlich höher liege. Die Aufklärungsquote beträgt lediglich 36 Prozent. Hier appellierte Dietmar Haller an die Autofahrer, sich nach solch einem Unfall zu melden.
Erfreulich ist hingegen die niedrige Zahl von Verkehrstoten. Hier gab es im Stadtgebiet Worms in 2015 nur zwei schwere Unfälle, bei den Menschen zu Tode kamen.
Verkehrsdisziplin lässt nach
Insgesamt bemängelte Dietmar Haller, dass die Verkehrsdisziplin nachlassen. So würden Verkehrszeichen und Regeln immer weniger beachtet. Die Unachtsamkeit nehme rapide zu. Ein Hauptfaktor sei dabei das Handy. So passierten gerade Auffahrunfälle häufig wegen zu geringem Abstand und weil die Fahrer durch das Handy abgelenkt seien. Da werde im Internet gesurft oder in sozialen Netzwerken Grüße versendet und dabei noch das Auto bewegt. Rasch komme es so zu Unfällen. Dietmar Haller sagte hier klar: „Zwei Hände gehören ans Steuer.“ Er empfahl etwa eine Freisprechanlage.
Unfallschwerpunkt
Zwei absolute Unfallschwerpunkte in Worms sind der Nibelungenring und der Kreisel an der Alzeyer Straße / Kirschengartenweg. Hier bewegen sich täglich rund 30.000 Fahrzeuge. Das große Problem sei, es handele sich nur um einen Befehlskreisel, was bedeutet, die Autofahrer müssen sich nicht wirklich in einem Kreis bewegen, sondern versuchen in einer möglichst direkten Linie den Kreisel zu durchfahren.
Generell seien zahlreiche Verkehrsteilnehmer mit Kreisel überfordert. Man habe daher in Deutschland auch Abstand davon genommen, doppelspurige Kreisel einzuführen, wie man sie in Frankreich häufig antrifft. Besonders problematisch sei das Befahren von Kreiseln für Radfahrer. Sie würden von Autofahren nicht ernst genommen und teilweise heftig geschnitten.
Ein weiterer Unfallschwerpunkt sei der Nibelungenring. Der Grund hierfür sei, dass häufig die Ein- und Zweispurigkeit wechsle. Es würden sich hier auch viele Anwohner aufgrund des Lärms beschweren, da die Kraftfahrzeuge und Lastwagen häufig schneller fahren als erlaubt, was „Lautstärke“ verursache.