Mo., 25. Mai 2015, 19:33 Uhr
Sachkundige Informationen auf 9 Kilometern bei CDU-Umwelt-Radtour am Bürgerfest
Eindrücke „aus erster Hand“
CDU-Fraktionssprecher Jürgen W. Martin hatte die traditionelle Fahrt während des Bürgerfestes organisiert und freute sich, knapp 20 Teilnehmer zu begrüßen und einige sachkundige Informationen während der etwa 9 Kilometer langen Rundfahrt anzukündigen.
Gewerbegebiet „Auf dem Wörth“
Altbürgermeister Manfred Gräf, die frühere Beigeordnete Rosalia Reinhardt und das ehemalige Ratsmitglied Rudolf Först (alle CDU) ergänzten den Bericht von Jürgen Martin im Gewerbegebiet „Auf dem Wörth“ zum Stand der vollzogenen und geplanten Geländeverkäufe, insbesondere bezüglich des erhofften künftigen Lekkerland-Standorts.
Jürgen Martin verwies auf die schon vor vielen Jahren in Regie von Manfred Gräf in Angriff genommene Erschließung des neuen Gewerbegebiets und auf die dabei und auch später immer wieder zu überwindenden Einwände von anderen Gemeinderatsfraktionen bzw. anderen Institutionen. Es war immer wieder das Interessen-Dreieck Gemeinde – Naturschutz – Wirtschaft gebührend zu berücksichtigen.
Manfred Gräf und Rosalia Reinhardt hatten unter Mitarbeit der zuständigen Stellen der Gemeindeverwaltung in den vergangenen Jahren mit zahlreichen interessierten Gewerbebetrieben Verhandlungen führen können. Investoren dieser Art pflegen meistens gleichzeitig und ausführlich mehrere potenzielle Standorte zu prüfen, während jedesmal auf der Seite der Gemeinde Bobenheim-Roxheim neue Anforderungen der Interessenten bei zahlreichen Behörden bzw. Institutionen auf Machbarkeit auszuloten waren. Heute kann sich die Gemeinde und mit ihr Bürgermeister Müller glücklich schätzen, dass das neue Gewerbegebiet einen wichtigen finanziellen und zukunftsorientierten Beitrag für die Gemeinde erbringen kann.
Kiosk am Silbersee
Hier wurde die Radler-Kolonne vom Pächter des Silbersee-Kiosks, Rainer Wagner, erwartet. Rainer Wagner berichtete über mehrere Einbrüche bzw. Einbruchsversuche auf dem Kiosk-Gelände. So wurde vor kurzem ein als Lager dienender Container zum Vandalismusopfer; er brannte vollständig aus. In den nunmehr 7 Jahren seiner Pachtzeit sind dem Pächter Schäden entstanden, die sich auf über 40.000 Euro belaufen; weniger als die Hälfte davon sei von Versicherungen reguliert worden.
Rosalia Reinhardt erläuterte, dass in der Gemeindeverwaltung zahlreiche Diskussionen zur Verbesserung der Situation, vor allem aber für eine langfristig tragbare Lösung, geführt worden seien. Der Pachtvertrag mit Rainer Wagner hatte eher einen provisorischen Charakter, denn er war in Erwartung eines erforderlichen, baldigen städtebaulichen Vertrags über die Gesamtlösung „Silbersee“, auch unter Einbeziehung eines Hotel-Projekts der Firma Willersinn, abgeschlossen worden. Damals hat man nicht wissen können, wieviel Zeit ins Land gehen würde. So führten u.a. naturschutzorientierte Langzeitmessungen und Analysen letzten Endes dazu, dass auf die alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung immer noch gewartet werden muss. Die Radtour-Teilnehmer erhielten einen Eindruck „aus erster Hand“, was hier kommunalpolitisch und übergreifend umweltpolitisch noch zu erledigen ist.
Brücke am Nordabfluss des Roxheimer Altrheinsees
Als der Radfahrer-Konvoi die Brücke über den Nordabfluss des Altrheinsees erreichte, war dort gerade Dr. Klaus Penzien aus Frankenthal mit Wasserstandsmessungen beschäftigt. Auf Bitte von Jürgen Martin hatte sich der pensionierte Chemiker und Mitglied einer Grundwasser-Arbeitsgruppe von Frankenthaler und Roxheimer Bürgerinitiativen bereit erklärt, den Radtour-Teilnehmern über seine langjährigen Beobachtungen und Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Grundwasser zu berichten. Er wies nachdrücklich auf die Interdependenzen zwischen dem Wasserstand der Isenach, dem Altrheinsee und dem Grundwasserpegel hin. Der Altrheinseepegel sei zur Zeit so hoch wie schon lange nicht mehr. Da der Seewasserstand bis auf eine Entfernung von rund 100 Meter vom See direkt den Grundwasserstand beeinflusst, sieht er bei weiterem Anstieg Gefährdungen für die privaten Hauskeller kommen.
Nach Dr. Penziens Messungen ist der Grundwasserstand seit 2004 bis Ende 2014 sowohl am Pegel Frankenthal (+76 cm) als auch am Pegel Roxheim (+91 cm) stark angestiegen. Bei weiterem Anstieg könne es, wenn nicht vorsorglich wirksame, von ihm aufgezeigte Massnahmen an der Isenach und am Altrheinsee zur Absenkung des Wasserstands erfolgen würden, bereits im Jahr 2016 zu größerem Grundwasserdruck auf die benachbarten Keller kommen. Dr. Penzien zeigte die Ursachen auf und verwies auf die Wichtigkeit des Handlungsbedarfs seitens der zuständigen Behörden und Gremien.
Neue Brücke am Heiligensandweg
Vorletzte Station war die neue, vor kurzem für den Verkehr frei gegebene Brücke am Heiligensandweg. Die von den landwirtschaftlichen Nutzern als voll tauglich eingeschätzte und von Joggern, Radfahrern sowie Spaziergängern wieder stark frequentierte Brücke wirkt auf den Betrachter im Vergleich zur Streckenführung als „leicht schief“ eingesetzt. Rosalia Reinhardt berichtet aus ihrer Zeit als Beigeordnete für Liegenschaften und Gebäudemanagement, dass es bei der Vermessung und Planung keine Probleme gegeben habe. Später sei wohl aus finanziellen Gründen eine einfachere Bauausführung an den billigsten Bieter vergeben worden. Der Vorsitzende des Vereins für Naturschutz und Heimatpflege, Ewald Marx, zeigte anhand von ihm aufgenommener Fotos, dass seitens der bauausführenden Firma einige „fachmännische (kostensteigernde) Fehler“ gemacht worden sein müssten, insbesondere was die Rohrverlegung für den Wasserabfluss während der Bauzeit betrifft.
Abschluss auf der SC-Terrasse
Nach über zweistündiger Umwelt-Radtour nahmen etliche Teilnehmer die CDU-Einladung zu einer abschließenden Aussprache bei einem kleinen Umtrunk an. Ingolf Rehwald dankte Jürgen Martin für die gelungene Organisation und die Bereitstellung der vielen fachlichen Informationen sowie den Teilnehmern für ihre Diskussionsbeiträge, alles zusammen wichtiges Wissen, das einem sonst im Alltag verborgen bleibt.