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  • Mo., 20. April 2015, 16:03 Uhr
    An den Seniorenbeiratswahlen gaben entgegen einer zunächst anders lautenden Meldung nur 389 Mitbürger ihre Stimmen ab

    Zwischen Enttäuschung und Lust am Gestalten

    OB Kissel gratuliert den neu gewählten Mitgliedern des Wormser Seniorenbeirates. Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Vom 23. März bis zum Sonntag, dem 19. April, konnten die Stimmen zum Wormser Seniorenbeirat abgegeben werden. Das Ergebnis wurde am Sonntagabend bekanntgeben. Sehr enttäuschend war die Wahlbeteiligung, die gegenüber der letzten Wahl im Jahr 2009 nochmals absackte. Gaben im Jahr 2009 insgesamt 665 Senioren ihre Stimme ab, was einer Wahlbeteiligung von 3,5 entsprach, waren es 2015 nur noch 389 Männer und Frauen. Dies entspricht einer Wahlbeteiligung von 1,9 Prozent. Wahlberechtigt waren insgesamt 20.237 Senioren. Voraussetzung zur Stimmabgabe war, die Personen mussten das 60. Lebensjahr erreicht haben.

    Spitzenergebnis für Christina Heimlich

    Insgesamt ziehen 15 Personen in den Seniorenbeirat ein. Nach dem vorliegenden Ergebnissen haben folgende Personen den Einzug geschafft: Christina Heimlich (227 Stimmen), Gernot Lahr (215 Stimmen), Peter Buhl (191 Stimmen), Dieter Horst (170), Hans-Walter Martin (154), Klaus Steinborn (154), Margarete Gräff-Bens (132), Hiltrude Janson (128 Stimmen), Peter Brandt (122 Stimmen), Irene Miesel (118 Stimmen), Manfred Baaden (112 Stimmen), Rudolf Fuchs-Webel (109 Stimmen), Ursula Groos (107), Brigitte Perchalla (104) und Bruno Behr (100). Den Einzug knapp verpasst haben Helmut Menger (95), Gerhard Wilhelm (80), Marlies Iecle (78), Rainer Sorge (76), Viktor Schröder (53) und Günter Handwerk (52).

    Gründe für das Desinteresse

    Am Montagmorgen fand eine Pressekonferenz im Wormser Rathaus statt, bei der Oberbürgermeister Michael Kissel und die neu gewählten Mitgliedern des Beirates anwesend waren. Zunächst gratulierte der Wormser Stadtchef den Frauen und Männern, die den Einzug geschafft hatten und freute sich auf die zukünftige Zusammenarbeit. Im Anschluss diskutierte die Runde über die Gründe für die geringe Wahlbeteiligung. Eine These war dabei, dass viele ältere Mitbürger mit der Seniorenpolitik der Stadt zufrieden sind und daher kein Veranlassungen sahen, wählen zu gehen. Doch so richtig glauben wollte dies kaum einer. Vielmehr gibt es wohl andere Gründe für das Desinteresse, auch wenn darüber natürlich nur spekuliert werden kann. Da ist zum einen die Funktionen des Seniorenbeirates als reines beratendes Gremium. Hier gilt gleiches wie für den Beirat für Migration und Integration, ein wirkliches Entscheidungsbefugnis hat der Seniorenbeirat nicht, er kann nur Vorschläge machen. "Warum also wählen gehen?", fragen sich da viele Wahlberechtigte. Ein anderes Argument für das Desinteresse der Senioren ist vielleicht die Tatsache, dass sich viele ältere Mitbürger, die knapp über 60 Jahre alt sind, sich noch lange nicht als Senioren fühlen und daher auch nicht zu den Wahlen für dieses Gremium gehen. Prinzipiell gilt in diesem Zusammenhang die Feststellung, dass „Senioren“ natürlich ein sehr weit gefasster Begriff ist und es "Den Senioren" nicht gibt. Da ist der rüstige Rentner, der gerade in den Ruhestand wechselte und noch absolut fit ist und sich nicht als "alter Mensch" fühlt. Anderseits gibt es den Pflegebedürftigen, der sich nicht mehr engagieren kann. Für beide Gruppen soll bzw. muss der Seniorenbeirat aber sprechen.

    Briefwahl

    Ein weiters Argument für das geringe Interesse, das am Montag vorgetragen wurde, war der Umstand, dass es keine Wahlbenachrichtigung für die Seniorenbeiratswahlen gibt. Viele älter Bürger es also schlichtweg nicht wussten, dass die Wahlen stattfinden. So würden viele Menschen etwa zu Kommunal- oder Bundestagswahlen gehen, da ihnen diesbezüglich solch eine Benachrichtigung vorliegt. Darüber hinaus schlug Christina Heimlich vor, an alle Senioren zukünftig Briefwahlunterlagen zuzuschicken und ihnen die Möglichkeit zu geben, auf diese Weise an der Abstimmung teilzunehmen.

    Wenig ehemalige Stadträte

    Ein Manko der Seniorenbeiratswahlen ist sicher auch, es fehlt der Wahlkampf mit strittigen Themen und damit fallen die „großen“ Alternativen weg, die der Wähler sieht. Alle scheinen irgendwie das Gleiche zu wollen. In diesen Zusammenhang gehört sicher auch die Problematik, dass keine Parteien oder Gruppierungen antreten, zu denen der Wähler eine gewisse Grundorientierung hat. Und ein gewisser demokratischer Wettstreit um Ideen wirkt sicher belebend. Auch kandidieren kaum ehemalige Stadträte oder sonstige Politiker für den Seniorenbeirat.

    Viele der Kandidaten waren den Wählern daher unbekannt, es war nicht klar, für was sie stehen und welche Ideen sie haben. Angeregt wurde am Montag diesbezüglich, vor den nächsten Wahlen eine Art Rundbrief an alle Senioren zu verschicken, in dem sich die Kandidaten präsentieren können.

    Aufbruchstimmung

    Neben der Aufarbeitung der geringen Wahlbeteiligung, stand natürlich die Arbeit der nächsten fünf Jahre auf der Tagesordnung der Pressekonferenz am Montag. Dabei war eine große Aufbruchstimmung und Lust am Gestalten spürbar. Denn auch dies wurde deutlich, die Akzeptanz einer Institution wie des Seniorenbeirates steigt mit den Erfolgen und dem Engagement der Mitglieder.

    Die konstituierende Sitzung des Seniorenbeirates mit den Vorstandswahlen wird am 11. Mai um 10 Uhr stattfinden.

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