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  • Sa., 10. August 2024, 17:00 Uhr
    STADTGESCHICHTE: Israelische Generalkonsulin besucht jüdisches Welterbe in Worms

    „Der Friedhof ist ein Muss!“

    Am berühmten „Martin-Buber-Blick“ angelangt, blickte die Delegation mit Talya Lador-Fresher (Mitte) über die Gräber hinweg auf den romanischen Kaiserdom, dessen Türme wie die Grabsteine gen Himmel ragen. Foto: Florian Helfert


    Von Florian Helfert › Verbriefte Weltkultur am Rhein bestaunte Israels Generalkonsulin Talya Lador-Fresher am Donnerstag mit den historischen SchUM-Stätten in Speyer, Worms und Mainz. Dank richtungsweisender Synagogen, Frauenschulen, Ritualbäder, Talmudschulen und Friedhöfen zählen die einstigen Epizentren jüdischer Kultur und Gelehrsamkeit seit fast genau drei Jahren zum Welterbe der Menschheit.

    „Für mich als israelische Jüdin deutscher Herkunft sind die Geschichte und die Gelehrten der SchUM-Stätten ein wichtiger Teil meiner persönlichen Geschichte“, erzählte die Diplomatin aus Petach Tikwa, einer der größten Städte Israels im Beisein ihrer Gastgeberin Monika Fuhr. Diese hatte als Landesbeauftragte für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen eingeladen.

    Welterbe ein wichtiges Zeichen

    Dass die SchUM-Stätten als UNESCO-Welterbe im Juli 2021 anerkannt wurden, ist Lador-Fresher zufolge ein wichtiges Signal. „Das historische, religiöse und kulturelle Erbe der SchUM-Stätten lebt bis heute im modernen Staat Israel fort“, so Lador-Fresher.

    Aber auch in Deutschland: Indem beispielsweise ausgehend von der jüdischen Gemeinde Mainz das Briefgeheimnis für bindend erklärt worden ist – oftmals Rabbeinu Gerschom Me'Or Hagolah (960–1028/1040) zugeschrieben –, prägt jüdische Weitsicht die Idee zum Schutz der eigenen Privatsphäre gesellschaftlich noch bis heute.

    Reise in die Vergangenheit

    Bei der Reise in die jüdische Geschichte der Stadt Worms führte die langjährige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz, Stella Schindler-Siegreich, fachkundig unter anderem durch, wie sie betonte, „die Synagoge der deutschen Geschichte“.

    Die älteste Synagoge Europas nahm auch baulich eine Vorbildfunktion ein, hier entstand die erste Frauenschul. Speyer übernahm die Idee der Vorreiter aus Worms. Für ihr Ritualbad imitierte Worms in kleinerem Maße wiederum umgekehrt deren Turmbau in die Erde hin zum Grundwasser. Im Vergleich zu einem Ritualbad an einem Fluss handelte es sich bei den im romanischen Stil gehaltenen Mikwen in den beiden Städten um kostspieligere Prestigebauten.

    Barbarei der NS-Diktatur

    1938 brannten Nationalsozialisten die altehrwürdige Synagoge nieder. Obwohl es aufgrund von Deportationen, Holocaust und Flucht in der Folgezeit gar keine jüdische Gemeinde mehr gab, wurde sie 1957 wieder aufgebaut. Des Weiteren gründete die Stadt Worms laut Schindler-Siegreich eines der ersten jüdischen Museen Deutschlands (nach Frankfurt am Main).

    Heiliger Sand ein Höhepunkt

    „Der Friedhof ist ein Muss!“, bestätigte Lador-Fresher im Anschluss mit Blick auf die Uhr und ihr weiteres Programm in Mainz schmunzelnd ihr großes Interesse zum Besuch des sogenannten Heiligen Sandes.

    Sich sanft über grüne Hügel erstreckend ist er ein Kleinod und mit mehr als 2.500 Gräbern der älteste sowie am besten erhaltene jüdische Friedhof in Europa. Zeitgleich mit der ersten Synagoge in Worms im 11. Jahrhundert angelegt, beherbergt das verwunschen wirkende Areal Grabsteine von 1058/59 bis 1937.

    „Wir sind sehr froh darüber“, erläuterte der städtische Beigeordnete Timo Horst, „dass dieser so wichtige Ort von den Verwüstungen der NS-Zeit und des Zweiten Weltkrieges weitgehend unversehrt geblieben ist“. Der Welterbe-Status – gemeinsam mit den jüdischen Stätten in Mainz und Speyer – sei für Worms eine große Ehre, legte er sodann dar.

    EU-Fördermittel beantragt

    Sehr zur Freude des Beigeordneten sowie der Geschäftsführerin des SchUM-Vereines, Birgit Kita, berichtete Monika Fuhr, das Werben der Stadt Worms um Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zugunsten des geplanten SchUM-Besucherzentrums unterstützt zu haben.

    Sonderbriefmarke kommt

    Eine andere Initiative ist bereits weiter fortgeschritten: Die öffentliche Präsentation der SchUM-Sonderbriefmarke wird laut Monika Fuhr voraussichtlich bereits im Dezember stattfinden.

    Die Herausgabe eines solchen philatelistischen Blickfanges hatte sie gemeinsam mit der Vorsitzenden des Vereins der SchUM-Städte, Stefanie Seiler, in einem Schreiben an Bundesfinanzminister Christian Lindner erfolgreich anregen können (der NK berichtete).

    SchUM-Kulturtage ab Ende Oktober

    Abschließend dankte die Beauftragte für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen dem Verein der SchUM-Städte: „Mit vielen kreativen Ideen trägt der Verein dazu bei, dass das jüdische Welterbe noch bekannter wird“. Ein gutes Beispiel seien etwa die SchUM-Kulturtage. Deren Führungen, Konzerte oder auch Vorträge laden in diesem Jahr Ende Oktober zum Kennenlernen der jüdischen Kultur in Speyer, Worms und Mainz ein.

    Mehr Informationen über das jüdische Erbe von Speyer, Mainz und Worms unter https://schumstaedte.de

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